Fußballklubs haben den Anleihemarkt für sich entdeckt. Die bunten Papiere sind aber mehr Fanartikel als seriöse Geldanlage. Das zeigt vor allem das Beispiel des Hansa Rostock. von Harald Czycholl
"Auf St. Pauli regeln wir das unter uns." Mit diesem Slogan warb der FC St. Pauli im November vergangenen Jahres für seine Fananleihe. Eigentlich sollte man meinen, dass
der Gang an den Kapitalmarkt für den Zweitligisten ein gewagtes Unterfangen wäre. Denn wer Fußballfans mit antikapitalistischer Gesinnung sucht, ist in der Fankurve des Hamburger Millerntor-Stadions richtig. Schließlich ist der Kultklub von der Reeperbahn für seine linksalternative Fanszene bekannt.
Doch die Emission wurde ein voller Erfolg: Die Schuldverschreibungen zu sechs Prozent Zinsen bei sechsjähriger Laufzeit, als Schmuckurkunden gestaltet und zu Nennwerten von 100, 500 und 1910 Euro ausgegeben - letzterer ist das Gründungsjahr des Vereins -, waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Insgesamt 6 Mio. Euro wurden so in die Klubkassen gespült.
Pauli-Fans stürzten sich auf die Anleihe ihres Klubs
Berauscht vom Erfolg entschied sich der Verein zu Jahresbeginn für eine Erhöhung um weitere 2 Mio. Euro. Auch die neuen Papiere fanden reißenden Absatz: Innerhalb von nur zwei Tagen wurden alle verkauft. "Das ist ein sensationelles Ergebnis mit dem selbst die größten Optimisten nicht rechnen konnten", sagt Tjark Woydt, Vizepräsident des FC St. Pauli. "Das zeigt, dass wir bei den Fans, Mitgliedern und Sympathisanten mit unserer Anleihe auf breite Zustimmung gestoßen sind und großes Vertrauen genießen." Bestens aufgestellt sei man nun für die vor dem Verein liegenden großen Projekte: Der Klub will das mittels der Fananleihe eingenommene Geld in den Ausbau des Stadions sowie den Umbau des Trainingsgeländes stecken.
Profifußballklubs sind eben auch mittelständische Unternehmen - und es ist nicht die erste Mal, dass die Anhängerschaft mittels einer Anleihe angepumpt wird: Auch namhafte Vereine wie Schalke 04, der 1. FC Köln, Hertha BSC Berlin, FC Hansa Rostock oder Arminia Bielefeld haben das schon getan.
Einige agierten dabei besonders clever: Beim Hertha-Papier etwa gab es das Geld nur nach Zerschneiden der Schmuckurkunde zurück - was kein Fan gerne tut. So dürften einige Anhänger die gerahmten Schmuckstücke einfach ganz gelassen und auf die Rückzahlung ihres Geldes nebst Zinsen verzichtet haben. Ihrem Klub haben sie damit natürlich einen zusätzlichen Gefallen getan.
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