Merken
Drucken
17.02.2010, 13:05
Schriftgröße: AAA
Kühne Hoffnung:
Deutschen Staatsanleihen drohen Kursverluste
Das Triple-A für die Bundesrepublik gilt als so sicher wie die Tresore der Bundesbank. Deshalb sind deutsche Bonds krisensichere Investments schlechthin. Jetzt stehen sie vor einer Belastungsprobe. Mittelfristig drohen Kursverluste.
von Dennis Kremer
Von amerikanischen Staatsanleihen rät er ab. Britische Staatspapiere bezeichnet er gar als so gefährlich wie Nitroglyzerin. Für Bundesanleihen jedoch ist Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco, voll des Lobes. "Man geht jetzt nach Deutschland", antwortete Gross jüngst in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg auf die Frage, welchem Land unter den Industrienationen er noch traue. Vor allem die gesetzliche Schuldenbremse, die die Neuverschuldung des Bundes ab 2016 begrenzt, spricht aus Sicht des Anleihegurus für die Bundesrepublik.
Da kommt was auf uns zu: Investoren sind sich uneins, wie Bundesanleihen die Belastung durch eine mögliche Piigs-Rettung verkraften
Gross ist derzeit nicht der einzige Deutschlandfan. Angesichts der Haushaltsprobleme des hoch verschuldeten Griechenlands zieht es viele Bondinvestoren in die Bundesrepublik. Die Kurse zehnjähriger Bundesanleihen stiegen darum zuletzt deutlich an, im Gegenzug sank die Rendite: Mit 3,20 Prozent liegt sie auf einem sehr niedrigen Stand.
Doch nicht alle Experten teilen die Lobeshymnen. Birgit Figge, Analystin für Staatsanleihen bei der DZ Bank, sagt: "Bundesanleihen könnten noch in diesem Jahr unter Druck geraten." Es ist eine Zahl mit zehn Nullen, die Figge zu ihrer Sorge veranlasst: 440 Mrd. Euro. So viel müssen Europas Banken Ende Juni 2010 an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen. Die gewaltige Summe haben sich die Institute Mitte 2009 im Rahmen des sogenannten Zwölf-Monats-Tender von der Zentralbank geliehen. Der Begriff beschreibt ein Verfahren, nach dem die EZB den Geschäftsbanken kurzfristig Liquidität mit einem Jahr Laufzeit zuteilt. Da die Häuser 2009 so schlecht dastanden wie nie in der jüngeren europäischen Geschichte, lieh ihnen die Zentralbank das Geld zum Schnäppchenpreis: Nur einen Zins von einem Prozent mussten sie dafür zahlen - so niedrig war der Satz noch nie.
Euro-Staatsanleihe-Fonds und ETFs auf Bundesanleihen
Die Rückzahlung im Sommer werde darum einen Kursrutsch bei Bundesanleihen mit kurzer Laufzeit auslösen, befürchtet Figge. Denn die Banken haben das Geld vor allem in Papiere mit Laufzeiten von ein bis drei Jahren investiert. "Eine gewaltige Menge an Liquidität wird aus dem Markt abfließen", sagt die Analystin. "Investoren müssen sich dann zwangsläufig auf renditeträchtigere Anlagen konzentrieren und werden darum vor allem kurz laufende Bundesanleihen verkaufen."
Auch für langfristige Bundesanleihen sieht Figge Gefahren - jedoch erst später. Bis zum Sommer dürften die Schwierigkeiten der hoch verschuldeten südeuropäischen Länder die Marktteilnehmer noch beschäftigen und in sichere Papiere treiben. Spätestens zum Jahresende könnte sich jedoch das Blatt wenden: "Bis dahin sollte die Sorge um Südeuropa abnehmen und die Konjunktur wieder anziehen. Erhöht die Europäische Zentralbank dann noch den Leitzins, werden sich weitere Anleger abwenden." Die Expertin hat ausgerechnet: Selbst bei einer nur leichten Steigerung des Leitzinses von 1 auf 1,5 Prozent Ende 2010 müssten Bundespapiere zehnjähriger Laufzeit innerhalb eines Jahres einen Kursverlust von 6,5 Prozent hinnehmen. Unter Berücksichtigung der Zinsen, die Anleger erhalten, bleibt ein Minus von 3,5 Prozent.
Teil 2: Was Privatanleger wissen sollten
-
Aus der FTD vom 17.02.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden