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Merken   Drucken   05.08.2011, 15:50 Schriftgröße: AAA

Moody's, S&P und Fitch: Warum die Politik Ratingagenturen im Visier hat

Die Großen Drei können mit ihren Bonitätsnoten Staaten ins Wanken bringen. Italien geht mit Razzien gegen zwei der Agenturen vor. Doch wie arbeiten diese eigentlich? Eine Analyse.
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Die Großen Drei können mit ihren Bonitätsnoten Staaten ins Wanken bringen. Italien geht mit Razzien gegen zwei der Agenturen vor. Doch wie arbeiten diese eigentlich? Eine Analyse. von Barbara Schäder  , Frank Bremser, Frankfurt und Fabian Löhe, Berlin
Nachdem europäische Politiker in martialischen Tönen den drei großen Ratingagenturen mehrfach gedroht haben, deren Macht zu brechen, sind italienischen Behörden mit Razzien gegen die Mailänder Büros von Standard & Poor's (S&P) und Moody's vorgegangen. Ziel der Beschlagnahmung von Dokumenten sei herauszufinden, "ob diese Agenturen bei ihrer Arbeit die Gesetze achten", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der süditalienischen Stadt Trani am Donnerstag. Die Ratingagentur Fitch war nicht betroffen.
Die Strafverfolger forderten auch Unterlagen von der Börsenaufsicht Consob an. Die Börsenaufsicht interessiert sich zudem für die Ankündigung von Moody's vom 23. Juni, italienische Banken auf eine Herabstufung zu prüfen. Am Tag darauf waren die Bankenaktien abgestürzt.
Mit den Durchsuchungen erreichen die Attacken der europäischen Politiker einen neuen Höhepunkt. Immer wieder haben sie sich mit Vorschlägen überboten, wie der Dominanz und Bedeutung der Häuser begegnet werden kann. Die Umsetzung und die Erfolgsaussichten vieler Schritte sind jedoch fraglich. FTD.de analysiert die Position der Ratingagenturen und der Politik.
Anfang Juli hatten Politiker in Europa besonders heftig reagiert, als Moody's die Kreditwürdigkeit Portugals um vier Stufen auf den Ramschstatus "Ba2" gesenkt hatte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte damals, er könne nicht erkennen, was dieser Einschätzung zugrunde liege. Portugal liege "voll im Plan" oder sogar darüber. Schäuble sagte: "Wir müssen das Oligopol zu brechen versuchen."
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier erwog, durch die geplante gesetzliche Regulierung der Agenturen die Ratings für Staaten auszusetzen, die internationale Finanzhilfen erhalten. Er warnte die Agenturen indirekt vor einem Lizenzentzug durch die Marktaufsichtsbehörde ESMA. Sie sollten "extrem darauf achten, die EU-Regeln zu respektieren".
Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte den Verdacht, Europa werde nicht objektiv bewertet, weil alle Ratingagenturen ihren Sitz in den USA hätten. Die Vereinigten Staaten sind bislang von den Agenturen trotz ihres enormen Haushaltsdefizits aber nicht abgewertet worden. Er forderte, eine eigene europäische Ratingagentur aufzubauen.
Bei der Diskussion um Ratingagenturen geht es meist um die so genannten "Großen Drei" Fitch Ratings, Moody's Investors Service sowie Standard & Poor's (S&P). Alle drei Unternehmen haben ihren Hauptsitz in New York, Fitch zusätzlich noch in London. Diese drei Firmen haben Schätzungen zufolge bei Ratings einen Marktanteil von deutlich über 90 Prozent, S&P und Moody's je knapp 40 Prozent, Fitch etwas über 10 Prozent. Gerade wegen dieser Dominanz der drei Häuser, letztlich alle amerikanisch orientiert, gibt es immer wieder Diskussion, die Bedeutung anderer Ratingagenturen zu erhöhen.
Die Firmenzentrale von Standard & Poor's in New York   Die Firmenzentrale von Standard & Poor's in New York
Fitch gehört zu 80 Prozent der französischen Fimalac. Insgesamt unterhält das Unternehmen 51 Büros weltweit. Fitch wurde 1913 gegründet und fusionierte 1997 mit der Londoner IBCA.
Moody's wurde 1909 ins Leben gerufen. 2010 setzte das Unternehmen 2 Mrd. Dollar um, 4500 Angestellte arbeiteten in 26 Ländern. Bis 2009 war Warren Buffetts Berkshire Hathaway Großaktionär.
S&P führt seine Geschichte bis ins Jahr 1860 zurück, das Unternehmen in der jetzigen Form existiert seit 1941. S&P gehört seit 1966 zum amerikanischen Medienunternehmen McGraw-Hill, das unter anderem die Business Week herausgibt. S&P setzt jährlich gut 2,5 Mrd. Dollar um, im Gesamtunternehmen arbeiten mehr als 10.000 Menschen in 23 Ländern. Nach Unternehmensangaben veröffentlichte die Agentur 2009 mehr als 870.000 neue beziehungsweise überprüfte Ratings. Es würden derzeit 32.000 Mrd. Dollar an ausstehenden Schulden bewertet.
Neben ihren Bonitätsnoten ist S&P auch für seine Indizes bekannt, unter anderem geht der amerikanische Leitindex S&P 500 auf das Unternehmen zurück. Nach Angaben des Unternehmens sind etwa 1100 Mrd. Dollar in an S&P Indizes gebundene Wertpapier investiert.
Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht für ihre Bewertungen neben der Note der "Großen Drei" die kanadische Dominion Bond Rating Service (DBRS) hinzu. Diese vier sind auch die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geführten Häuser für eine "Verwendungsfähigkeit unbeauftragter Bonitätsbeurteilungen".
Sollte Ratingagenturen der Mund verboten werden?

 

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Zudem gibt es eine Vielzahl weiterer Agenturen in Europa. Viele davon bewerten nur spezielle Branchen und Produkte, wie zum Beispiel Lipper, Scope oder Dynamar. Letztere benotet zum Beispiel die Schiffe und deren Fracht. Dieses Ratings ziehen Unternehmen und Privatleute für ihre Geschäfte heran. In Deutschland gibt es zusätzlich von der BaFin "für die bankaufsichtliche Risikogewichtung anerkannte Ratingagenturen". Dies sind neben den vier EZB-Agenturen noch Creditreform, Euler Hermes und die Japan Credit Rating Agency.
In den USA hat die Wertpapieraufsicht SEC das System der Nationally Recognized Statistical Rating Organization (NRSRO) eingeführt. Derzeit werden zehn Unternehmen als NRSROs geführt, also als Firmen, deren Ratings für Kapitalmarktzwecke herangezogen werden dürfen. Dies sind derzeit neben den "Großen Drei" Kroll Bond Rating Agency, A. M. Best Company, Dominion Bond Rating Service (DBRS), Japan Credit Rating Agency, R&I Inc. (Rating and Investment Information), Egan-Jones Rating Company und Realpoint.
Auch in anderen Ländern gibt es einzelne Agenturen, deren Bedeutung aber vor allem lokal ist. Für Aufsehen wegen ihrer abweichenden Meinung sorgt immer wieder die als seriös geltende chinesische Dagong Global Credit Rating. So stufen die Chinesen etwa die amerikanischen Staatsschulden nur mit A+ ein, und damit vier Stufen unter der Dagong-Höchstnote von AAA.
Die Pläne, eine große europäische Ratingagentur als Gegengewicht zu den amerikanischen "Großen Drei" zu gründen, gibt es schon lange. Bereits in den 1990er-Jahren versuchte dies die deutsche Kreditwirtschaft gemeinsam mit Bertelsmann. 1996 kooperierten das hessische Wirtschaftsministerium und die Deutsche Börse, doch auch daraus wurde nichts. Zeitweise wurde darüber nachgedacht, einen Bonitätswächter an die Europäische Zentralbank anzukoppeln, was die Währungshüter aber ablehnte.
Der lange Zeit erfolgversprechendste Versuch ging auf eine Initiative Frankreichs zurück, Kreditversicherer wie Euler Hermes oder Coface zu europäischen Ratingagenturen auszubauen. Dies verfügen aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit bereits über umfangreiche Daten über Unternehmen. Euler Hermes hat inzwischen ein Genehmigung um Ratings anzubieten, Coface hat seine großen Pläne vorerst auf Eis gelegt.
Eine europäische Ratingagentur könnte in Frankfurt angesiedelt ...   Eine europäische Ratingagentur könnte in Frankfurt angesiedelt werden
Der neueste Anlauf, eine Europäische Ratingagentur in Frankfurt anzusiedeln, kommt von einer Initiative unter der Führung der Strategieberatung Roland Berger. "Eine unabhängige europäische Agentur mit einem investorenbasierten Bezahlsystem kann unserer Meinung nach erheblich dazu beitragen, die Finanzmärkte zu stabilisieren", sagt eine Roland-Berger-Partner der "Börsen-Zeitung". Derzeit würden Sondierungsgespräche mit Vertretern der hessischen Landesregierung, der Standortvereinigung Frankfurt Main Finance und der Deutschen Börse  geführt.
Wer in Europa eine Ratingagentur gründen will, braucht dafür eine Genehmigung der EU. Die Aufsicht über die Häuser liegt bei der europäischen Wertpapieraufsicht European Securities and Markets Authority (ESMA) und den nationalen Behörden wie der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Derzeit diskutiert die Kommission darüber, die Arbeit der Agenturen stärker zu kontrollieren und zu regulieren.
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier droht den Ratingagenturen   EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier droht den Ratingagenturen
Die Aufsicht hat die Möglichkeit, Ratingagenturen bei Verstößen gegen EU-Vorschriften die Lizenz zu entziehen. In diesem Zusammenhang stehen auch die jüngsten Äußerungen des EU-Binnenmarktkomissars Michel Barnier. "Ich fordere die Agenturen auf, sich sehr sorgsam an die EU-Regeln zu halten", sagte der Binnenmarktkommissar. Er hatte zudem angedeutet, die Bewertung von Ländern unter dem Euro-Rettungsschirm könnte verboten werden. "Man kann die Zweckmäßigkeit der Benotung von Ländern, die internationale Hilfen bekommen, hinterfragen, weil sie eben von diesen Unterstützungsmechanismen profitieren", heißt es in einer Stellungnahme.
Ein Unternehmen, das von einer Ratingagentur eine Note bekommen will, muss dafür zahlen. Die Agenturen analysieren die Zahlen, das Management und das Marktumfeld. In einem Interview auf der Homepage der Credit Suisse  beschreibt der Investor-Relations-Beauftragte der Bank das Geschehen und die Kosten: "Es gibt nicht ein einziges Rating, sondern die Unternehmen erhalten einerseits ein Firmenrating, welches die Bonität des gesamten Unternehmens bewertet" sagt er Banker. "Andererseits können sie zusätzliche Ratings für einzelne Obligationen erhalten. Deshalb unterscheiden sich die Kosten von Firma zu Firma." Für die Bank selbst nennt er eine hohe Summe: "Bei der Credit Suisse fallen für das regelmäßige Firmenrating, das auch die Einzelbewertungen der Einheiten Credit Suisse Group, Credit Suisse, Credit Suisse First Boston und Winterthur beinhaltet, Jahrespauschalen von mehreren hunderttausend Franken pro Ratingagentur an."
Der BayernLB war die Note von S&P zu teuer   Der BayernLB war die Note von S&P zu teuer
Diese hohen Kosten führen häufig dazu, dass sich viele Firmen nicht von allen drei großen Agenturen bewerten lassen. Dass die Unternehmen ihre Ratings selbst bezahlen, ist einer der großen Kritikpunkte an dem aktuellen System. Denn häufig passiert es, das eine Firma, wenn sie mit einer der Agenturen nicht zufrieden ist, den Vertrag mit ihr kündigt und zu einem anderen Haus wechselt.
Anfang des Jahres tat dies beispielsweise die Sparkasse Aachen und trennte sich von Moody's, weil nach Angaben der Bank die Bewertungsmethodik des Hauses nicht die Situation der Bank widerspiegele. Stattdessen lässt sich die Sparkasse Aachen von DBRS bewerten. Im vergangenen Jahren lösten WestLB, HSH Nordbank und BayernLB ihre Verträge mit S&P aus Kostengründen auf. Während Unternehmen für ihre Ratings bezahlen müssen, erstellen die Firmen für Staaten die Noten kostenlos.
Immer wieder steht der Vorwurf im Raum, dass die Häuser aus Kundenbindungsgründen nicht der Situation angemessene Noten vergeben. Zudem gelten die Bewertungen als intransparent, weil nur schwer ersichtlich ist, was an einer Bewertung wirklich zahlen- und was meinungsgetrieben ist. Die Agenturen halten ihre genaue Methodik, also was in welchem Maße in die Note einfließt, geheim.
Die "Basler Zeitung" zitiert in Bezug auf Länderratings den Ökonomen Björn Griesbach von der Universität St.Gallen: "Die Glaubwürdigkeit solcher Resultate sind zweifelhaft, zumal sich auch schon Wirtschafts-Nobelpreisträger über die Berechnung von Ausfallwahrscheinlichkeiten auf Staatenebene den Kopf zerbrochen haben. Es wäre also an der Zeit die Vorgehensweise von Ratingagenturen genauer zu überprüfen, das heißt, ob valide und logisch nachvollziehbare Modelle die Ratings rechtfertigen. Oder ob es sich vielmehr um subjektive Meinungen mit katastrophalen Folgen handelt."
In diese Diskussion passt, dass die Noten auch selbst eine Abwärtsspirale hervorrufen können. So kann ein Staat eine tiefere Note bekommen, weil die Finanzlage schlecht sei und deshalb Sparanstrengungen nötig seien. Genau diese von der Agentur geforderten Einsparungen können jedoch wiederum dazu führen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität des Landes verschlechtern, was wiederum für eine Herabstufung sorgen kann.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Agenturen ihre Macht nicht verantwortungsbewusst nutzen würden, sondern unabhängig vom Umfeld und ohne Ansicht der Folgen - quasi im luftleeren Raum - bewerten würden. Die Agenturen reden sich deshalb auch selbst gerne klein: In den Bewertungsunterlagen von Fitch heißt es etwa, dass die Noten "Meinungsäußerungen sind, die keine statistische Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls beinhalten".
Die Ratingagenturen verdanken ihre Macht letztlich der Bedeutung, die ihren Noten von den Regulierungsbehörden selbst zugeschrieben wurde. Schon in den 1930er-Jahren legte die US-Börsenaufsicht SEC den amerikanischen Banken nahe, nur noch Papiere von Unternehmen in ihre Bücher zu nehmen, die über das Gütesiegel mindestens einer Agentur verfügten.
Auch Länderratings spielen eine wichtige Rolle, um die Risiken in den Bilanzen von Banken und Versicherungen zu bewerten. Schließlich legen die Finanzinstitute einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen an.
Können die USA pleite gehen?

 

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Ein schlechteres Rating zwingt die Banken aber nicht automatisch zu Abschreibungen. Denn die meisten Staatsanleihen werden bis zur Fälligkeit gehalten. Für sie gilt grundsätzlich die Annahme, dass der Schuldner bei Auslaufen der Anleihe den vollen Nennbetrag zurückzahlt. Wird ein Land allerdings für zahlungsunfähig erklärt, lässt sich diese Annahme nicht mehr ohne weiteres aufrecht erhalten. Spätestens wenn die Derivateexperten-Vereinigung International Swap and Derivatives Association (ISDA) sich dem Urteil der Agenturen anschließt und ein Kreditereignis feststellt, kommen die Banken um Abschreibungen nicht herum.
Außerdem verlangt die Europäische Zentralbank (EZB) für die Vergabe von Krediten an Geschäftsbanken Sicherheiten in Form von Wertpapieren, die gewisse Mindeststandards erfüllen müssen. Dazu zählt auch das Rating. In der Schuldenkrise hat die EZB zwar ihre Anforderungen deutlich gelockert: Seit Mai 2010 akzeptiert sie griechische Staatsanleihen unabhängig von deren Bonitätsnote als Sicherheit, allerdings nimmt sie hohe Abschläge auf den Nominalwert vor. Dies gilt inzwischen auch für portugiesische Bonds.
Die EZB soll unabhängiger von den Agenturen werden   Die EZB soll unabhängiger von den Agenturen werden
Trotzdem scheut die EZB davor zurück, sich vollständig über das Urteil der Ratingagenturen hinwegzusetzen. Sollten sie Griechenland für zahlungsunfähig erklären, will die Zentralbank Hellas-Bonds nicht mehr annehmen.
Dabei werden die Papiere durch eine weitere Herabstufung der Ratingagenturen nicht riskanter, als sie bereits sind. Auf den Märkten ist ein Zahlungsausfall längst eingepreist. Das lässt sich an den Prämien für Kreditausfallderivate (CDS) ablesen: Griechische Staatsanleihen im Wert von 10 Mio. Euro ein Jahr lang gegen einen Zahlungsausfall abzusichern, kostet laut dem Finanzdatendienstleister CMA inzwischen 2,368 Mio. Euro. Da sich dieser Wert auf CDS für fünfjährige Anleihen bezieht, wäre eine Absicherung der vollen Lautzeit teurer als die Papiere selbst.
Kritiker plädieren vor diesem Hintergrund dafür, dass die EZB und andere Institutionen zumindest die Kreditwürdigkeit von Staaten unabhängig vom Urteil der Ratingagenturen bewerten sollten. Schließlich sind Daten zur Haushaltslage und zum Wirtschaftswachstum öffentlich verfügbar. Das Problem ist allerdings, dass es keine allgemeingültigen Maßstäbe für die Bewertung dieser Daten gibt. Die Entscheidungen von Institutionen wie der EZB, deren Existenz am Fortbestand des Euro abhängt, wären bei einem Verzicht auf die Ratingagenturen deshalb noch angreifbarer als jetzt schon.
Angeheizt wurde die Diskussion um die Fehler und Methodik der Ratingagenturen durch die Finanzkrise. So wird den Agenturen die Mitschuld an der Eskalation des Subprime-Deasters gegeben. Die "Großen Drei" gaben auch später ausgefallenen Hypothekenpapieren, die mit Subprime-Verträgen unterlegt waren, die Höchstnote.
Die Agenturen sollen die Subprime-Krise verstärkt haben   Die Agenturen sollen die Subprime-Krise verstärkt haben
Es wurde unterstellt, dass die Agenturen ein Interesse daran hatten, die Papiere nicht zu schlecht zu bewerten, um Folgeaufträge von den Emittenten zu erhalten. Zudem wurden den Häusern vorgehalten, dass viele der Papiere überhaupt nicht geprüft worden seien. Kritiker behaupten, dass alleine wegen des Emittenten der Stempel "AAA" draufgeklebt wurde, ohne dass der Inhalt des Wertpapiers ausreichend analysiert wurde.
Als weiteres Beispiel für ein Fehlverhalten gilt das Länderratring für Island. Der Inselstaat war durch den Kollaps des Bankensektors 2008 beinahe in den Bankrott getrieben worden. Doch noch wenige Montane davor war das Land von Moody's mit der Höchstnote AAA bewertet worden. Auch hatte es bereits 2006 Gerüchte um mögliche Probleme der Banken des Landes gegeben, was von Ratinganalysten als übertrieben bezeichnet worden war. Die Bonitätswächter haben aus ihren Fehlern gelernt und ihre Methodik teilweise umgestellt. Kritikern zufolge machen sie nun aber wieder neue Fehler, weil sie übervorsichtig agieren, um nicht vorgeworfen zu bekommen, einen mögliche neue Krise nicht rechtzeitig erkannt zu haben.
  • FTD.de, 05.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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