Es ist einfach nur ein weiteres Finanzinstrument an der Terminbörse Eurex. Eigentlich. Aber in Frankreich sorgt es für heftige Diskussionen im Wahlkampf. Denn mit der Einführung eines neuen Terminkontrakts auf französische Staatsanleihen hat sich die Deutsche Börse die Wut vor allem linker Politiker zugezogen.
Dabei liest sich die Mitteilung der zur Deutschen Börse gehörenden Eurex ganz friedlich: "Mit dem Zinskontrakt auf französische Staatsanleihen steht dem Markt ein weiteres effizientes und kostengünstiges Absicherungsinstrument im europäischen Anleihemarkt zur Verfügung." Mit dem Future reagiere man auf die Wünsche der Marktteilnehmer.
Das sehen französische Politiker jedoch ganz anders. Während sich die Favoriten Nicolas Sarkozy und François Hollande bisher mit Äußerungen zum bereits Ende März angekündigten Produkt zurückhalten, schießen andere Bewerber scharf gegen die Eurex.
Die Nummer Drei in den Umfragen, der Präsidentschaftskandidat der linken "Front de Gauche", Jean-Luc Mélenchon, spricht von einer "neuen Finanzwaffe gegen Frankreich", die es Spekulanten ermögliche, "unser Land anzugreifen". In einer Pressemitteilung heißt es: "Dies ist ein neues Instrument zum Geldverdienen auf dem Rücken unseres Volkes." Er warnt vor den "Bankstern, wie Morgan Stanley und Barclays, die schon die Finanzkrise ausgelöst hätten", und die nun auch Frankreich ruinieren könnten.
Die französischen Sozialisten im EU-Parlament warnten in einer Erklärung, die Einführung der Eurex-Kontrakte entstehe aus der Idee, dass sich die Qualität der französischen Schulden verschlechtern werde. Dadurch, dass Investoren auf einen Wertverfall französischer Staatsanleihen wetten könnten, werde das Produkt damit zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Auch Frankreichs Grüne ("Zeitbombe inmitten des Präsidentschaftswahlkampfes") und die Präsidentschaftskandidatin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen wettern scharf gegen das neue Angebot der Eurex. Le Pen sprach vom "goldenen Faschismus" der Banken und Finanzmärkte, der nun ein neues Instrument habe, um den Druck auf die Franzosen zu erhöhen.
Selbst der Gouverneur der französischen Zentralbank, Christian Noyer, schaltete sich in die Diskussion ein. Bei der Vorstellung des Jahresberichts der Bank de France sagte er zwar, die ab dem 16. April handelbaren Futures könnten die Liquidität erhöhen und die Refinanzierungskosten Frankreichs senken. Er legte aber direkt nach: "Grundsätzlich gilt: Alles, was eine Spekulation gegen Frankreichs Schulden darstellt, werde ich rigoros bekämpfen."
Der Chef der französischen Finanzaufsicht Jean-Pierre Jouyet, kritisierte vor allem den Zeitpunkt der Ankündigung. In der Wirtschaftszeitung "Les Echos" bezeichnete er die Ankündigung angesichts des französischen Wahlkampfs und der Diskussion um eine mögliche Eskalation der Schuldenkrise als "unpassend".