In Irland strebt die Regierung an, den Anleihegläubigern zumindest einen Teil der Kosten für die Bankenrettung aufzudrücken. Inhaber vorrangiger Papiere sollen zwar nicht gezwungen werden, sich zu beteiligen. Finanzminister Brian Lenihan schränkte dies kürzlich nur leicht ein, als er sagte, die Regierung werde sich nicht in den Weg stellen, sollten die verstaatlichten Häuser Anglo Irish Bank sowie die Bausparkasse Irish Nationwide "einvernehmliche Diskussionen" mit diesen Investoren führen wollen.
Anders sieht es mit den Inhabern von Nachranganleihen aus. Anglo Irish bot Investoren vor einigen Wochen den Umtausch von 1,6 Mrd. Euro an Nachranganleihen an - allerdings zu einem Abschlag von 80 Prozent. Wer das Angebot nicht annimmt, muss mit noch harscheren Konditionen leben: In diesem Fall erhalten Gläubiger nur 1 Cent je 1000 Euro Nominalwert.
Irlands Finanzminister Brian Lenihan droht Investoren mit einem Gesetz
Eine Gruppe von Gläubigern wehrt sich dagegen. Das Angebot sei "nicht vereinbar mit den Prinzipien einer fairen und gleichen Behandlung von Gläubigern". Die Investoren drohen, die Restrukturierung zu blockieren. Dazu hätten sie genug Stimmen. Nach eigenen Angaben halten sie Papiere im Wert von mehr als 690 Mio. Euro. Anglo Irish will das Angebot nicht nachverhandeln.
In der Hinterhand hat die Regierung allerdings noch ein weiteres Instrument: Sie arbeitet an Gesetzen, die die Auflösung und Restrukturierung von Banken regeln sollen. Speziell sollen sie nach Lenihans Worten eine Beteiligung nachrangiger Gläubiger an den Kosten für die Abwicklung oder Sanierung von Anglo Irish und Irish Nationwide regeln.
Angewiesen auf das Wohlwollen der Investoren
Der Konflikt illustriert, wie schwer es sein dürfte, Investoren an den Kosten für Bankenrettungen oder -abwicklungen zu beteiligen. Für Irland ist der Streit besonders heikel. Sollte der Inselstaat Anleiheinvestoren vergrätzen, würde sich die ohnehin prekäre Lage weiter verschärfen. Irische Banken hängen extrem vom Geld der Europäischen Zentralbank ab, weil sie auf dem Markt bereits heute kaum Mittel bekommen.
Auch die Bereitschaft der Investoren, irische Staatsanleihen zu kaufen, könnte dann weiter nachlassen. Bereits derzeit steigen die Renditen so stark, dass die Regierung für Oktober und November geplante Emissionen absagte. Der Risikoaufschlag, den Anleger dafür verlangen, dass sie zehnjährige irische Staatsanleihen kaufen statt vergleichbarer Bundespapiere, kletterten am Dienstag auf ein neues Rekordhoch von 474 Basispunkten.