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Merken   Drucken   04.12.2008, 15:08 Schriftgröße: AAA

Leitzinssenkung: EZB vollzieht historischen Schritt  

Selten war die Unsicherheit über den nächsten Zinsschritt der Europäischen Zentralbank so groß. Doch nachdem Briten und Schweden vorgelegt hatten, senkte die EZB den Zins um historische 75 Basispunkte. Ihre Wachstumsprognose revidierte sie nach unten. von Mark Schrörs und Tobias Bayer (Frankfurt)
Experten hatten bis zuletzt daran gezweifelt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) einen großen Zinsschritt wagen würde. Doch die EZB strafte die Kritiker Lügen und senkte am Donnerstag den Leitzins um 75 Basispunkte auf 2,5 Prozent.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, die Entscheidung sei einstimmig gefallen und betonte die Abwärtsrisiken für die europäische Wirtschaft. Auch die Spannungen auf den internationalen Geldmärkten strich er heraus. "Die Unsicherheit bleibt außergewöhnlich hoch", sagte Trichet und fügte an, dass die Teuerungsgefahr abgenommen habe. Die Gefahr einer Deflation - einer Phase anhaltend fallender Preise - sieht er aber nicht und unterschied zwischen Deflation und Disinflation.
Der Zinsschritt ist die größte Lockerung in der Geschichte der EZB: Seit der Euro-Einführung 1999 hatte die Notenbank den Zins noch nie in einem einzelnen Schritt um mehr als 50 Punkte gesenkt. "Die Rezession in der Euro-Zone gewinnt offentsichtlich an Fahrt", sagte Carsten Brzeski, Volkswirt bei ING. "Die EZB scheint nun bereit zu sein, alles zu tun, um das Heft wieder in der Hand zu haben."
Euro-Zone 2009 in der Rezession
Die EZB nahm am Donnerstag ihre Wachstumsprognosen zurück. Statt mit einem Plus von 0,6 bis 0,8 Prozent im kommenden Jahr rechnet die Notenbank nun damit, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone im besten Fall stangiert, im schlimmsten Fall um ein Prozent schrumpft. Auch für 2008 revidierte sie ihre Vorhersage. Statt ein Plus von 1,1 bis 1,7 Prozent sieht sie nur noch einen Zuwachs von 0,8 bis 1,2 Prozent.
Auch ihre Inflationsvorhersage nahm sie zurück. Für 2009 sieht sie die Teuerungsrate nur noch bei zwischen 1,1 und 1,7 Prozent. Zuvor hatte sie noch 2,3 bis 2,9 Prozent erwartet. Für 2010 erwartet sie einen Wert von 1,5 bis 2,1 Prozent.

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