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Merken   Drucken   13.07.2009, 12:57 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Fonds schalten Zinsrisiken aus

Langsam wird die Lage für Manager festverzinslicher Wertpapiere brenzlig: Mit längerer Laufzeit der Anleihen steigt die Gefahr von Kursverlusten. Neue Strategien versprechen Abhilfe. von Olaf Wittrock
Nachdem die Zentralbanken der großen Industrienationen ihre Leitzinsen monatelang gesenkt haben, ist der Preis des Geldes in Europa bei einem Prozent angekommen. In den USA gibt es Zentralbankgeld de facto gratis.
Das extrem billige Kapital vom Staat ist Gift für private Gläubiger. Erstens können sie derzeit kaum etwas verdienen, wenn sie dem Staat die neuen, schlecht verzinsten Staatsanleihen abkaufen. Zweitens können höher verzinste ältere Schuldscheine, die im vergangenen Jahr mit jeder Zinssenkung attraktiver wurden, kaum noch an Wert gewinnen. Viel tiefer kann es mit den Zinsen ja kaum mehr gehen.
Und drittens droht Ungemach durch künftige Zinserhöhungen: Denn dann werden bestehende Anleihen uninteressanter, sodass die Kurse fallen. Völlig spurlos geht dieser Effekt an keiner Anleihe vorbei.
Doch wer sich auf steigende Zinsen einstellt, tut jedenfalls gut daran, die sogenannte Duration zu reduzieren. Sie zeigt an, wie stark Kurse auf Zinsschwankungen reagieren. Der wichtigste Schritt: die Laufzeiten der Anleihen im Depot senken. Je später Schuldner das geliehene Geld zurückzahlen, desto höher sind die Kursverluste bei Zinsanstiegen nämlich. Das liegt vor allem an Zinseszinseffekten und Risiken durch noch größere Zinsanstiege.
Steigende Zinsen erwartet
Dass die Zinsen wieder steigen, bezweifelt eigentlich niemand. Die Frage ist nur, wann. Mehrere Rentenfondsanbieter sind zuletzt aktiv geworden, um Anleger auf die rentenfeindlichere Zukunft vorzubereiten, sie also gegen Verluste zu immunisieren oder sogar davon zu profitieren. Die Konzepte der Fonds sind höchst unterschiedlich.
Der britische Vermögensverwalter Schroders will für seinen SISF-Strategic-Credit-Fonds (ISIN: LU0227788626) Durationsrisiken weitgehend ausgeschaltet haben. Der Fonds reduziert dazu neuerdings die Laufzeit der Anleihen auf null bis drei Monate. Allerdings nicht real, sondern mithilfe von Termingeschäften: "Wir verkaufen die längerfristigen Zinsen sozusagen weiter", erklärt Vertriebsleiter Alexander Prawitz: "Damit wird das Portfolio gegen Zinsänderungen immunisiert." Der Fonds, der folgerichtig einen neuen Namen mit dem Zusatz "Duration Hedged" erhält, kann so zwar auch nicht mehr von Zinssenkungen profitieren. Aber damit rechnet man bei Schroders ohnehin nicht. "Sobald die Wirtschaft sich erholt hat", ist Prawitz überzeugt, "erhöhen die Zentralbanken die Leitzinsen."
Auch die Frankfurter Fondsboutique Lupus alpha nutzt für den Anfang Juni gestarteten Fonds LS Duration Corporate Invest (DE000A0RDTA6) Terminmärkte zur gezielten Steuerung der Duration. Anders als Schroders will man Anleger hier aber nicht gegen Zinsschwankungen immunisieren, sondern Gewinne aus Zinsänderungen generieren. Zusätzlich kassieren Anleger Renditen aus Unternehmensanleihen. Dabei verzichtet man allerdings auf eigene Auswahl und bildet schlicht einen europäischen Marktindex nach. Bei entsprechenden Marktsignalen wettet Lupus alpha sogar auf steigende Zinsen - die Duration ist dann negativ. "Die Zinsrichtung ist für dieses Konzept also egal", wirbt Fondsmanager Egbert Sauer: "Und da keiner weiß, wann die Zinsen wieder steigen, sollte man sich mit einem Allwetterschirm ausstatten." Einen Nachteil haben die Termingeschäfte allerdings: Wenn die Zinsen unverändert bleiben, kosten sie Geld, ohne Erträge zu erzielen.
Der Frankfurter Vermögensverwalter Johannes Führ setzt da lieber auf konventionelles Rentenmanagement. Angesichts hoher Spreads hat er im Frühjahr einen neuen Fonds aufgelegt, den Führ-Corporate Bond-LBB-Invest (DE000A0M6J90), der ausschließlich in Firmenanleihen guter Bonität investiert. Vor Zinserhöhungen hat er keine Angst. Gestiegene Staatsschulden erzwingen aus seiner Sicht eine Nullzinspolitik: "Und die", sagt Führ, "hält noch acht Jahre an."
  • Aus der FTD vom 13.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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