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Merken   Drucken   10.10.2011, 21:49 Schriftgröße: AAA

Fragestunden im Europaparlament: Asmussen mutiert vom Liberalisierer zum Regulierer

Jörg Asmussen bewirbt sich als Pragmatiker für das EZB-Direktorium und räumt vor Europaabgeordneten Fehleinschätzungen ein. Ganz ohne Prinzipien kommt er aber nicht aus. von Peter Ehrlich 
Es braucht eine Weile, bis die Abgeordneten im Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments auf den Punkt kommen: Wie hältst du es mit der Geldpolitik? Jörg Asmussen, noch Staatssekretär im Berliner Finanzministerium, soll schließlich bald als Mitglied des sechsköpfigen Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Zinsen entscheiden. Er sei doch wohl eher Pragmatiker und nicht Dogmatiker, fragt der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold. Dass er mit Dogmatiker den bisherigen Chefvolkswirt Jürgen Stark meint, muss man hier keinem erklären.
Jörg Asmussen   Jörg Asmussen
Asmussen, der schon fünf unterschiedlichen Finanzministern gedient hat, entscheidet sich für den Pragmatiker. Anderes würde man ihm auch kaum abnehmen. Das Risiko, dass in dieser Bezeichnung liegt, ist ihm bewusst: "Pragmatiker ist in Deutschland im Zusammenhang mit der Geldpolitik nicht unbedingt positiv, im europäischen und internationalen Kontext ist es aber ein positiv besetzter Begriff."
Ein Held derer, die in der deutschen Ökonomie und Publizistik eine harte geldpolitische Linie fordern, will der SPD-Mann offenbar nicht werden. "Es gibt Leute, für die sind die Zinsen immer zu niedrig, für andere immer zu hoch." Daher müsse man sich vor den Entscheidungen gründlich die Daten anschauen.
Für diese Datensammlung und vor allem Bewertung wird Asmussen zuständig sein, wenn er Starks Position als Chefvolkswirt übernimmt. Dass ihm der Ausschuss und damit aller Voraussicht nach das Gesamtparlament keine Steine in den Weg legen würde, war schon vorher absehbar. Per Akklamation stimmten Christdemokraten, Sozialdemokraten, Linke und Grüne nach der Anhörung für den 44-Jährigen. Trotzdem begann der sonst redegewandte bisherige Spitzenbeamte seinen Vortrag mit belegter Stimme. Erstmals muss er jetzt für sich werben und nicht wie sonst für die Politik seiner Regierung.

Teil 2: Ohne Dogmen geht es nicht

  • Aus der FTD vom 11.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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