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Merken   Drucken   17.11.2008, 11:42 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Staatspapiere mit Bestnoten

Die Renditeunterschiede deutscher und europäischer Anleihen sind so hoch wie lange nicht. Ein Blick über Landesgrenzen lohnt. von Franz von den Driesch
Trotz Finanzmarktkrise und heraufziehender Rezession scheint das Vertrauen der Anleger in den deutschen Staat ungetrübt. Abzulesen ist das am Rentenindex Rex, der die durchschnittliche Kursentwicklung deutscher Staatsanleihen widerspiegelt. Seit Anfang Juli kletterte das Rentenbarometer um rund 6 auf 120 Prozent. "Die Wahrscheinlichkeit, dass der deutsche Staat seine Anleihen nicht bedient, ist nahezu ausgeschlossen", meint Stefan Grothaus, Rentenanalyst der WGZ Bank.
Die großen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch sehen das ebenso und vergeben mit einem Dreifach-A-Rating die bestmögliche Benotung. Kehrseite der Medaille: Da Renditen und Kurse am Rentenmarkt in entgegengesetzte Richtungen laufen, fahren Anleger mit Bundesanleihen aktuell äußerst bescheidene Renditen ein. Gerade mal 2,5 Prozent werfen heimische Staatspapiere mit einer Restlaufzeit von drei Jahren ab.
Auch andere europäische Staaten werden von den Bonitätsprüfern mit der Bestnote bedacht. Dennoch rentieren deren Papiere teils deutlich höher als ihre deutschen Pendants. "Der Renditeunterschied zwischen deutschen und europäischen Bonds hat das höchste Niveau seit der Euro-Einführung erklommen", sagt Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Zwar seien Bundesanleihen am liquidesten. "Die Renditeunterschiede halte ich jedoch für übertrieben", so Bargel.
Besonders eklatant fällt die im Fachjargon Spread genannte Differenz zwischen deutschen und österreichischen Anleihen aus. Liegt diese im historischen Durchschnitt bei rund 0,1 Prozentpunkten, fahren Anleger mit Bonds aus der Alpenrepublik aktuell eine um bis zu 0,64 Prozentpunkte höhere Rendite ein. Experten weisen in diesem Zusammenhang auf die enge Verzahnung mit den Volkswirtschaften Osteuropas hin. "Zudem sind österreichische Banken, die der österreichische Staat im Notfall auffangen müsste, in hohem Maße in dieser Region engagiert", schreiben die Analysten der Raiffeisen Zentralbank in ihrer jüngst veröffentlichten Studie. Entscheidend sei jedoch, so Bargel, dass "Österreich ein kleinerer Markt und die Liquidität entsprechend geringer ist".
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Dies dürfte indes vor allem institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds vor Probleme stellen. Für Privatanleger ist der Faktor Liquidität zu vernachlässigen, Kauf und Verkauf der Papiere sind jederzeit problemlos über die Börse möglich. Und: "Ein Bonitätsrisiko sehe ich bei österreichischen Staatsanleihen nicht", fügt Bargel hinzu. Experte Grothaus ist der gleichen Ansicht: "Österreichische Staatsanleihen sind innerhalbEuropas derzeit erste Wahl. Die Gefahr, dass diese Bonds nicht bedient werden können, besteht nicht."
Interessant sind diese Anleihen sowohl für Anleger, die ihre Papiere bis zur Fälligkeit halten wollen, als auch für Investoren, die auf Kursgewinne spekulieren. Grund: "Im Zuge der bevorstehenden Leitzinssenkungen wird sich die Lage am europäischen Rentenmarkt beruhigen. Parallel dazu werden auch die Spreads sinken", sagt Grothaus. Bis Mitte 2009 rechnet er mit einem Leitzinsniveau von 1,75 Prozent. Gegenüber dem aktuellen Stand wären das 1,5 Prozentpunkte weniger und zugleich ein neues Rekordtief.
Mit ähnlich hohen Renditen wie österreichische Papiere locken derzeit spanische Staatsbonds. Angesichts der zahlreichen wirtschaftlichen Probleme auf der Iberischen Halbinsel hält Rentenanalyst Grothaus den Renditeaufschlag jedoch immer noch für zu gering. Neben der Krise am Immobilienmarkt und der damit einhergehenden konjunkturellen Eintrübung bereitet dem Experten vor allem das Leistungsbilanzdefizit Kopfzerbrechen. Schätzungen zufolge wird dieses nach 2007 auch im laufenden Jahr rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Dass Grothaus Anlegern vom Kauf spanischer Anleihen abrät, überrascht daher nicht. "Derzeit würde ich von der Bonität schlechter bewertete belgische Anleihen vorziehen."
  • Aus der FTD vom 17.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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