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Merken   Drucken   16.02.2009, 09:14 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Verdienen an der Geldentwertung

Noch Anfang 2008 war die Inflation eine der größten Sorgen der Deutschen: Mit mehr als drei Prozent war die Geldentwertung so hoch wie nie seit Einführung des Euro. Inzwischen ist die Situation komplett anders - zu Gunsten cleverer Anlagestrategien von Christoph Hus
Zwischenzeitlich warnten Ökonomen sogar vor einer Deflation - also einem Rückgang des Preisniveaus. Jetzt erwarten Experten für die Euro-Zone über einen längeren Zeitraum Inflationsraten unter zwei Prozent. "Das ist im historischen Vergleich sehr niedrig", sagt Jens Franck, Fondsmanager des Deka Rentenreal.
Dabei spricht einiges dafür, dass die Inflation bald wieder anziehen könnte, etwa die rasant steigende Verschuldung der Euro-Länder. Damit rücken Fonds in den Fokus, die in inflationsgesicherte Anleihen investieren. Weil die Inflationserwartungen derzeit niedrig sind, hält Franck die Papiere für attraktiv: "Anleger können sich einen Versicherungsschutz gegen Inflation zu einer niedrigen Prämie kaufen."
Bei inflationsgesicherten Anleihen, kurz Linker genannt, sind die Höhe des Zinses und der Rückzahlungsbetrag an die Inflation gekoppelt. Europäische Emittenten orientieren sich meist am harmonisierten Verbraucherpreisindex ohne Tabak. Den Inflationsschutz müssen Anleger jedoch mit einem niedrigeren Kupon bezahlen. Die Papiere lohnen sich dann, wenn die Inflation in Zukunft höher ausfällt, als die Marktteilnehmer erwarten.
Ausgewählte inflationsgesicherte Rentenfonds, sortiert nach ...   Ausgewählte inflationsgesicherte Rentenfonds, sortiert nach 3-Jahres-Performance
Aufschluss über die Markterwartung gibt die sogenannte Breakeven-Inflationsrate. Sie misst den Renditeabstand zwischen einem Linker und einer herkömmlichen Anleihe gleicher Laufzeit. "Die eingepreisten Inflationserwartungen haben sich nach dem Zusammenbruch im zweiten Halbjahr 2008 wieder etwas erholt, liegen aber im historischen Vergleich immer noch auf sehr niedrigem Niveau", sagt Günther Welter, Manager des Fonds Uni Euro Renta Real Zins. So profitierten Käufer inflationsgeschützter Bundesobligationen mit Laufzeit bis April 2013 schon dann, wenn die Inflation über 0,4 Prozent liegt.
Für einen Anstieg der Geldentwertung sprechen nach Auffassung von Welter neben der Verschuldung der Euro-Länder noch eine Reihe weiterer Faktoren. So blieben Rohstoffe wegen der Nachfrage aus Schwellenländern knapp, was die Preise spätestens im nächsten Aufschwung wieder antreiben dürfte. "Hinzu kommt die massive Ausweitung der Geldmenge in der Euro-Zone", sagt Welter. Und: Ein geringeres Produktivitätswachstum sowie sinkender Wettbewerbsdruck durch staatlichen Protektionismus könnten die Inflation zusätzlich anheizen. All das macht inflationsgesicherte Anleihen für Investoren interessant, die mit einem stärkeren Anstieg des Preisniveaus rechnen.
Trotz steigender Schulden der Euro-Länder rechnen Fondsmanager jedoch nicht mit einer Hyperinflation. Zwar sei eine hohe Staatsverschuldung in der Vergangenheit häufig "weginflationiert" worden. Doch das Geld, das der Staat momentan zur Krisenbewältigung aufbringe, wirke bislang nicht auf die Nachfrage, sagt Deka-Manager Franck. "Deshalb sehen wir noch keine nennenswerten Effekte auf die Inflation." Auch Tanguy Le Saout, Manager bei Pioneer, hält das Szenario einer Hyperinflation als Folge hoher Staatsdefizite für unwahrscheinlich: "Die meisten Länder der Euro-Zone sind sich über den Effekt schnell steigender Defizite im Klaren", sagt er. "Auch wenn die Maastricht-Kriterien nicht strikt eingehalten werden, zeigen die meisten Euro-Länder doch eine gewisse Haushaltsdisziplin."
  • Aus der FTD vom 16.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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