Na klar, es sind die Griechen! Kriegen ihren Haushalt nicht in Ordnung, die Schulden nicht in den Griff und versauen uns die schöne Gemeinschaftswährung. So einfach scheint der jüngste Verfall der Gemeinschaftswährung zum Dollar für manche zu erklären zu sein. Doch der Zusammenhang zwischen Schuldenkrise und Wechselkurs des Euro zum Dollar ist höchstens ein indirekter. Davon sind Experten überzeugt - auch wenn die Gemeinschaftswährung in der zu Ende gehenden Woche zunächst durch Berichte gestärkt wurde, Athen werden weitere 60 Mrd. Euro an Rettungsgeldern erhalten, um dann angesichts der teils gewaltsamen Proteste im Zuge eines Generalstreiks der Griechen gegen den von den Rettern auferlegten Sparkurs wieder abzurutschen.
Am Donnerstag indes beherrschten keine Gerüchte über weitere Horrormeldungen aus Athen das Geschehen. Trotzdem vollführte der Euro eindrucksvolle Volten: morgens tief im Minus, am Ende des Tages gestärkt. Und auch das Plus am Freitag um 0,2 Prozent auf 1,4273 Dollar ist eher mit dem starken Wirtschaftswachstum in Frankreich und Deutschland zu erklären als mit den mageren 0,8 Prozent, um die das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Griechenlands im ersten Quartal zulegte. Denn die Aussichten für die griechische Konjunktur sind laut Frühjahrsprognosen der EU noch düsterer als zuvor.
Auf der Suche nach den Hintergründen der Wellenbewegung des Euro liefern die frischen Wachstumszahlen allerdings einen ersten Hinweis. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich die neuen Daten aus Brüssel und Straßburg ganz genau ansehen. Denn sie verfolgt nach eigener Aussagen die Entwicklung der Teuerung in den 17 Ländern der Währungsunion ganz genau, damit sie sich nicht noch weiter von der angepeilten Zwei-Prozent-Marke für die Inflation entfernt.
Einmal hat die EZB die Zinsen nach der Finanzkrise bereits angehoben - ganz anders als ihr Widerpart auf der anderen Seite des Atlantiks, die Fed in Washington. Denn mit einem Durchschnittswert von 2,7 Prozent im März ist die Teuerung für die Währungshüter bereits jetzt zu hoch. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und seine Kollegen haben erst jüngst deutlich gemacht, dass der Zinsschritt auf 1,25 Prozent nicht der einzige bleiben dürfte. Bislang können sie auf hohe Rohstoffpreise verweisen, die die Inflation vor allem treiben. Zieht aber die Konjunktur in den beiden wichtigsten Volkswirtschaften der Gemeinschaft derart an wie in den ersten drei Monaten des Jahres, verlangen die Arbeitnehmer gerne einen Anteil daran - auch, um die realen Einkommensverluste durch die höheren Preise für Öl, aber auch Lebensmittel zu kompensieren. Können sie sich durchsetzen, sind die gefürchteten Zweitrundeneffekte da, die Lohn-Preis-Spirale kommt in Gang.
Während die US-Zentralbanker und ihr Chef, Ben Bernanke , angesichts der sich zuletzt wieder eintrübenden Konjunkturentwicklung die Füße still halten und eher über ein neues Stimulus-Programm mit dem Arbeitstitel QE3 sinnieren, steht Europa vor der Rückkehr zur normalen Geldpolitik. Während die Zinsen in den Vereinigten Staaten real negativ sind, ziehen sie in Europa an. Das macht Anlagen im Euro-Raum tendenziell attraktiver. Sie müssen in Euro bezahlt werden. Das stärkt die Gemeinschaftswährung und war der Hauptgrund hinter ihrem Anstieg, der auf Trichets Zinswende folgte.
Teil 2: Erinnerungen an die große Silber-Blase