Die größten Ölproduzenten in Russland
Finanzminister Alexej Kudrin hatte die Notenbank am Donnerstag indirekt zu einer Zinserhöhung aufgerufen. "Die Zentralbank ist unabhängig, aber ich glaube, es ist Zeit für weitere Maßnahmen", sagte Kudrin in einem BBC-Interview auf die Frage, was zur Inflationsbekämpfung getan werden könne. Die Verbraucherpreise liegen nach Angaben der Zentralbank derzeit um 9,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Die Zinserhöhung war die erste seit Dezember 2008. Die Bank Rossii hatte damals wegen der Weltwirtschaftskrise ihre Geldpolitik gelockert. Als zweitgrößter Öl-Exporteur wurde das Riesenreich von Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin von der globalen Rezession schwer getroffen, die Wirtschaftsleistung schrumpfte 2009 um 7,9 Prozent.
Im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt nach Einschätzung des IWF zwar um 3,7 Prozent, damit blieb Russland aber deutlich hinter dem rasanten Aufschwung in vielen lateinamerikanischen und asiatischen Ländern zurück. Gebremst wurde die Erholung durch die verheerenden Dürren und Brände im vergangenen Sommer. Die Zentralbank hielt sich deswegen lange zurück.
Bis zu 50 Mrd. Dollar außer Landes geschafft
Der von den Ernteausfällen wegen der Dürrekatastrophen befeuerte Preisanstieg bei Lebensmitteln verschärfte indes die Probleme: Er drückte den Binnenkonsum. Zudem trugen die gemessen an der Inflationsrate niedrigen Zinsen dazu bei, dass Unternehmen und private Investoren Milliardensummen aus Russland herausschafften. Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley schätzen das Volumen der Kapitalabflüsse im vergangenen Jahr auf 50 Mrd. Dollar, ihre Kollegen von Goldman Sachs auf 35 Mrd. Dollar.
Gleichzeitig hielten sich ausländische Geldgeber mit Direktinvestitionen in Russland zurück. Sie schrumpften 2010 um 13 Prozent auf 14 Mrd. Dollar. Nimmt man Geldanlagen und Kredite hinzu, stiegen die ausländischen Investitionen aber um 40 Prozent auf 115 Mrd. Dollar.