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Merken   Drucken   09.10.2008, 17:57 Schriftgröße: AAA

Rekordhoch und fehlendes Vertrauen: Libor - Das wichtigste Krisenbarometer  

Die Zentralbanken stemmen sich gegen die Kreditkrise - bisher vergeblich. Die Situation auf dem Geldmarkt bleibt angespannt. Zentral ist dabei der Libor-Satz, der auf einem Rekordhoch verharrt. Nun streiten Experten, wie sie ihn in den Griff bekommen können. von Tobias Bayer (Frankfurt)
Den Begriff Libor kannten vor der Kreditkrise nur die Finanzmarktteilnehmer. Doch nach Bankenpleiten, Notverkäufen und konzertierten Zinssenkungen der Notenbanken ist der Londoner Interbankensatz auch der breiten Öffentlichkeit bekannt. Denn an dem Libor lässt sich ablesen, was sich momentan auch nach allen Rettungsaktionen nicht geändert hat: Die Banken misstrauen sich gegenseitig und horten Bargeld.
Täglich wird der Libor vom Londoner Bankenverband BBA festgelegt. Er ist für das gesamte Finanzsystem von zentraler Bedeutung: Wertpapierkontrakte mit einem Wert von 360.000 Mrd. $ richten sich nach ihm. Das entspricht 53.500 $ für jeden Menschen. Seine Anwendung ist vielfältig: Hypotheken in Großbritannien, Studentenkredite in den USA und Unternehmensverbindlichkeiten bestimmen sich danach.
Momentan ist das für die Weltwirtschaft schlecht, denn der Libor so hoch wie seit Jahren nicht mehr: Am Donnerstag kletterte der Satz für dreimonatige Dollarausleihungen um 23 Basispunkte auf 4,75 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Dezember. "Wegen der großen Bedeutung des Libor ist das auch für die Realwirtschaft schlecht. Solange das so bleibt, werden auch Zinssenkungen bei den Unternehmen und Haushalten nicht ankommen", schreiben die Experten von Merrill Lynch in einem Researchbericht.

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