FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Anleihen + Devisen » Der wilde Dollar-Rohstoff-Ritt
Merken   Drucken   15.05.2011, 20:36 Schriftgröße: AAA

Irre Devisenmärkte: Der wilde Dollar-Rohstoff-Ritt

Anfang Mai stand der Euro fast auf 1,50 Dollar - zwischenzeitlich rauschte er um beinahe zehn Cent in die Tiefe. Hierzulande starrt alles auf die Griechenland-Krise, um den Verfall zu erklären. Doch jenseits des Atlantiks haben Experten ganz andere Antworten parat.
© Bild: 2011 reuters
Anfang Mai stand der Euro fast auf 1,50 Dollar - zwischenzeitlich rauschte er um beinahe zehn Cent in die Tiefe. Hierzulande starrt alles auf die Griechenland-Krise, um den Verfall zu erklären. Doch jenseits des Atlantiks haben Experten ganz andere Antworten parat.
von Kai Makus, Hamburg

Na klar, es sind die Griechen! Kriegen ihren Haushalt nicht in Ordnung, die Schulden nicht in den Griff und versauen uns die schöne Gemeinschaftswährung. So einfach scheint der jüngste Verfall der Gemeinschaftswährung  zum Dollar für manche zu erklären zu sein. Doch der Zusammenhang zwischen Schuldenkrise und Wechselkurs des Euro zum Dollar ist höchstens ein indirekter. Davon sind Experten überzeugt - auch wenn die Gemeinschaftswährung in der zu Ende gehenden Woche zunächst durch Berichte gestärkt wurde, Athen werden weitere 60 Mrd. Euro an Rettungsgeldern erhalten, um dann angesichts der teils gewaltsamen Proteste im Zuge eines Generalstreiks der Griechen gegen den von den Rettern auferlegten Sparkurs wieder abzurutschen.

Kursinformationen und Charts
   [ %
   [ %
  •  
  • blättern

Am Donnerstag indes beherrschten keine Gerüchte über weitere Horrormeldungen aus Athen das Geschehen. Trotzdem vollführte der Euro eindrucksvolle Volten: morgens tief im Minus, am Ende des Tages gestärkt. Und auch das Plus am Freitag um 0,2 Prozent auf 1,4273 Dollar ist eher mit dem starken Wirtschaftswachstum in Frankreich und Deutschland zu erklären als mit den mageren 0,8 Prozent, um die das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Griechenlands im ersten Quartal zulegte. Denn die Aussichten für die griechische Konjunktur sind laut Frühjahrsprognosen der EU noch düsterer als zuvor.

Auf der Suche nach den Hintergründen der Wellenbewegung des Euro liefern die frischen Wachstumszahlen allerdings einen ersten Hinweis. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich die neuen Daten aus Brüssel und Straßburg ganz genau ansehen. Denn sie verfolgt nach eigener Aussagen die Entwicklung der Teuerung in den 17 Ländern der Währungsunion ganz genau, damit sie sich nicht noch weiter von der angepeilten Zwei-Prozent-Marke für die Inflation entfernt.

Fed-Chef Ben Bernanke (l.) und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ...   Fed-Chef Ben Bernanke (l.) und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet stehen geldpolitisch weit auseinander

Einmal hat die EZB die Zinsen nach der Finanzkrise bereits angehoben - ganz anders als ihr Widerpart auf der anderen Seite des Atlantiks, die Fed in Washington. Denn mit einem Durchschnittswert von 2,7 Prozent im März ist die Teuerung für die Währungshüter bereits jetzt zu hoch. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  und seine Kollegen haben erst jüngst deutlich gemacht, dass der Zinsschritt auf 1,25 Prozent nicht der einzige bleiben dürfte. Bislang können sie auf hohe Rohstoffpreise verweisen, die die Inflation vor allem treiben. Zieht aber die Konjunktur in den beiden wichtigsten Volkswirtschaften der Gemeinschaft derart an wie in den ersten drei Monaten des Jahres, verlangen die Arbeitnehmer gerne einen Anteil daran - auch, um die realen Einkommensverluste durch die höheren Preise für Öl, aber auch Lebensmittel zu kompensieren. Können sie sich durchsetzen, sind die gefürchteten Zweitrundeneffekte da, die Lohn-Preis-Spirale kommt in Gang.

Während die US-Zentralbanker und ihr Chef, Ben Bernanke , angesichts der sich zuletzt wieder eintrübenden Konjunkturentwicklung die Füße still halten und eher über ein neues Stimulus-Programm mit dem Arbeitstitel QE3 sinnieren, steht Europa vor der Rückkehr zur normalen Geldpolitik. Während die Zinsen in den Vereinigten Staaten real negativ sind, ziehen sie in Europa an. Das macht Anlagen im Euro-Raum tendenziell attraktiver. Sie müssen in Euro bezahlt werden. Das stärkt die Gemeinschaftswährung und war der Hauptgrund hinter ihrem Anstieg, der auf Trichets Zinswende folgte.

Teil 2: Erinnerungen an die große Silber-Blase

  • FTD.de, 15.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler