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Merken   Drucken   06.12.2011, 19:14 Schriftgröße: AAA

Herabstufung: So sieht S&P die Euro-Zone

Die Ratingagentur beklagt grundsätzlich fehlende Verlässlichkeit und Durchschlagskraft der politischen Entscheidungsträger in Europa. Es gibt jedoch auch spezifische Probleme. Eine Analyse der Staaten.
© Bild: 2011 AFP/STAN HONDA
Die Ratingagentur beklagt grundsätzlich fehlende Verlässlichkeit und Durchschlagskraft der politischen Entscheidungsträger in Europa. Es gibt jedoch auch spezifische Probleme. Eine Analyse der Staaten. von Frank Bremser  Frankfurt
Standard & Poor's (S&P) hat - Griechenland steht ohnehin seit Monaten auf Ramschstatus - die gesamte Euro-Zone mit negativem Ausblick versehen. Während die Ratingagentur für alle Staaten grundsätzliche Kritikpunkte zur Begründung anführt, nennt sie bei einigen auch länderspezifische Faktoren. Dies betreffen vor allem das Bankensystem und die Sparbemühungen.
"Der systemische Stress ist in der Euro-Zone in den letzten Wochen gestiegen und hat ein so hohes Niveau erreicht, dass uns eine Überprüfung aller Staats-Ratings in der Euro-Zone angemessen erschien", erklärte S&P sein Motiv, den gesamten Währungsraum mit einem Bonitätsverlust zu bedrohen. Die Länder im Einzelnen:
Für diese drei Länder führt die Ratingagentur als Grund für die angedrohte Herabstufung vor allem grundsätzliche Sorgen an. Diese werden in den Berichten zu allen 15 Staaten angeführt - nämlich welche Auswirkungen die sich verschärfenden politischen, fiskalischen und finanziellen Probleme innerhalb der Euro-Zone auf den Währungsraum haben.
Ist die Drohung von S&P für die Euro-Zone gerechtfertigt?

 

Ist die Drohung von S&P für die Euro-Zone gerechtfertigt?

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Angeführt werden das Kreditversorgung, das Wirtschaftswachstum und eine steigende Staatsverschuldung.
Nach Ansicht von S&P haben die bisherigen Aktionen der Politik gezeigt, dass es strukturelle Defizite in der Entscheidungsfindung in der Euro-Zone gibt. Gemeint ist damit die politische Kakofonie und der Umstand, dass es in Europa sehr lange dauert, bis Kompromisse verkündet werden. Hintergrund ist, dass die Staaten zwar alle an einem Strang ziehen müssen, um Europa als Gemeinschaft zu erhalten. Zugleich vertreten sie aber in Verhandlungen auch nationale Interessen. Das macht die Konsenssuche oft schwer, zumal die Beschlüsse der 17 Euro-Länder oftmals von allen 27 EU-Staaten abgesegnet werden müssen.
Vor diesem Hintergrund werde man die Vorhersagbarkeit und die Reaktionsstärke der Regierungen analysieren, unterstrich S&P. Zudem wird die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die Realwirtschaft und die Kreditwürdigkeit der Staaten analysiert.
Eine Herabstufung will Standard & Poor's nach eigenen Angaben unter anderem dann vornehmen, wenn die Agentur zu dem Schluss kommt, dass das Handeln der EZB nicht ausreichen wird, um zu erwartende wirtschaftliche und finanzielle Schocks als Folge der Krise abzuschwächen. Dies Argumentation gilt für alle 15 unter Beobachtung gestellte Länder sowie Zypern, das längst mit negativem Ausblick versehen ist.
Im Falle der exportorientierten Bundesrepublik begründete die Agentur die mögliche Herabstufung Deutschlands mit seiner engen Verflechtung innerhalb Europas und den damit einhergehenden Gefahren für die Wirtschaft. S&P sei in Sorge über "die potenziellen Folgen dessen, was unserer Ansicht nach immer tiefer greifende politische, finanzielle und geldpolitische Probleme mit der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sind".
Bei diesen Ländern weisen die Analysten zusätzlich auf die Situation der Banken hin. Die Agentur will die Lage dieser Staaten unter Berücksichtigung möglicher Auswirkungen einer Verschärfung der Probleme auf dem Interbankenmarkt analysieren.
Sollte sich die Qualität der Bankeinlagen verschlechtern, steige die Gefahr, dass Institute gerettet werden müssten, urteilten die Bonitätswächter. Deshalb werde untersucht, ob die Staaten zum einen willens und zum anderen dazu in der Lage seien zu helfen.
Bei Österreich ergäben sich Gefahren durch die starke Osteuropaorientierung.
In Finnland und den Niederlanden könnte es sich als kritisch erweisen, dass die Banken des Landes kurzfristig refinanziert werden müssten. Bislang hätten die Finanzinstitute dieser Staaten noch einen sehr guten Zugang zum Kapitalmarkt.
In Italien habe sich die neue Regierung bislang sehr überzeugend zu ihren Sparzielen bekannt. Problematisch seien die hohen Zinsen, die das Land - aber auch die Finanzinstitute - derzeit zahlen müssten. S&P hob darauf ab, dass Italien in den Strudel der Krise geraten ist und für neue Kredite am Kapitalmarkt exorbitante Zinsen bieten muss. Die Banken des Landes haben nach Expertenangaben Probleme, von Konkurrenten Darlehen zu erhalten.
Neben der grundsätzlichen Kritik weisen die Analysten daraufhin, dass die Regierung in diesen Ländern angesichts der Spannungen auf den Finanzmärkten Probleme haben könnten, ihre Strategien zur Sanierung der Staatshaushalte durchzusetzen.
In Irland spielten die Probleme auf dem Interbankenmarkt, die für andere Länder eine Gefahr seien, aufgrund der bereits erfolgten harten Konsolidierung der Branche kaum eine Rolle. Zusätzliches Kapital werde wohl nicht benötigt werden.
S&P lobt die Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit der Politik der Regierung in Madrid. Kritisch für die Wirtschaft Spaniens sei, dass die Finanzinstitute des Landes generell sehr kurzfristig refinanziert seien und sie deshalb erneut in eine Krise rutschen könnten. In Portugal bestehe zudem die Gefahr, dass die geplanten Verkäufe von Assets weniger Erlöse als geplant und dass portugiesische Banken unter der Zurückhaltung anderer Geldinstitute der Euro-Zone leiden könnten.
Nach Ansicht der Ratingagentur reichen die von der Regierung angekündigten Sparanstrengungen nicht aus, um das Defizitziel von 4,5 Prozent im kommenden Jahr zu erreichen.
Denn während die Pariser Regierung von einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent ausgeht, rechnet S&P nur mit 0,5 Prozent und demzufolge mit einem Staatsdefizit von 4,8 Prozent. Außerdem zieht die Agentur die Wachstumsprognosen der Regierung von jeweils zwei Prozent für die Jahre 2013 bis 2016 in Zweifel.
Die Budgetziele seien nur erreichbar, wenn das Land den Rotstift noch stärker ansetze. Zu loben sei, dass die Regierung sich überzeugend zu ihren Sparzielen bekenne. Unter Beobachtung stünden auch die französischen Banken, da diese im kommenden Jahr einen großen Refinanzierungsbedarf hätten.
S&P drohte Frankreich an, das "AAA" um gleich zwei Stufen zu beschneiden, wenn Paris die Lage nicht in den Griff bekommt.
  • FTD.de, 06.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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