Brasiliens Präsident Luis Inacio "Lula" Da Silva stemmt sich gegen den starken Real
Der brasilianische Real steht auf der Kaufliste der Investoren ganz oben. Seit Jahresbeginn legte die Währung gegenüber dem Dollar um 33,6 Prozent zu. Damit schlägt sie selbst den australischen Dollar, den neuseeländischen Dollar und die norwegische Krone, die um 30,4, 28,6 bzw. 23 Prozent zulegten. Der Grund: Investoren lieben den Carry-Trade, bei dem sie sich in Dollar verschulden und ihr Kapital im Ausland höher rentierlich anlegen.
Dass der Real überbewertet ist, lässt sich am Preis für einen Big Mac ablesen. Der Parade-Hamburger kostet in Sao Paulo derzeit 8 Real. Das entspricht 4,62 $ und stellt die Preise in New York und London in den Schatten. Dort kostet die Kalorienbombe "nur" 3,99 $ und umgerechnet 3,74 $. Der Big-Mac-Index ist ein Maß für die Kaufkraftparität - und damit ein Indikator für die Über- oder Unterbewertung einer Währung. Der Grundgedanke: Eigentlich müsste ein Big Mac in allen Ländern der Erde ungefähr gleich viel kosten.
Finanzminister Guido Mantega sorgt sich angesichts der Real-Aufwertung um die Erholung der brasilianischen Wirtschaft - und verhängte Kapitalkontrollen. Genau genommen handelt es sich um eine Steuer, die ausländische Investoren bezahlen müssen: Jeder Anleger, der brasilianische Anleihen oder Aktien kaufen will, muss zukünftig eine Abgabe von zwei Prozent entrichten. "Wir werden damit Exzesse verhindern", sagte Mantega.
Die Marktteilnehmer sind skeptisch, ob sich der Minister durchsetzt. Barclays Capital geht davon aus, dass im kommenden Jahr 40 Mrd. $ an Direktinvestitionen in das Land am Zuckerhut fließen werden. Damit wären zwei Drittel aller Netto-Kapitalzuflüsse nicht von der Steuer betroffen. "Die Steuer müsste das verbleibende Drittel beeinträchtigen. Doch warum sollte das der Fall sein? Der Großteil sind Aktien, und die Käufer werden durch einen zweiprozentigen Fall der Preise wieder kompensiert", sagte Barclays-Capital-Experte Michael Gavin, der die Hauptlast beim Verkäufer sieht. Das Fazit? "Der Real wird seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Bewertungsfragen spielen wirklich keine Rolle", sagte Paulo Leme, Südamerika-Volkswirt bei Goldman Sachs.