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Merken   Drucken   25.02.2011, 14:27 Schriftgröße: AAA

Höherer Leitzins: Moskau kämpft gegen Inflation und Kapitalabflüsse

Nach langem Zögern erhöht die russische Zentralbank ihren Leitzins. Der Rubel klettert auf den höchsten Stand seit 15 Monaten. Während die Begeisterung für die Schwellenländer nachlässt, sehen Analysten Russland vor einem Boom-Jahr. von Barbara Schäder  Frankfurt
Angesichts rasant steigender Preise hat die russische Zentralbank ihren Leitzins angehoben. Der wichtigste Refinanzierungssatz für die Geschäftsbanken steige von 7,75 auf 8,0 Prozent, kündigte die Bank Rossii am Freitag in Moskau an. Damit soll die Kreditvergabe eingeschränkt werden. Um überschüssige Liquidität vom Markt abzuschöpfen, wurde gleichzeitig der Zinssatz für Übernachteinlagen bei der Zentralbank von 2,75 auf 3,0 Prozent angehoben. Überdies erhöhten die Währungshüter den Mindestreservesatz, den Geschäftsbanken als Sicherheit bei der Notenbank hinterlegen müssen. Für Kredite an ausländische Firmen stieg er um 1 Prozentpunkt auf 4,5 Prozent, für alle anderen Forderungen um 0,5 Punkte auf 3,5 Prozent.
Die größten Ölproduzenten in Russland   Die größten Ölproduzenten in Russland
Finanzminister Alexej Kudrin hatte die Notenbank am Donnerstag indirekt zu einer Zinserhöhung aufgerufen. "Die Zentralbank ist unabhängig, aber ich glaube, es ist Zeit für weitere Maßnahmen", sagte Kudrin in einem BBC-Interview auf die Frage, was zur Inflationsbekämpfung getan werden könne. Die Verbraucherpreise liegen nach Angaben der Zentralbank derzeit um 9,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Die Zinserhöhung war die erste seit Dezember 2008. Die Bank Rossii hatte damals wegen der Weltwirtschaftskrise ihre Geldpolitik gelockert. Als zweitgrößter Öl-Exporteur wurde das Riesenreich von Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin von der globalen Rezession schwer getroffen, die Wirtschaftsleistung schrumpfte 2009 um 7,9 Prozent.
Im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt nach Einschätzung des IWF zwar um 3,7 Prozent, damit blieb Russland aber deutlich hinter dem rasanten Aufschwung in vielen lateinamerikanischen und asiatischen Ländern zurück. Gebremst wurde die Erholung durch die verheerenden Dürren und Brände im vergangenen Sommer. Die Zentralbank hielt sich deswegen lange zurück.
Bis zu 50 Mrd. Dollar außer Landes geschafft
Der von den Ernteausfällen wegen der Dürrekatastrophen befeuerte Preisanstieg bei Lebensmitteln verschärfte indes die Probleme: Er drückte den Binnenkonsum. Zudem trugen die gemessen an der Inflationsrate niedrigen Zinsen dazu bei, dass Unternehmen und private Investoren Milliardensummen aus Russland herausschafften. Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley schätzen das Volumen der Kapitalabflüsse im vergangenen Jahr auf 50 Mrd. Dollar, ihre Kollegen von Goldman Sachs auf 35 Mrd. Dollar.
Gleichzeitig hielten sich ausländische Geldgeber mit Direktinvestitionen in Russland zurück. Sie schrumpften 2010 um 13 Prozent auf 14 Mrd. Dollar. Nimmt man Geldanlagen und Kredite hinzu, stiegen die ausländischen Investitionen aber um 40 Prozent auf 115 Mrd. Dollar.

Teil 2: Zinserhöhung macht Rubel attraktiver

  • FTD.de, 25.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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