"Negativzinsen sind ein Zeichen, dass man den Banken nicht mehr über den Weg traut", sagt Thomas Wacker, Leiter der Kreditanalyse bei der Schweizer Bank UBS. Vor allem Anleger mit großen Geldsummen zweifelten an der Fähigkeit einzelner Kreditinstitute, das Geld auf einen Schlag zurückzuzahlen. Das gelte zum Beispiel für große Unternehmen, die Bargeld häufig nur kurzfristig anlegen und sichergehen wollten, dass es nach einigen Monaten zuverlässig zur Verfügung stehe.
Kaum Verlustrisiken
In dieser Hinsicht bieten Schuldtitel von Staaten mit erstklassigen Bonitätsnoten - dazu zählen Dänemark, die Niederlande, Deutschland und die Schweiz - einen großen Vorteil: Sie lassen sich jederzeit ohne Verlustrisiko verkaufen. Das hätten sie sogar Gold voraus, sagt Wacker mit Blick auf die heftigen Schwankungen des Goldpreises im zurückliegenden Quartal: "Kurzfristig kann man da ziemlich viel Geld verlieren."
Der Goldpreis schwankte zuletzt erheblich
Sicherheitsorientierte Großinvestoren sagten sich deshalb: "Lieber eine kleine Parkgebühr zahlen, als das Risiko eingehen, dass eine Bank pleite geht oder der Goldpreis schwankt". Gerade in Dänemark seien Investoren nach mehreren Bankpleiten in den vergangenen Jahren vorsichtig geworden.
Sicherheit und Liquidität von Anleihen spielten auch für ausländische Staatsfonds und Zentralbanken eine wichtige Rolle, meint David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank. Einige von ihnen seien praktisch gezwungen, auch bei unattraktiven Renditen zuzugreifen: China beispielsweise bemüht sich seit Jahren um eine Diversifizierung seiner bislang überwiegend in Dollar angelegten Devisenreserve. Da Peking gleichzeitig Wert auf Sicherheit legt, kommt das Land an Anleihen wirtschaftsstarker Euro-Staaten wie der Bundesrepublik also kaum vorbei.