Die Krise in Griechenland wirkt sich auf private Anleihenbesitzer aus. Mögliche Tauschangebote werden erwartet. Mutige Anleger hoffen nach wie vor auf eine vollständige Auszahlung.
von Isabel GomezFrankfurt
Der vereinbarte Schuldenschnitt für Privatgläubiger Griechenlands betrifft Experten zufolge auch Kleinanleger. "In der Mitteilung der Euro-Gruppe steht explizit, dass alle Anleihenbesitzer aus dem privaten Sektor betroffen sind. Das habe ich bisher so in keinem offiziellen Dokument gelesen", sagt Gernot Griebling, der die Anleihenanalyse der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) leitet der FTD. "Die privaten Gläubiger, und zwar alle, erhalten ein Angebot, demzufolge sie auf 53,5 Prozent ihrer nominalen Forderungen verzichten sollen."
In welchem Umfang Privatanleger betroffen sind, steht noch nicht fest. Die Banken warten diesbezüglich auf detaillierte Informationen der Abwicklungsgesellschaft für Wertpapiere, Clearstream. "Im Falle Argentinien haben wir von Clearstream genaue Informationen erhalten, welche Anleihengattungen ab welchem Nennwert betroffen sind und wie das Tauschangebot an die Kunden genau aussieht", so Griebling. Er erwarte jetzt eine ähnliche Herangehensweise. Sobald die Details bekannt sind, identifizieren die Banken diejenigen Kunden, deren Anleihen zum Tausch stehen und informieren sie in einem Schreiben über das Tauschangebot.
Griebling geht allerdings nicht davon aus, dass sich 90 oder 100 Prozent aller Gläubiger auf den Tausch einlassen. "Sollte sich die Partizipation als zu niedrig erweisen, um auf die angestrebte Schuldenermäßigung zu kommen, könnte über Collective Action Clauses eine vollständige Beteiligung der privaten Gläubiger erzwungen werden", sagt er. Allerdings habe die griechische Regierung einen bestimmten Ermessungsspielraum und könnte auch eine Zustimmung von 85 Prozent als ausreichend erachten.
Ganz mutige Kleinanleger können nach wie vor auf eine vollständige Auszahlung ihrer Anleihen spekulieren, indem sie hoffen, dass sich ausreichend viele institutionelle Investoren mit dem Schuldenverzicht einverstanden erklären und die benötigte Zustimmung von 90 oder 100 Prozent erreicht wird. Dann träte die Collective Action Clause wohl nicht in Kraft und Kleinanleger könnten ihre Anleihen zu 100 Prozent zurückbezahlt bekommen. Experten halten das jedoch für unwahrscheinlich.
"Ich glaube nicht, dass die im März fällige Anleihe vollständig bedient wird", so Schuchardt. Denn wenn der Markt von einer vollständigen Rückzahlung ausgehen würde, müsste der Kurs der Anleihe höher sein, als er derzeit sei. Gestern Mittag stand das Papier bei 37 Euro - weit entfernt vom Nominalwert der Anleihe von 100 Euro.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) empfiehlt Privatanlegern deshalb, das Tauschangebot anzunehmen. Es bestehe das Risiko, dass die alten Anleihen nicht mehr bedient würden. Auch Argentinien bot drei Jahre nach der Pleite 2001 an, alte Anleihen in wenig attraktive Papiere mit inflationsabhängiger Verzinsung und langen Laufzeiten umzutauschen. Das kostete die Anleger rund zwei Drittel ihrer Forderungen. Das gleiche Beispiel ziehen Experten herbei, wenn es um die Möglichkeit einer Klage gegen die Umschuldung geht. "Das haben Privatanleger auch bei Argentinien versucht. Die Klagen waren nicht von Erfolg gekrönt und sehr langwierig", so Griebling.
Die am 20.März fällige Anleihe im Volumen von 15 Mrd. Euro ist sozusagen der Verkaufsschlager unter den griechischen Ramsch-Papieren. "Die im März fällige Anleihe ist an der Börse Stuttgart das meistgehandelte Wertpapier", so Giebling. In den vergangenen Wochen gab es gar Tage, an denen in Stuttgart weit mehr als die Hälfte des Handelsvolumens auf Griechen-Papiere entfiel.
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