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Merken   Drucken   05.02.2012, 18:39 Schriftgröße: AAA

FTD-Zinsumfrage: Die EZB bleibt auf der Lauer

Die Zinsen im Euro-Raum bleiben zunächst bei einem Prozent, glaubt die große Mehrheit der von der FTD befragten Volkswirte. Denn zunächst gilt es noch, einen Geldsegen bei den Banken unterzubringen.
© Bild: 2011 Bloomberg/Hannelore Foerster
Exklusiv Die Zinsen im Euro-Raum bleiben zunächst bei einem Prozent, glaubt die große Mehrheit der von der FTD befragten Volkswirte. Denn zunächst gilt es noch, einen Geldsegen bei den Banken unterzubringen. von Wolfgang Proissl  und André Kühnlenz 
Die große Mehrheit der Chefvolkswirte führender Kreditinstitute erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren Leitzins von 1,0 Prozent beibehalten wird. In der FTD-Zinsumfrage sagten 34 der 39 teilnehmenden Ökonomen, der EZB-Rat werde die Zinshöhe nicht verändern. Lediglich fünf Volkswirte rechnen bereits für diese Woche damit, dass die EZB den Zins senkt.
Mit dem Ergebnis der Zinsumfrage ist klar: Die meisten Bankenökonomen wähnen die Währungshüter der Euro-Zone in einer Wartehaltung - auch deshalb, weil die EZB am 8. Dezember weitreichende Beschlüsse zur Stabilisierung der Währungsunion beschlossen hatte, die teilweise noch gar nicht umgesetzt sind.
Die FTD-Zinsumfrage im Monat Februar   Die FTD-Zinsumfrage im Monat Februar
Die wichtigste noch ausstehende Maßnahme im Kampf gegen die Euro-Krise ist die nächste Geldspritze der EZB am 29. Februar: Dann leiht sie den Banken der Euro-Zone bereits zum zweiten Mal unlimitiert und für drei Jahre Geld zum Leitzins von derzeit 1,0 Prozent. Bei ihrem ersten Drei-Jahres-Tender im Dezember hatte sie den Banken 489 Mrd. Euro zugeteilt.
Da die Anforderungen an die Sicherheiten, die Banken bei der EZB als Pfand für die Geldspritze hinterlegen müssen, nach einer ersten Lockerung im Dezember nun ein weiteres Mal erweitert werden, erwarten die meisten Beobachter beim kommenden Tender eine hohe Nachfrage. Hinzu kommt, dass die Notenbank am 18. Januar ihren Mindestreservesatz von 2,0 auf 1,0 Prozent gesenkt hat, was bei den Finanzinstituten zusätzliche Mittel freisetzt. Einige Bankvorstände hatten beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Erwartung geschürt, dass sich das Leihvolumen am 29. Februar bis auf 1000 Mrd. Euro verdoppeln könnte. Doch Ökonomen wie Jürgen Michels von der US-Großbank Citigroup halten das für übertrieben. Er geht von einem Volumen von 400 Mrd. bis 500 Mrd. Euro aus.
Vergleich der Befragungen   Vergleich der Befragungen
Bevor sie abermals die Zinsen senkt, wird die EZB die Wirkung ihrer Sondermaßnahmen zur Krisenbekämpfung genau analysieren. EZB-Präsident Mario Draghi hatte in Davos zwar gesagt, die Liquiditätsspritzen hätten in der Euro-Zone "eine bedeutende Kreditklemme und eine größere Finanzierungskrise vermieden". Allerdings räumte er ein, bislang lasse sich nicht belegen, dass die zusätzliche Liquidität die Kreditvergabe an die Industrie ankurbelt. Weitere Entscheidungskriterien für den Zinskurs der EZB sind die Euro-Konjunktur und die Inflationsentwicklung.
Eine deutliche Mehrheit von 22 der 39 Ökonomen zeigte sich in der FTD-Zinsumfrage überzeugt, dass die EZB ihren Leitzins bis April auf 0,75 Prozent senken wird, zwei glauben sogar an ein Zinsniveau von 0,5 Prozent. 25 Volkswirte gehen davon aus, dass der Zinssatz bis Februar 2013 unter dem aktuellen Satz von 1,0 Prozent liegen wird. In dieser Gruppe glauben zehn Ökonomen, dass der Leitzins binnen Jahresfrist auf 0,75 Prozent sinken wird. 15 sind sogar davon überzeugt, dass es dann nur noch 0,5 Prozent sein werden.
Käme es so weit, würde die EZB unter ihrem neuen Präsidenten Draghi mit der ungeschriebenen Regel des Vorgängers Jean-Claude Trichet brechen, unter dessen Führung die Euro-Währungshüter anders als die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) oder die Bank of England den Leitzins während der Krise nie unter 1,0 Prozent gesenkt hatten.




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Bei der Einschätzung der Konjunktur bleiben die Volkswirte bei ihrer pessimistischen Grundhaltung, die sie bereits in der FTD-Zinsumfrage von Januar geäußert hatten. Wie vor einem Monat gingen die Experten auch dieses Mal im Schnitt davon aus, dass die Euro-Volkswirtschaft 2012 um 0,2 Prozent schrumpfen wird. Für 2013 rechneten die Wirtschaftswissenschaftler der Geldinstitute mit einem Wachstum 1,1 Prozent. Das ist etwas weniger als noch im Januar, als mit 1,2 Prozent gerechnet wurde.
Bei der Preissteigerungsrate gehen die Volkswirte von einem leichten Anstieg aus. Für das laufende Jahr rechnen die Euro-Spezialisten im Durchschnitt mit einer Inflationsrate von 2,0 Prozent. Im Januar hatte die Prognose noch bei 1,9 Prozent gelegen. Für das kommende Jahr erwarten die Ökonomen, dass die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf 1,7 Prozent wieder leicht sinkt. Noch im Januar hatten sie für 2013 eine Inflationsrate von 1,8 Prozent vorausgesagt.
Diese Werte deuten darauf hin, dass Inflationssorgen für die EZB zumindest aktuell keine Hürde für weitere Zinssenkungen darstellen dürften. Die Euro-Notenbanker richten ihre Geldpolitik darauf aus, dass die durchschnittliche Preissteigerungsrate in den 17 Staaten der Währungsunion mittelfristig unter, aber nahe bei 2,0 Prozent liegen soll.
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  • Aus der FTD vom 06.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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