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  06.11.2009, 12:33    

Neue Anleihenklasse: Angst vor neuen Strudel-Bonds

Nach der Krise müssen die Banken ihre Eigenkapitalbasis stärken. Lloyds Banking tut das - mit einer neuen Anleihenform, dem "Contingent Convertible". Während die FSA und Bank of England begeistert sind, warnen andere vor einer sich ankündigenden Todesspirale. von Anousha Sakoui, London, Patrick Jenkins, London und Tobias Bayer  Frankfurt
Eine neue Anleihenklasse sorgt unter Aufsichtsbehörden und Investoren für Aufsehen. Die britische Bank Lloyds Banking gab diese Woche bekannt, 7,5 Mrd. Pfund über "Contingent Convertibles", auch Coco-Bonds genannt, aufnehmen zu wollen. Seitdem fragen sich Marktbeobachter: Was bedeutet das für Anleger und die Sicherheit des Finanzsystems?
Bei Coco-Bonds handelt es sich um Anleihen, die in Aktien getauscht werden. Anders als bei traditionellen Wandelanleihen, bei denen die Tauschkonditionen an einen bestimmten Aktienkurs geknüpft werden, richten sich die neuen Bonds nach dem Kernkapital. Der Grundgedanke: Fällt das Eigenkapital einer Bank unter eine bestimmte Schwelle, wird das Fremdkapital in Aktien umgewandelt - und so die Kapitalbasis des Instituts gestärkt. Im Fall von Lloyds ist das der Fall, wenn die Kernkapitalquote von derzeit 8,6 auf unter 5 Prozent fällt.
Stärkere Kapitalbasis für Notfälle
Das neue Finanzinstrument ist eine Reaktion auf die Kreditkrise. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich will die Banken stabiler machen. Deshalb strebt sie danach, nur noch robustes Kapital wie beispielsweise Aktien oder einbehaltende Gewinne zum Eigenkapital anrechnen zu lassen. Hybridkapital, dazu zählen beispielsweise stille Einlagen, sollen zukünftig nicht mehr in der alten Form dazu zählen.
Die britische Finanzaufsicht und die Bank of England (BoE) sind der Ansicht, dass Coco-Bonds die Kapitalbasis sinnvoll ergänzen. FSA-Chairman Lord Turner drängte die Banken diese Woche darauf, kontingentem Kapital eine prominentere Rolle einzuräumen.
Aus Sicht der Investoren sei das eine riskanteres Wertpapier, das höher verzinst werden müsse, sagte Amir Hoveyda, Leiter DCM für die Region Europa und Asien bei Bank of America Merrill Lynch: "Das kostet die Banken mehr. Aber die FSA signalisiert klar, dass ein stabileres, langweiligeres Bankensystem seinen Preis hat." Der Vorteil von Cocos sei aus Sicht der Anleger die Berechenbarkeit. "Außerdem erhöht sich in Stresssituation die Liquidität, weil Aktien leichter abgestoßen werden können", sagte Hoveyda.
Stabilisierung oder Todesspirale?
Nicht alle europäische Aufseher sind aber von den Vorzügen der Coco-Anleihen überzeugt. Sie befürchten, dass das Instrument prozyklisch wirkt. In Krisenzeiten sei der Aktienkurs bereits niedrig. Wenn in solch einer Situation weitere Aktien auf den Markt kämen, würde das die Abwärtsspirale sogar noch beschleunigen, lautet die Befürchtung.
Manch Kritiker zieht Parallelen zu den "Death-Spiral"-Bonds, die im Japan der 90er-Jahre für Furore sorgten. Gerade kleinere Firmen nutzte diese Form der Finanzierung, auch in den USA in der Dekade darauf. Die Besonderheit: Der Tausch des Bonds in Aktien war nicht an einen festen Aktienkurs gebunden, sondern war variabel. Je tiefer der Aktienkurs, desto mehr Aktien erhielt der Bondinvestor. Das schuf Anreize, die Aktien zu verkaufen - um über den Bond neue Aktien zu erhalten. Dadurch wurde der Abwärtssog noch verstärkt.
Die Bank of England und ihr Chef Mervyn King halten Cocos für ...   Die Bank of England und ihr Chef Mervyn King halten Cocos für sinnvoll
Lloyds ersetzt mit den Coco-Bonds bestehendes Fremdkapital. Die EU-Kommission untersagte Couponzahlungen auf dieses Kapital, weil Lloyds Staatshilfe erhalten hatte. Die Bank gab diese Woche bekannt, insgesamt 21 Mrd. Pfund an frischem Kapital aufnehmen zu wollen. Ob andere Finanzinstitute folgen, ist schwer abzusehen. "Die Investoren sind sehr nervös, was ihr Bankenrisiko betrifft. Coco-Bonds werden an der Stimmungslage nichts ändern. Für die Aufsichtsbehörden mögen die neuen Anleihen eine tolle Sache sein. Ob die Sache aber Erfolg hat, hängt aber von der Zustimmung des Marktes ab."
  • FTD.de, 06.11.2009
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