Das ist geradezu absurd. Natürlich können wir stolz darauf sein, zur Elite der wenigen Länder mit den drei "A" zu gehören. Kaufen können wir uns dafür aber nichts. Nur billige Kredite aufnehmen.
Deutschland ist kein Musterknabe. Jede Wirtschaftskrise holt uns aufs Neue aus allen Träumen vom ausgeglichenen Haushalt. Sicher: Die Bundesrepublik wird in absehbarer Zeit keine exorbitanten Zinsen an seine Gläubiger zahlen müssen. Unser "AAA" ist derzeit so sicher wie der Frankfurter Börsenschluss um Punkt 17.30 Uhr. Zu Recht: Das Land ist wirtschaftlich stark und politisch stabil.
Ein Blick auf die USA zeigt, wie schnell sich die Lage ändern kann. Timothy Geithner hat Anfang 2010 noch geglaubt, die USA werde "niemals" das Toprating verlieren. Natürlich ist es ein Erfolg, dass Deutschland die Euro-Defizitgrenze einhält. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Entwicklung nach wie vor fatal ist.
Für dieses Jahr rechnet Wolfgang Schäuble mit einer Neuverschuldung von knapp unter 30 Mrd. Euro. Nur für den Bund, wohlgemerkt - und das bei guter Konjunktur und sprudelnden Steuereinnahmen. Für 2012 veranschlagt er 27,2 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Der Betrag entspricht ziemlich exakt der Summe, die alle 30 DAX-Konzerne 2010 an Dividende ausschütteten.
Deutschland steht mit 2000 Mrd. Euro bei seinen Geldgebern in der Kreide. Pro Minute kommen Zehntausende Euro hinzu, auf jeden Einwohner zwischen Flensburg und Freiburg kommen 24.450 Euro Schulden, die Zinslast ist seit zig Jahren der zweithöchste Posten im Bundeshaushalt.
Alle Versuche der Politik, allein auf Wachstum als finanziellen Heilsbringer zu setzen, scheiterten. Nach dem Konjunktureinbruch als Folge der geplatzten IT-Blase musste Hans Eichel sein Ziel beerdigen, 2006 ohne einen einzigen Euro neuer Kredite auszukommen. Die Vision war zu schön, um wahr zu werden.