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Merken   Drucken   10.06.2009, 13:16 Schriftgröße: AAA

Kampf gegen die Finanzkrise: IWF drängt EZB zu neuer Zinssenkung  

In den Reihen der Europäischen Zentralbank existieren unterschiedliche Meinungen über weitere Leitzinsschritte. Ihr Präsident Trichet bestand jüngst auf 1,0 Prozent. Nun mischt sich der Internationale Währungsfonds in die Debatte ein und empfiehlt im Kampf gegen die Finanzkrise eine Senkung. von Mark Schrörs (Frankfurt)
"Es wäre sinnvoll, den Spielraum für weitere Senkungen so schnell wie möglich zu untersuchen", heißt es in der am späten Montagabend veröffentlichten Erklärung zu den Artikel-IV-Gesprächen des IWF mit Vertretern der Euro-Zone. Auf jeden Fall aber müsse die EZB vorerst an ihrem konjunkturstützenden Kurs - also Zinssenkungen - festhalten.
Damit stärkt der IWF jene im EZB-Rat, die weitere Zinssenkungen begrüßen würden. Der Rat ist zerstritten. Einigen gehen die bisherigen Maßnahmen der EZB zu weit, andere fordern mehr. Seit Oktober hat die EZB den Leitzins um 325 Basispunkte auf das Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt. Zugleich leiht sie Banken künftig bis zu einem Jahr so viel Geld, wie die Institute brauchen, und kauft sogar erstmals private Wertpapiere auf.
Indirekt stellt sich der IWF damit auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die vergangene Woche die zu laxe Politik der Notenbanken weltweit kritisiert hatte. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wie auch US-Notenbankchef Ben Bernanke hatten die Kritik zurückgewiesen.
Der IWF erklärte nun, dass die EZB die positiven Effekte weiterer Zinssenkungen gegen mögliche Probleme für die Geldmärkte abwägen müsse. Dennoch lohne es sich, das zu prüfen. Beobachter schlossen daraus, dass der IWF niedrigere Zinsen durchaus befürwortet.
Sorge um den Geldhandel
Einige EZB-Vertreter, die 1,0 Prozent als Untergrenze sehen, fürchten, dass bei einem niedrigeren Leitzins der Geldhandel der Banken wieder zum Erliegen kommt. Der Rat als Ganzes hat sich aber bislang nicht festgelegt. Trichet erklärt stets, 1,0 Prozent seien derzeit "angemessen" - aber nicht das niedrigste mögliche Niveau.
Unabhängig davon hält es der IWF für nötig, dass die EZB an ihrem Kurs, die Zinsen zu senken und Wertpapiere zu kaufen, festhält - im Zweifelsfall sogar stärker als bisher. Hintergrund ist, dass der Fonds erst für 2010 eine Konjunkturerholung erwartet - und die dann auch nur verhalten ausfalle. Anders dagegen EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark und Bundesbankchef Axel Weber: Sie hatten zuletzt betont, der aggressive Kurs müsse so schnell wie möglich zurückgefahren werden.
Das Krisenmanagement der EZB lobte der IWF als "beeindruckend". Gemeint ist vor allem die Bereitstellung von Liquidität. Zugleich kritisierte der Fonds aber, dass die EZB die Zinsen früher hätte senken können. Sie hatte anders als etwa die amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) trotz Finanzkrise den Satz 2008 lange hoch gehalten, weil die Inflation viel zu hoch lag.
Dass die EZB weniger aggressiv agiert als etwa die Fed hat auch einen starken Euro von rund 1,40 $ zur Folge - für den IWF ein Alarmzeichen: Der feste Euro könne zusammen mit der stark steigenden Produktionslücke die Teuerung in der Euro-Zone weiter drücken. Eine starke Währung senkt etwa die Importpreise. Im Mai lag die Inflation erstmals bereits bei null Prozent - deutlich unter dem EZB-Ziel von "unter, aber nahe 2,0 Prozent".
In diesem Umfeld könnten weitere negative Wechselwirkungen zwischen Finanzsektor und Realwirtschaft zu einer langwierigen Deflation führen, warnt der IWF. Derzeit hält er das Risiko eines solchen dauerhaften Rückgangs der Preise aber noch für gering.
  • Aus der FTD vom 10.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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