Merken   Drucken   10.11.2009, 08:49 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Ab in den Süden

Anleihen aus Brasilien, Australien und Südafrika bieten hohe Zinsen. Sie federn Wechselkursverluste ab. von Franz von den Driesch
Anleihen von bonitätsstarken Emittenten sind für risikoscheue Anleger ein wichtiger Depotbaustein. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwa die Bundesrepublik ihre Gläubiger nicht bedienen kann, ist äußerst gering. Diese Sicherheit erkaufen sich Investoren aber mit geringen Renditen. So begnügen sich Anleger, die Deutschland jetzt für drei Jahre Geld anvertrauen, mit einem jährlichen Ertrag von mageren 1,8 Prozent.
Der südafrikanische Rand gehört zu den Währungen mit dem ...   Der südafrikanische Rand gehört zu den Währungen mit dem höchsten Wertzuwachs 2009
Deutlich höhere Renditen sind mit Fremdwährungsanleihen möglich. So lockt beispielsweise die dreijährige Real-Anleihe der KfW (ISIN: XS042842571) mit einem jährlichen Ertrag von fast zehn Prozent. Investoren wissen jedoch: Wo höhere Renditen locken, lauern auch Gefahren. Das trifft auch für die Real-Anleihe zu. Im Gegensatz zu Euroanleihen spielt bei Fremdwährungsbonds die Entwicklung der jeweiligen Devise gegenüber dem Euro die entscheidende Rolle. Macht etwa der Real gegenüber der europäischen Einheitswährung Boden gut, winkt ein höherer Ertrag. Im Umkehrschluss heißt das aber: Verliert die Anlagewährung gegen den Euro an Wert, ist der Renditevorsprung schnell aufgezehrt.
Dass sich das Risiko lohnen kann, zeigt ein Blick auf die jüngsten Währungsentwicklungen. So kletterte etwa der südafrikanische Rand gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn um rund 16 Prozent, der australische Dollar um 22,4 Prozent und der brasilianische Real gar um über 26 Prozent. Beflügelt wurden die genannten Währungen zuletzt vor allem durch die positiven Konjunkturerwartungen und den damit einhergehenden Preisanstieg zahlreicher Rohstoffe. Brasilien, Australien und Südafrika besitzen zahlreiche Bodenschätze wie etwa Eisen, Nickel, Kohle und Gold und zählen zudem zu den weltweit größten Produzenten von Agrargütern. "Steigen die Rohstoffnotierungen an, fließt auch mehr ausländisches Kapital in diese Länder. Davon profitiert auch die jeweilige Währung", erklärt Mauro Toldo, Währungsexperte der Dekabank.
Die hohe Zinsdifferenz dieser Staaten gegenüber dem Euro-Raum verleitet Investoren wieder zu Carry-Trades, was die Devisen zusätzlich stützt. Dabei verschulden sich Anleger in einer niedrig verzinslichen Währung wie etwa dem Yen und legen das Geld in einer höher verzinslichen Devise wie beispielsweise dem Real an. Zwar wurden im Zuge der Krise auch am Zuckerhut, in Südafrika und Down Under die Zinsen kräftig gesenkt. Dennoch winken dort immer noch vergleichsweise attraktive Zinsniveaus. Australien hat als erster großer Industriestaat sogar im Oktober bereits die geldpolitische Wende eingeläutet - und den Leitzins von 3,0 auf 3,5 Prozent erhöht. Anfang November hob die Notenbank den Schlüsselzins erneut um 25 Basispunkte an.
Anleihen und Anleihefonds auf Fremdwährungen   Anleihen und Anleihefonds auf Fremdwährungen
Selbst wenn sich die Währungen künftig nicht mehr ganz so stark entwickeln, bieten die hohen Zinssätze in Australien (3,5 Prozent), Südafrika (7,0 Prozent) und Brasilien (8,75 Prozent) einen beruhigenden Puffer. Beispiel: Die Real-Anleihe der KfW mit Fälligkeit 15. Mai 2012 rentiert bei einem Kurs von 100,10 aktuell mit 9,9 Prozent. Eine vergleichbare Bundesanleihe bringt nur 1,8 Prozent ein. Das bedeutet: Ehe Investoren aus dem Euro-Raum mit der Real-Anleihe den gleichen Ertrag erzielen wie mit dem deutschen Pendant, darf der Real gegenüber dem Euro bis Fälligkeit rund 24 Prozent abwerten.
Dass die genannten Währungen künftig unter Druck geraten, erwartet Experte Toldo jedoch nicht: "Vor allem aufgrund der hohen Liquidität und der zuletzt positiven Konjunkturdaten rechne ich beim Real, Rand und australischen Dollar in den kommenden zwölf Monaten tendenziell mit einer Seitwärtsbewegung gegenüber dem Euro."
Brenzlig wird es jedoch, wenn wider Erwarten negative Konjunkturnachrichten die Risikobereitschaft der Anleger hemmen und sie - wie nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers - wieder sichere Anleihehäfen wie die USA und Europa ansteuern. "Bei diesem eher unwahrscheinlichen Szenario würden vor allem der Real und der Rand unter Druck geraten", schätzt Toldo. Die Tatsache, dass sowohl Brasilien als auch Australien und Südafrika die Krise vergleichsweise gut gemeistert haben, würde dann nur noch eine untergeordnete Rolle spielen - und hätte wohl keine stabilisierende Wirkung auf die jeweiligen Währungsnotierungen.
Wer das hohe Risiko einer einzelnen Fremdwährungsanleihe durch Streuung in mehrere Papiere abschwächen möchte, ist mit Fonds gut beraten. Mit dieser Anlagevariante haben Investoren seit Jahresbeginn fast 30 Prozent Gewinn erzielt. Eine Rendite, von der Gläubiger der Bundesrepublik derzeit nur träumen können.
  • Aus der FTD vom 10.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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