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Merken   Drucken   17.02.2009, 09:11 Schriftgröße: AAA

Geldmarkt: Finanzkrise zwingt Banken zur Kreativität  

Noch immer helfen sich die Banken der Euro-Zone kaum mit Liquidität aus - zu groß ist das Misstrauen. Notenbanken und Wertpapierabwickler gehen daher neue Wege, um das Geschäft zu reanimieren. Das Zauberwort heißt "besichert". von Doris Grass (Luxemburg)
Die Finanzkrise zwingt Banken in aller Welt nicht nur dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken - auch in der Refinanzierung müssen vor allem die großen Institute neue Wege gehen. Der Hauptgrund: Aus Furcht vor einer Pleite ihrer Geschäftspartner leihen sie sich kaum noch gegenseitig Geld, ohne dafür Wertpapiere als Sicherheiten zu verlangen - eine Folge der Vertrauenskrise, die inzwischen seit zwei Jahren andauert und im Herbst 2008 schon Lehman Brothers in die Knie zwang.
Zugleich aber verlangen die Märkte, dass die Banken mehr Kapital denn je vorhalten - zu groß ist die Angst vor einer zweiten Pleite à la Lehman. Doch es ist noch immer schwer, sich Liquidität zu besorgen, eben weil der Geldmarkt ausgetrocknet ist. "Die Prämien werden langfristig hoch bleiben, auch falls sich die Märkte normalisieren", sagt etwa Norbert Walter. Der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt glaubt, dass sich die Institute wieder längerfristiger refinanzieren müssen und nicht kurzfristig wie vor der Krise. Dagegen spricht auch nicht, dass der Zinssatz für Termingelder in Euro zuletzt gesunken ist - zu dieser Interbank Offered Rate (Euribor) wird kaum Geld gehandelt.
Zudem glaubt kaum ein Experte, dass sich die Banken jemals wieder so günstig wie früher gegenseitig Geld leihen, ohne dafür Wertpapiere als Sicherheitenpfand zu verlangen. Umgekehrt ausgedrückt: Der unbesicherte Geldmarkt als Blutkreislauf der Banken ist augenscheinlich für immer tot.
"Banken haben realisiert, wie wichtig es ist, einen Großteil ihrer Liquidität auf den besicherten Markt zu verlagern", beschreibt auch Werner Kreutzmann, Leiter des Bereichs Financial Services der Beratungsgesellschaft Bearingpoint, den Trend. Der Großteil des besicherten Geldmarkts in Europa entfällt auf Wertpapierrückkaufvereinbarungen, die sogenannten Repo-Geschäfte: Dabei leiht sich ein Institut Geld, verpfändet dafür Wertpapiere als Sicherheit und vereinbart den Rückkauf dieser Papiere für einen späteren Zeitpunkt.
Gleichwohl hat die Finanz- und Vertrauenskrise den Geldhandel insgesamt stark schrumpfen lassen, ob besichert oder unbesichert. Eingesprungen ist vor allem die Europäische Zentralbank (EZB), die den Geschäftsbanken Liquidität in fast unbegrenzter Höhe anbietet.
Dass aber innerhalb des schrumpfenden Geldmarkts der Anteil besicherter Geschäfte steigt, liegt auch daran, dass immer mehr Banken und Unternehmen ihre Liquiditätssteuerung verbessern. Sie versuchen zunehmend, Wertpapiere wie Staats- oder Firmenanleihen als Sicherheiten mehrfach zu nutzen, um frische Liquidität zu bekommen - und das grenzüberschreitend. Verbessern sie ihr Liquiditäts- und Sicherheitenmanagement, so können vor allem Banken Kosten senken und ihr Risiko stärker kontrollieren, heißt es in einer Bearingpoint-Studie.
Vor allem die Wertpapierabwickler reagieren darauf und bieten den Banken neue Möglichkeiten an, ihr Sicherheitenmanagement zu verbessern. So sollen elektronische Plattformen das Verwalten von Wertpapieren ermöglichen. In Europa sind die größten Anbieter die Deutsche-Börse-Tochter Eurex Repo, Italiens MTS, die inzwischen von der Londoner Börse übernommen wurde, sowie die in London angesiedelte Brokertec, die zum weltgrößten Interdealer-Broker ICAP gehört. Letztere offeriert neben dem elektronischen Handel auch den Telefonhandel. Eine elektronische Repo-Handelsplattform für Banken hat Tullett Prebon neu gestartet. Die Briten zählen zu den führenden Geldhändlern via Telefon in Europa.

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