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Merken   Drucken   17.07.2009, 13:22 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Steuersparfonds treten zurück ins Glied

Für Neuanleger in bestimmten Geldmarktfonds gibt es seit Herbst 2008 keinen Steuervorteil mehr - eine Folge der Abgeltungsteuer. Doch die einst boomenden "steueroptimierten" Geldmarktfonds sind teils sehr bekannt und heute so groß, dass einige Investmentfirmen die Produkte pflegen und hegen wie in besten Zeiten. von Elisabeth Atzler
Die Anbieter versuchen, ihre Fonds nun als normale Geldmarktfonds zu verkaufen. Die Produkte auslaufen zu lassen kommt kaum infrage, zumal der Steuervorteil für Altinvestoren bis Anfang 2011 greift.
Besonders prominent dabei: der derzeit rund 16 Mrd. Euro schwere Uniopti 4 der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment. "Wir bieten ihn jetzt als klassischen, geldmarktnahen Fonds an", sagt Uniopti-4-Manager Jürgen Vogler, der auch Leiter Geldmarkt ist. Ähnlich geht der Wettbewerber DWS vor. Das Produkt werde als normaler Geldmarktfonds geführt, so eine Sprecherin der Deutsche-Bank-Tochter über den DWS Rendite Optima Four Seasons.
Die einstigen Boomfonds waren vor allem 2006 und 2007 Verkaufsschlager. Allein der Uniopti 4 sammelte 2007 die gigantische Summe von 12,4 Mrd. Euro ein und kam schließlich auf ein Vermögen von 22 Mrd. Euro - kein anderer deutscher Publikumsfonds hat jemals so schnell so viel Geld bekommen. Ähnliche Fonds der DWS und der Sparkassen-Tochter Deka zogen ebenfalls Milliarden an - wobei Deka den Fonds nicht so offensiv als steuerschonend vermarktete.
Der Ansatz der Fonds: Sie versuchen, statt Zinserträgen größere Kursgewinne zu erzielen. Bis zum Start der Abgeltungsteuer mussten Anleger Kurs- im Gegensatz zu Zinserträgen nicht versteuern. Seit Anfang 2009 - für die Geldmarktfonds wie den Uniopti 4 griff die Änderung schon ab Herbst 2008 - müssen Anleger aber für alle Kapitalerträge neuer Investments grundsätzlich 25 Prozent Steuern abführen. Daher gilt der Steuervorteil dieser Geldmarktfonds für neue Investoren nicht mehr. Anleger, die vor dem 18. September 2008 investiert haben, genießen den Vorteil noch bis zum 10. Januar 2011.
Spätestens dann stellt sich die Frage: Geld abziehen oder bleiben? Zuletzt floss Geld aus etlichen der Fonds ab. Das sei absehbar gewesen, meint Fondsmanager Vogler. Aber: Einige Anleger würden das Produkt kaufen, weil sie es gut kennen. "Der Fonds hat seit 2007 an keinem einzigen Tag Geld verloren." Die Fonds der drei Anbieter - Uniopti 4, DWS Rendite Optima Four Seasons und Deka-Opticash - erzielten von 2007 bis Ende Mai 2008 je eine Rendite von rund acht Prozent, ermittelte Feri Eurorating.
Entscheidend dürfte künftig sein, wie rasch sich die Finanzmärkte beruhigen und wie die zurzeit auf Sicherheit erpichten Anleger reagieren, wenn sie keinen Steuervorteil mehr einheimsen. "Vor der Finanzkrise haben viele der steueroptimierten Geldmarktfonds eine geringere Bruttorendite erzielt als klassische Geldmarktfonds", sagt Christian Michel, Fondsanalyst bei Feri. "Der Steuervorteil wurde erst beim Investor wirksam, sodass er letztlich meist doch eine bessere Nettorendite erzielt hat." Natalia Wolfstetter, Analystin des Analysehauses Morningstar, geht noch weiter: "Wir halten Geldmarktfonds als Produktkonzept für wenig sinnvoll. Wenn Anleger sich die richtigen Angebote aussuchen, können sie mit Tagesgeldkonten mindestens genauso viel verdienen. Wollen Geldmarktfonds mehr Rendite erzielen, müssen sie gewisse Risiken eingehen", sagt sie.
Die Idee
Muster Der Trick besteht darin, etwa die Zinsdifferenz zwischen Euro und Yen zu nutzen und zugleich die Währung abzusichern. So entsteht eine geldmarktnahe Wertsteigerung. Über Termingeschäfte erzielt der Fonds einen Kursgewinn - bis vor Kurzem war das nicht steuerpflichtig.
  • FTD.de, 17.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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