Trotz Finanzmarktkrise und heraufziehender Rezession scheint das Vertrauen der Anleger in den deutschen Staat ungetrübt. Abzulesen ist das am Rentenindex Rex, der die durchschnittliche Kursentwicklung deutscher Staatsanleihen widerspiegelt. Seit Anfang Juli kletterte das Rentenbarometer um rund 6 auf 120 Prozent. "Die Wahrscheinlichkeit, dass der deutsche Staat seine Anleihen nicht bedient, ist nahezu ausgeschlossen", meint Stefan Grothaus, Rentenanalyst der WGZ Bank.
Die großen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch sehen das ebenso und vergeben mit einem Dreifach-A-Rating die bestmögliche Benotung. Kehrseite der Medaille: Da Renditen und Kurse am Rentenmarkt in entgegengesetzte Richtungen laufen, fahren Anleger mit Bundesanleihen aktuell äußerst bescheidene Renditen ein. Gerade mal 2,5 Prozent werfen heimische Staatspapiere mit einer Restlaufzeit von drei Jahren ab.
Auch andere europäische Staaten werden von den Bonitätsprüfern mit der Bestnote bedacht. Dennoch rentieren deren Papiere teils deutlich höher als ihre deutschen Pendants. "Der Renditeunterschied zwischen deutschen und europäischen Bonds hat das höchste Niveau seit der Euro-Einführung erklommen", sagt Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Zwar seien Bundesanleihen am liquidesten. "Die Renditeunterschiede halte ich jedoch für übertrieben", so Bargel.
Besonders eklatant fällt die im Fachjargon Spread genannte Differenz zwischen deutschen und österreichischen Anleihen aus. Liegt diese im historischen Durchschnitt bei rund 0,1 Prozentpunkten, fahren Anleger mit Bonds aus der Alpenrepublik aktuell eine um bis zu 0,64 Prozentpunkte höhere Rendite ein. Experten weisen in diesem Zusammenhang auf die enge Verzahnung mit den Volkswirtschaften Osteuropas hin. "Zudem sind österreichische Banken, die der österreichische Staat im Notfall auffangen müsste, in hohem Maße in dieser Region engagiert", schreiben die Analysten der Raiffeisen Zentralbank in ihrer jüngst veröffentlichten Studie. Entscheidend sei jedoch, so Bargel, dass "Österreich ein kleinerer Markt und die Liquidität entsprechend geringer ist".