Mutige Anleger, die die Massenherabstufung zum günstigen Einstieg in Frankreich und Österreich nutzen wollen, müssen sich also gedulden. Die Gelegenheit kann aber schnell kommen: Europas Schuldendrama kann jederzeit eine Wendung nehmen, die die Renditen der früheren Top-Papiere kräftig steigen lässt.
Warum aber fällt die Reaktion an den Märkten bisher so entspannt aus? "Rein intuitiv würde man Kursverluste erwarten", sagt Martin Güth von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): "Doch schlechtere Noten hatten die Marktakteure schlicht einkalkuliert." Schon Anfang Dezember kündigte S&P an, die Bewertungen der Euro-Staaten zu überprüfen. Mit Herabstufungen war zu rechnen. Zumal viele Investoren längst Zweifel an der Bestnote für französische und österreichische Papiere hegten: Im vorigen Jahr hatte sich der Renditeabstand zu Bundesanleihen bei Bonds mit zehnjähriger Laufzeit auf über einen Prozentpunkt vergrößert. Mit Blick auf die Anleihekurse spielten die Staaten bereits vor der Herunterstufung nicht mehr in derselben Liga.
"Bei einer unerwarteten Herabstufung um beispielsweise zwei Notenstufen wäre die Reaktion vermutlich stärker gewesen", so Güth. Unerwartetes kann in den nächsten Wochen durchaus passieren. Auch Moody's und Fitch haben angekündigt, die Noten von Euro-Staaten zu überprüfen. Kommt es dabei zu Überraschungen, dürften sich für mutige Anleger günstige Einstiegsgelegenheiten bieten.
Es ist aber nicht allein dieser Effekt, der zu höheren Renditen führen könnte. Auch ein zweiter Punkt ist entscheidend, das Marktumfeld. "Ist die Stimmung unter den Investoren insgesamt gut, sehen sie über Herabstufungen hinweg", erläutert Valentin Hofstätter, Leiter der Staatsanleiheanalyse bei der österreichischen Raiffeisen Bank International: "Ist die Stimmung sowieso schon schlecht, erhalten sie ein noch höheres Gewicht."