FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Anleihen + Devisen » Abhängigkeit der USA von China größer als gedacht

Merken   Drucken   01.03.2011, 13:46 Schriftgröße: AAA

Größter ausländischer Gläubiger: Abhängigkeit der USA von China größer als gedacht

Die Volksrepublik hält noch mehr amerikanische Staatsanleihen als bislang angenommen. Für Washington ist das eine brisante Nachricht. Aber auch Peking möchte das Engagement gern verringern.
China hält 1160 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen - ein Drittel mehr als bislang angenommen. Das teilte das US-Finanzministerium am Montagabend nach einer Änderung seiner statistischen Erhebungsmethoden mit. Noch vor zwei Wochen hatte Washington das Volumen von Treasuries in den Händen chinesischer Investoren zum Stichtag 31. Dezember 2010 auf 892 Mrd. Dollar geschätzt. Darin waren aber Käufe chinesischer Anleger am Finanzplatz London nicht berücksichtigt. Die neue, noch vorläufige Zahl bezieht diese Transaktionen mit ein.
Kommen ohne einander nicht aus: Der chinesische Präsident Hu ...   Kommen ohne einander nicht aus: Der chinesische Präsident Hu Jintao und sein US-Kollege Barack Obama
Bislang wurden die in London getätigten Investitionen in US-Staatsanleihen Großbritannien zugerechnet. Trotz der geänderten Erhebungsmethode bleiben die Briten auf Platz drei der größten US-Gläubiger im Ausland. Ende Dezember hielten Anleger in Großbritannien demnach Treasuries im Umfang von 272 Mrd. Dollar. An zweiter Stelle lag Japan mit einem Volumen von 882 Mrd. Dollar. Der Gesamtbestand an Treasuries in den Händen ausländischer Investoren liegt den neuen Zahlen zufolge bei 4440 Mrd. Dollar.
Die neuen Daten zu China sind politisch brisant, weil sie die Abhängigkeit der USA von der Volksrepublik verdeutlichen. Mit ihren Investitionen in US-Staatsanleihen tragen die Chinesen dazu bei, dass die Vereinigten Staaten trotz ihrer hohen Schuldenlast günstig frisches Geld an den Märkten aufnehmen können. Sollte Peking aber eine größere Menge an Treasuries verkaufen, würden deren Kurse fallen. Als Ausgleich würden Anleger für Investitionen in die Papiere eine höhere Rendite verlangen, was langfristig die Refinanzerungskosten der USA in die Höhe treiben würde.
Peking will einen Teil seiner Reserven umschichten
Die chinesische Regierung hat wiederholt angekündigt, ihre Devisenreserve im Umfang von rund 2850 Mrd. Dollar diversifizieren zu wollen. Sie will die überwiegend in Dollar und US-Staatsanleihen gehaltenen Bestände also teilweise in andere Anlagen umschichten. Nach den Statistiken des US-Finanzministeriums ist das Volumen amerikanischer Staatsanleihen in den Händen chinesischer Investoren in den vergangenen Jahren aber stetig gestiegen. Da die USA der wichtigste Absatzmarkt für chinesische Exportwaren sind, kann Peking sich eine rasche Umschichtung seiner Devisenreserve gar nicht erlauben. Denn eine Stützung der US-Wirtschaft liegt im ureigensten Interesse der Volksrepublik.
Noch mehr Treasuries als die Chinesen dürfte mittlerweile die US-Notenbank Federal Reserve besitzen. Am 23. Februar hatte die Fed laut ihrer jüngsten Statistik 1200 Mrd. an US-Staatsanleihen in ihren Büchern. Da sich die Zahlen für China auf Ende Dezember beziehen, sind sie aber nicht direkt vergleichbar. Die Fed kauft den amerikanischen Geschäftsbanken Treasuries ab, um die Kreditvergabe anzukurbeln und damit die Konjunktur zu stützen.
Auch im Ausland sind es vor allem Zentralbanken, die in US-Staatsanleihen investieren. Sie besitzen 3156 Mrd. Dollar an Treasuries. Das entspricht 71 Prozent der insgesamt von ausländischen Investoren gehaltenen Bestände. Der Anteil der Zentralbanken wurde mit der neuen Erhebungsmethode deutlich nach oben korrigiert.
Analysten werten das als gutes Zeichen dafür, dass Treasuries auch nach Auslaufen der Anleihekäufe durch die Fed Ende Juni gefragt bleiben werden: "Die Sorge, dass die Renditen auf US-Staatsanleihen erst steigen müssten, um private Anleger anzulocken, könnte übertrieben sein", zitierte die Financial Times einen Anleihe-Experten der Deutschen Bank.
  • FTD.de, 01.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6380,35  [64.46 +1,02%
  Euro Stoxx 50 2172,35  [15.83 +0,73%
  Dow Jones 12529,75  [33.6 +0,27%
  Nasdaq Composite 2839,38  [-10.74 -0,38%
  Euro 1,25867 USD  [0.00518 +0,41%
  Brent-Öl 106,56 USD  [0.25 +0,24%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote