Spanien verhandelt offenbar mit seinen Partnern in der Euro -Zone über Bedingungen für ein umfassendes Hilfsprogramm, das über die bereits vereinbarte Bankenstützung hinausgeht. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Vor dem 12. September werde es dazu auch nicht kommen - dann entscheidend das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe über die Rechtmäßigkeit des geplanten dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM.
Bis zum Karlsruher Richterspruch warten die Spanier offenbar mit einem offiziellen Antrag, den die Finanzminister der Euro-Zone dann bereits bei ihrem Treffen am 14. und 15. September diskutieren könnten.
Laut Reuters bevorzugt Spanien eine Lösung, bei der der aktuelle Rettungsschirm EFSF bei Versteigerungen neue spanische Staatsanleihen direkt aufkaufen würde. Zugleich könne die Europäische Zentralbank wieder am Sekundärmarkt aktiv werden - also Investoren bereits begebene Staatsanleihen abkaufen, um die Renditen der Bonds auf ein tragfähiges Maß zu drücken. Für letzteres hat die EZB hat die Notenbank allerdings einen offiziellen Hilfsantrag zur Bedingung gemacht.
Über den Umfang der Hilfen sei noch nicht diskutiert worden, hieß es. Einer von Reuters zitierten Person zufolge dauern die Gespräche seit Wochen an. Obwohl solche oder ähnliche Gerüchte bereits seit Längerem kursieren, zog die Gemeinschaftswährung diesmal kräftig an: Zum Dollar verteuerte sie sich um mehr als einen halben Cent auf bis zu 1,2590 Dollar.
Bereits im späten Handel am Mittwoch hatte sich der Dollar kräftig abgeschwächt, nachdem die US-Notenbank Fed das Protokoll der jüngsten Sitzung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses veröffentlicht hatte. Daraus geht hervor, dass sich "viele" Mitglieder des Gremiums um Notenbankchef Ben Bernanke für eine weitere, auch als QE3 bekannte Geldspritze für die schleppende Konjunktur ausgesprochen haben, die zudem noch "ziemlich bald" erfolgen könnte. Analysten sprachen von einer Ankündigung, die möglicherweise schon bei der nächsten regulären Fed-Sitzung am 12. und 13. September zu erwarten sei.
In der Folge hatten auch die Gold-Notierungen kräftig angezogen: Das Edelmetall wird in Dollar gehandelt, so dass ein schwächerer Greenback den Gold-Kurs tendenziell stützt. Nach den Spekulationen um neue Spanien-Hilfen kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) bis zu 1674,90 Dollar. Das sind fast 2,5 Prozent mehr als vor Veröffentlichung der Fed-Minutes und zugleich der höchste Stand seit Anfang Mai dieses Jahres.
Der Zinsdruck auf Spanien ließ durch den Reuters-Bericht zudem leicht nach: Staatspapiere aus Madrid mit zehnjähriger Laufzeit verzinsten sich am Donnerstagnachmittag mit knapp 6,35 Prozent. Das liegt zwar deutlich unter dem Tageshöchstwert von 6,45 Prozent, aber noch immer höher als in den zurückliegenden Tagen. Erst die Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, die Notenbank werde die Gemeinschaftswährung mit allen Mitteln verteidigen, sorgte für Entlastung. Denn Beobachter leiten daraus ab, dass die EZB werde ihr umstrittenes Aufkaufprogramm für Staatsanleihen wieder aufnehmen, um die Zinslast für Problemstaaten zu mindern. Zuvor muss Spanien nach weiteren Ausführungen des Zentralbankpräsidenten aber einen offiziellen Hilfsantrag stellen - was sich angesichts des jüngsten Berichts indes abzeichnet.
Als Maß gilt unter Ökonomen ein Wert von sieben Prozent, ab dem ein Staat Gefahr läuft, seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen zu können. Draghis Worte hatten die Renditen für Spanien unter diesen kritischen Wert sinken lassen, weil Investoren wieder zu den Papieren griffen. Bei Anleihen entwickeln sich Kurse und Renditen stets in die entgegengesetzte Richtung.
Für kaum Bewegung sorgte der Bericht über den Hilfsantrag Spanien allerdings bei Bonds des ebenfalls angeschlagenen Italiens: Die Zehnjahresrenditen verharrten knapp unter 5,7 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigten Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit, die etwa 1,375 Prozent abwarfen. Hier hat sich die Verzinsung in den zurückliegenden drei Tagen allerdings von einem Höchststand von 1,572 Prozent deutlich vermindert.
Spanien hatte von den Partnern bereits Hilfszusagen über 100 Mrd. Euro erhalten, um die unter den Folgen der geplatzten Immobilienblase im Land darbenden Banken zu retten. Im Gegenzug erhält die Zentralbank in Madrid offenbar deutlich mehr Macht über die Geschäftsbanken des Landes, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet. Demnach dürfte die Notenbank künftig auch Banken übernehmen, die zuvor nicht gegen Kapitalanforderungen verstoßen haben.
Entscheidend werde vielmehr sein, ob davon auszugehen sei, dass die Geldhäuser die Auflagen in der Zukunft nicht mehr erfüllen können, hieß es. Zugleich soll der Banken-Restrukturierungsfonds FROB mehr Befugnisse erhalten, um Institute abzuwickeln. Angeschlagene Häuser müssten innerhalb von zehn Tagen nachweisen, dass sie ihr eigenes Überleben garantieren können. Die Notenbank soll zudem Vorstände entlassen und Verhandlungen mit Gläubigern führen dürfen.
Details könnten allerdings vor der erwarteten Genehmigung des Vorhabens am 31. August noch geändert werden, berichtete Reuters. Die Regeln befänden sich im Einklang mit Vorgaben der Europäischen Union, die bis Mitte 2013 umgesetzt werden müssen. Das spanische Wirtschaftsministerium sowie die Notenbank in Madrid wollten sich zu dem Bericht nicht äußern.
Spanien kämpft mit einer schrumpfenden Wirtschaft, hohen Refinanzierungskosten und einer immens hohen Arbeitslosigkeit. Fast ein Viertel der Spanier ist ohne Job. Das Platzen der Immobilienblase brachte den Bankensektor in Schwierigkeiten, der seither faule Kredite mit einem Nennwert in Milliardenhöhe vor sich herschiebt. Derzeit sind neben Bankia weitere drei Geldhäuser verstaatlicht.