Der Euro ist am Freitagnachmittag erstmals seit einer Woche unter die Marke von 1,22 Dollar gefallen. Kurz zuvor hatte hoch verschuldete spanische Region Valencia mitgeteilt, sie werde die Zentralregierung in Madridum Finanzhilfen bitten. Die Regierung hatte am Donnerstag ein 18 Mrd. Euro schweres Hilfspaket zur Unterstützung notleidender Regionen beschlossen. An den Märkten löste der Hilferuf dennoch die Befürchtung aus, das am Freitag von der Euro-Gruppe bewilligte Rettungspaket für Spaniens Banken werde zur Stabilisierung des rezessionsgeplagten Landes nicht reichen.
Die Meldung aus Valencia sei "eindeutig der Auslöser" für den jüngsten Absturz des Euro gewesen, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Währungsstrategen Adam Cole von der Royal Bank of Canada. Ein Händler sagte: "Für mich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Spanien vollständig unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft." Madrid legt bislang großen Wert darauf, internationale Notkredite ausschließlich für die Stabilisierung der Banken und nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern zu benötigen. Allerdings steigen die Refinanzierungskosten des spanischen Staates unaufhaltsam, bei einer Anleihe-Auktion am Donnerstag musste das Finanzministerium für Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit einen Zinssatz von 6,46 Prozent zahlen.
Der DAX baute am Freitagnachmittag seine Verluste aus und notierte gut ein Prozent im Minus. Der spanische Leitindex Ibex fiel um mehr als drei Prozent. Auch an den Anleihemärkten spitzte sich die Lage zu. Der Risikoaufschlag für spanische Staatsanleihen im Verhältnis zu deutschen Papieren mit zehnjähriger Laufzeit erreichte einen neuen Rekordwert. Investoren verlangten für Spanien-Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit einen Aufschlag von bis zu 585 Basispunkten - so viel wie noch nie seit Einführung des Euro. Damit liegt die Zehnjahresrendite wieder über der kritischen Schwelle von sieben Prozent. Ab dieser Marke ist es für Euro-Staaten langfristig zu teuer, neue Schulden aufzunehmen.
rtr/ftd