Merger & Acquisitions:Angst essen Fusionsgeschäft auf
Die Unternehmen sitzen auf vollen Kriegskassen und würden gerne Zukäufe tätigen. Doch der Zugang zu Fremdkapital wird schlechter. Investmentbanker und Firmenprofis erklären das Zwischenhoch beim Markt für Fusionen und Übernahmen für beendet.
von Angela MaierMünchen
und Tim BartzFrankfurt
Die Finanz- und Schuldenkrise droht den Markt für Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) in Deutschland auf längere Zeit deutlich zu beeinträchtigen. "Das Zwischenhoch am M&A-Markt ist endgültig beendet und mit ihm die Hoffnung auf großes Wachstum", lautet das Ergebnis einer Umfrage der Kanzlei CMS Hasche Sigle und des Fachmagazins "Finance" unter 70 Investmentbankern und M&A-Chefs großer deutscher Firmen im Oktober. Trübsal blasen vor allem Investmentbanker, die auf Beratungsmandate hoffen.
Die Umfrageergebnisse stehen in starker Diskrepanz dazu, dass die meisten deutschen Unternehmen nach wie vor starke Geschäftszahlen präsentieren und viele auf vollen Kassen sitzen. So würden die meisten befragten Firmen zwar gerne akquirieren - sie werden aber zunehmend von der Krise ausgebremst: 79 Prozent der Befragten fürchten, dass potenzielle Übernahmekandidaten ihre langfristigen Geschäftsziele wegen der Krise verfehlen könnten. Diese Zielunternehmen richtig zu bewerten wird dadurch extrem erschwert. "Warum sollten Unternehmen aktuell eine Transaktion forcieren? Aufgrund der angespannten Marktlage zeigen sich Unternehmensvorstände tendenziell zurückhaltend", sagt Wolfgang Fink, Co-Chef des deutschen Investmentbankings von Goldman Sachs.
Der Hochhausturm der Commerzbank: Die Bank will das Kreditneugeschäft teilweise einstellen
Nach einem guten ersten Halbjahr hatte sich das M&A-Geschäft bereits im dritten Quartal stark eingetrübt. Der Branchendienst Mergermarket notierte für die Sommermonate einen Rückgang in Europa von 43 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal und von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Mit 130 Mrd. Dollar war das Volumen so niedrig wie seit dem ersten Quartal 2010 nicht mehr. Käufe durch Finanzinvestoren schrumpften gegenüber dem Vorquartal sogar um 50 Prozent. "Sollte die Schuldenkrise nicht gelöst werden, werden wie schon während der Finanzmarktkrise massive Auswirkungen auf die Aktivitäten am M&A-Markt die Folge sein", sagte CMS-Partner Oliver Wolfgramm. Nur kleinere Deals fänden weiter statt.
84 Prozent der Investmentbanker erwarten, dass sich der Zugang ihrer Kunden zu Fremdkapital deutlich verschlechtern wird. So hat die Commerzbank angekündigt, das Kreditneugeschäft teils einzustellen und sich von Projektfinanzierungen zu trennen, um den Kapitalbedarf zu reduzieren. "Viele werden ihr folgen", sagte Joachim Dobrikat, Bereichsvorstand Finanzen der Unicredit-Tochter HypoVereinsbank, auf einem Kongress in Mainz.
Dies trifft vor allem Beteiligungsgesellschaften: "Der Zugang der Finanzinvestoren zu Akquisitionsfinanzierung ist nahezu versiegt", so CMS-Partner Wolfgramm. Noch in der ersten Jahreshälfte hatte Private Equity, was die Finanzierbarkeit der Firmenkäufe betrifft, fast zu strategischen Käufern, also Industriefirmen, aufgeschlossen. Im Oktober bewerteten die Investmentbanker das Finanzierungsumfeld für Finanzkäufer auf einer Skala von eins bis zehn (exzellent) nur mit 3,9 - im Juni waren es noch 6,7.
Das sind schlechte Aussichten für Firmen, die gerne Töchter loswerden würden, um ihre Bilanz zu verbessern - etwa ThyssenKrupp. Der Stahlkonzern hat Finanzkreisen zufolge wegen seiner Edelstahlsparte auch Finanzinvestoren angesprochen. Dass es zu einem Verkaufsabschluss kommt, gilt als unwahrscheinlich. Damit bleibt voraussichtlich nur die Abspaltung der Sparte über die Börse.
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