Die Kehrtwende der deutschen Politik in der Griechenland-Frage hat Investoren erheblich verunsichert. Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Ausfall hellenischer Staatsanleihen zogen an: Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) schnellten am Donnerstag laut dem Datendienstleister Markit um 26 auf 315 Basispunkte in die Höhe. Der Spread war damit so hoch wie seit dem 2. März nicht mehr. Die Rendite auf zehnjährige griechische Bonds kletterte um 15 Basispunkte auf 6,237 Prozent.
Der Euro fiel zeitweise auf 1,3648 $ und lag am Nachmittag 0,4 Prozent im Minus bei 1,3675 $. Auch andere Länder gerieten in den Sog: Der Markit SovX Western Europe Index, der CDS auf Staatsanleihen von 15 Staaten abbildet, lag am Nachmittag bei rund 73 Basispunkten und damit fünf Basispunkte höher als bei Handelsschluss am Mittwoch.
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Auslöser waren Kommentare von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die bezüglich der hellenischen Schuldenkrise wieder den Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Spiel brachte - und somit eine Hilfsleistung durch die EU in Frage stellte.
Auf dem Kapitalmarkt herrscht große Verwirrung. Griechenland ächzt unter einem Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nachdem Ministerpräsident Giorgios Papandreou einen strikten Sparplan vorgestellt hatte, hatte die EU quasi eine Garantie für das Land ausgesprochen.
Inzwischen scheint die Bundesregierung doch wieder zurückzurudern. Am Mittwoch hatte Merkel gesagt, in der jetzigen Krise müsse man "vielleicht den IWF rufen". Ähnlich geäußert hatte sich der stellvertretende Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Meister. Er bezeichnete einen Rettungsversuch für Griechenland ohne Hilfe des Währungsfonds als "riskantes Experiment".
Nach Informationen der Financial Times kann Deutschland dabei auf die Unterstützung von Finnland, den Niederlanden und Italien zählen. Das Pikante dabei: Bisher hatte Europa ein Anrufen des IWF aus politischen Gründen ausgeschlossen, gilt die Organisation doch als US-dominiert.
Griechenlands Regierungschef Papandreou zeigte sich am Donnerstag vor dem Europäischen Parlament in Brüssel nicht begeistert über das Ansinnen der Deutschen. Er bervozuge eine "europäische Lösung", sagte er. "Wir haben bereits mit dem IWF gesprochen. Wenn wir den Währungsfonds anrufen würden, würde er uns keine zusätzlichen Auflagen stellen."
Papandreou fügte hinzu: "Wir wünschen uns ein Instrument, mit dem wir die Spekulanten abschrecken könnten." Damit spielte der Ministerpräsident auf eine Garantie für griechische Staatsanleihen und ein Verbot von CDS an. Papandreou setzte der EU ein Ultimatum bis zum Gipfel am 25. März. Wenn dann keine Entscheidung vorliege, werde er womöglich den IWF anrufen.
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