Ein starker Rückgang der Industrieproduktion um 1,7 % im Oktober gegenüber dem Vormonat und erneut schwache Zahlen vom Häusermarkt sorgten für neue Zinssenkungserwartungen und Kursverluste der britischen Währung. Für einen Euro mussten in der Spitze 87,65 Pence bezahlt werden, gegen 19 Uhr MEZ waren es 87,56 Pence. Das alte Rekordtief lag bei 87,38 Pence. Simon Derrick, Chefdevisenstratege der Bank of New York Mellon in London erwartet in den nächsten Wochen eine Pfund-Abschwächung zum Euro auf 90 Pence. Zum Dollar verlor die britische Währung zeitweise 1,6 % auf ein Tagestief bei 1,4678 $. Gegen 19 Uhr kostete ein Pfund 1,4835 $. Analysten halten bis Weihnachten weitere Einbußen bis auf 1,40 $ für möglich.
Obwohl auch aus Japan schlechte Wirtschaftsdaten kamen, legte der Yen zu. Zum Euro verteuerte sich der Yen in der Spitze um mehr als ein Prozent auf 118,41 Yen, verglichen mit 120,26 Yen am Vortag.
Leicht steigende Aktienkurse und erneute Gewinnmitnahmen nach der vorangegangenen Hausse haben die Staatsanleihen in der Euro-Zone am Dienstag ins Minus gedrückt. Zunächst hatte der Markt noch zugelegt, im Tagesverlauf verstärkte sich die Abwärtsbewegung beim Bund-Future. Fundamentale Faktoren spielten nach Ansicht von Bondanalysten eine eher untergeordnete Rolle. Insofern habe sich der Einfluss des überraschend gestiegenen ZEW-Konjunkturbarometers in Grenzen gehalten, sagten Marktteilnehmer übereinstimmend.
Zudem sei die große Zinssenkungsfantasie zunächst einmal vorbei. Der Markt musste außerdem die Ausgabe neuer Staatsanleihen über 4 Mrd. Euro verkraften.
Der Bund-Future fiel bis 19 MEZ Uhr um 67 Stellen auf 122,35 Zähler. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg in der Spitze auf 3,26 % und lag gegen 19 Uhr noch um acht Basispunkte höher bei auf 3,23 %.
Börsenanleger und Analysten beurteilten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im Dezember etwas optimistischer als erwartet: Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen auf Sicht von sechs Monaten stieg um 8,3 auf minus 45,2 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte.
Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf minus 55,0 Zähler gerechnet. Allerdings sackte die Einschätzung der aktuellen Situation drastisch auf minus 64,5 Punkte ab - der tiefste Stand seit Juli 2005. Alexander Koch, Volkswirt bei Unicredit warnte, nicht zu viel in den Anstieg des ZEW-Index hineinzulesen. "Insgesamt sagen uns die Fundamentaldaten, dass es in den kommenden Monaten und Quartalen erst einmal schlechter wird, bevor es eine Aussicht auf Stabilisierung gibt."