Rekord der Übernachteinlagen:Banken bunkern Geld bei der EZB
Vor Weihnachten flutete die Europäische Zentralbank den Bankensektor mit billigen Euros. Doch anstatt diese an die Realwirtschaft weiterzugeben, bringen die Institute das Geld lieber zurück zur Notenbank.
von Frank Bremser
Die Banken der Euro-Zone verschieben ihr Geld verstärkt zur Europäischen Zentralbank (EZB). In der Nacht zum Montag haben die Banken insgesamt 411,8 Mrd. Euro bei der EZB geparkt. Das ist der höchste Wert seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung im Jahr 1999. Am Vortag lag der Wert bei 346,9 Mrd. Euro. Der vorherige Rekord wurde am 11. Juni 2010 bei 384,3 Mrd. Euro erreicht.
Laut dem Chefökonomen der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hängt das Schicksal der Euro-Zone an Italien.
Finanzinstitute verleihen normalerweise überschüssige Liquidität untereinander auf dem Interbankenmarkt und erhalten dafür Zinsen. Diese liegen höher als die von der EZB für Einlagen gezahlten. Derzeit ist das Misstrauen der Banken untereinander jedoch sehr hoch, so dass die Institute das Geld lieber bei der Zentralbank einlagern. Dafür erhalten sie derzeit 0,25 Prozent Zinsen. Der Eonia, der Übernacht-Interbankenmarkt-Zinssatz in der Euro-Zone, liegt aktuell gut doppelt so hoch. Dementsprechend ist die Höhe der Einlagen bei der EZB ein Indikator für Misstrauen und Verunsicherung im Bankensektor
Die Banken verfügen derzeit über eine große Menge an freiem Geld. Denn in der vergangenen Woche hatte die EZB insgesamt 523 Banken 489 Mrd. Euro über drei Jahre zu einem Zinssatz von einem Prozent ausgeliehen. Die Währungshüter wollten damit die Finanzsituation der Banken stärken. Außerdem steht dahinter die Hoffnung, dass die Häuser das Geld an die Realwirtschaft ausreichen, um somit über die Kreditvergabe die Wirtschaft zu stärken. Augenscheinlich legen die Häuser das Geld jedoch angesichts der unklaren Entwicklung in der Schuldenkrise lieber bei der EZB an.
Zuletzt hatten positive Konjunkturdaten aus der Euro-Zone und den USA die Hoffnung geweckt, dass die erwartete Rezession im kommenden Jahr nicht zu gravierend ausfalle. Vor Weihnachten hatte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Thomas Mayer die weitere Entwicklung Italiens zur Schicksalsfrage über die Zukunft der Euro-Zone erklärt. Das Überleben der Währung werde von der wirtschaftlichen Entwicklung des südeuropäischen Landes abhängen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zu Beginn nächsten Jahres werde Italien in eine tiefe Rezession stürzen. "Wenn es dem Land gelingt, da vor den Wahlen im Mai 2013 wieder herauszukommen - was ich erwarte -, dann kann Italien ein Vorbild für alle südeuropäischen Staaten werden. Ansonsten wird die Euro-Zone auseinanderbrechen."
Mit dieser Ansicht steht Mayer nicht alleine. Deshalb wird in der verkürzten Handelswoche das Augenmerk der Anleger vor allem auf der Auktion italienischer Schatzanweisungen und Staatsanleihen mit einem Volumen von gut 20 Mrd. Euro am 28. und 29. Dezember liegen. Bei den vorangegangenen Auktionen hatte das südeuropäische Land hohe Renditen für seine Kreditaufnahme zahlen müssen. Einige Marktteilnehmer spekulieren nun, dass Banken einen Teil des billig von der EZB erhaltenen Geldes dazu nutzen könnten, hochrentierende italienische und spanische Anleihen zu kaufen. Dies würde die Renditen drücken. Die Rendite einer Anleihe setzt sich dabei aus dem festgesetzten Zins (Kupon) und der Differenz von Kurswert und Nominalwert zusammen.
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