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Merken   Drucken   30.08.2011, 16:53 Schriftgröße: AAA

Hohe Verschuldung: Deutschland ist kein "AAA"-Musterknabe

Seit die Euro-Krise tobt, Griechenland zum Maßstab geworden ist und nur noch das "AAA" als Indiz für solides Wirtschaften gilt, steht Deutschland als Vorbild beim Haushalten da. Das verzerrt die Lage. Wir haben ein massives Schuldenproblem.
© Bild: 2011 Patrick Pleul/dpa-Bildfunk
Kommentar Seit die Euro-Krise tobt, Griechenland zum Maßstab geworden ist und nur noch das "AAA" als Indiz für solides Wirtschaften gilt, steht Deutschland als Vorbild beim Haushalten da. Das verzerrt die Lage. Wir haben ein massives Schuldenproblem. von Thomas Schmoll 
Selten ist es geworden, dass unsere Regierung - seit Monaten im Krach-und-Krisen-Modus - dem Volk frohe Kunde bringen kann. Kürzlich klappte es: Schon 2011 - zwei Jahre früher als gefordert - schaffe die Bundesrepublik die Drei-Prozent-Defizitgrenze des Maastricht-Vertrags. Prompt lobte manches Medium: "Deutschland wird zum Musterknaben in der Euro-Zone."
Von wegen! Wir sind nur der Einäugige unter den Blinden. Die Euro-Krise und das amerikanische S&P-Desaster haben die Sichtweise auf unseren Schuldenberg nicht nur verrückt, sondern verstellt. Maßstab aller Dinge ist nicht etwa das finanziell kerngesunde Norwegen. Messlatten sind Griechenland, Italien und die USA. Allein das "AAA" ist zum Ausweis von Solidität geworden.
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Das ist geradezu absurd. Natürlich können wir stolz darauf sein, zur Elite der wenigen Länder mit den drei "A" zu gehören. Kaufen können wir uns dafür aber nichts. Nur billige Kredite aufnehmen.
Deutschland ist kein Musterknabe. Jede Wirtschaftskrise holt uns aufs Neue aus allen Träumen vom ausgeglichenen Haushalt. Sicher: Die Bundesrepublik wird in absehbarer Zeit keine exorbitanten Zinsen an seine Gläubiger zahlen müssen. Unser "AAA" ist derzeit so sicher wie der Frankfurter Börsenschluss um Punkt 17.30 Uhr. Zu Recht: Das Land ist wirtschaftlich stark und politisch stabil.
Ein Blick auf die USA zeigt, wie schnell sich die Lage ändern kann. Timothy Geithner hat Anfang 2010 noch geglaubt, die USA werde "niemals" das Toprating verlieren. Natürlich ist es ein Erfolg, dass Deutschland die Euro-Defizitgrenze einhält. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Entwicklung nach wie vor fatal ist.
Für dieses Jahr rechnet Wolfgang Schäuble mit einer Neuverschuldung von knapp unter 30 Mrd. Euro. Nur für den Bund, wohlgemerkt - und das bei guter Konjunktur und sprudelnden Steuereinnahmen. Für 2012 veranschlagt er 27,2 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Der Betrag entspricht ziemlich exakt der Summe, die alle 30 DAX-Konzerne 2010 an Dividende ausschütteten.
Deutschland steht mit 2000 Mrd. Euro bei seinen Geldgebern in der Kreide. Pro Minute kommen Zehntausende Euro hinzu, auf jeden Einwohner zwischen Flensburg und Freiburg kommen 24.450 Euro Schulden, die Zinslast ist seit zig Jahren der zweithöchste Posten im Bundeshaushalt.
Alle Versuche der Politik, allein auf Wachstum als finanziellen Heilsbringer zu setzen, scheiterten. Nach dem Konjunktureinbruch als Folge der geplatzten IT-Blase musste Hans Eichel sein Ziel beerdigen, 2006 ohne einen einzigen Euro neuer Kredite auszukommen. Die Vision war zu schön, um wahr zu werden.

Teil 2: Die Bundesrepublik lebt von der Hand in den Mund

  • FTD.de, 30.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 01.09.2011 09:05:28 Uhr   M.H.: Falsch ist...

    ...das Deutschland über seine Verhältnisse lebt. Das ist volkswirtschaftlich einfach messbar als Exportüberschuss: In Deutschland wird mehr produziert als verbraucht.

    Richtig ist, dass die Einnahmen aus dem Exportüberschuss nicht so verteilt und besteuert werden, dass der Staat ohne Verschuldung auskommt, um seiner Aufgaben im Bereich Bildung, Sicherheit, Gesundheit und Infrastruktur (und neuerdings offensichtlich auch Bankenrettung) zu bewältigen. Das ist ein Politkversagen, dass nicht dadurch gelöst wird, dass man Steuern senkt, sonder nur dadurch, dass man die Schuldigen konsequent abwählt.

  • 31.08.2011 19:55:06 Uhr   WPPJ: Schulden und deren Begleichung
  • 31.08.2011 19:23:10 Uhr   KKD-II: @Wogel
  • 31.08.2011 19:05:02 Uhr   RobertP: Nicht sparen sondern mehr einnehmen
  • 31.08.2011 16:19:12 Uhr   Zahlmichel: Subventionen
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