EZB-Chef Jean-Claude Trichet beugt sich Forderungen aus der Politik nicht
Dann könnte doch die Europäische Zentralbank die ganz große Keule schwingen, dachten sich politische Amtsträger wie EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn, der der EZB nahelegte, ihr Aufkaufprogramm für Staatsanleihen verschuldeter Euro-Staaten auszuweiten. Anderswo, in den USA etwa, greifen Notenbanken schließlich auch ganz tief in den Werkzeugkasten.
Am Ende haben sich EZB-Präsident
Jean-Claude Trichet und seine Kollegen nur ein bisschen bewegt. Gerade so weit, wie es sein musste, um zu einem relativ geringen Preis keine schweren Verwerfungen an den Märkten auzulösen. Die EZB verschiebt den Ausstieg aus den Liquiditätshilfen, mit denen sie die Banken der Euro-Zone unbegrenzt mit Geld versorgt. Den Rufen nach einem aggressiven Eingreifen aber widersteht sie. Und das ist richtig so.
Ganz offensichtlich hat die EZB keine Lust, sich von Politikern treiben zu lassen. Politikern, die es selbst in der Hand hatten und haben, mit Banken, Immobilienmärkten und Staatsfinanzen verantwortungsvoll umzugehen. Politikern, die seit Monaten mit unheimlicher Regelmäßigkeit immer wieder so ungeschickt vorgehen, dass sie das Gegenteil von dem Erstrebten erreichen. Die oft genug aus populistischen Erwägungen den einfachen Weg gehen und etwa "Spekulanten" für die hohen Renditen verantwortlich machen, die sie zahlen müssen, anstatt schmerzhafte Strukturreformen anzugehen. Politiker, die mit ganz schlechtem Timing mitten in einer Vertrauenskrise Unsicherheit säen, indem sie Investoren - vage - Einbußen bei künftigen Rettungsaktionen für Schuldenstaaten in Aussicht stellen.