In der Euro-Krise hat sich wiederholt gezeigt, dass Zweifel an der Kreditwürdigkeit eines Landes eine unheilvolle Dynamik entwickeln können. So mussten Irland und Portugal unter den Euro-Rettungsschirm flüchten, obwohl ihre Gesamtverschuldung von 93 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) niedriger ist als beispielsweise die Italiens und Belgiens. Das Misstrauen der Investoren trieb die Refinanzierungskosten beider Länder so stark in die Höhe, das sie sich die Aufnahme neuer Kredite an den Märkten schließlich nicht mehr leisten konnten.
Von einer solchen Situation ist Frankreich weit entfernt: Die Renditen im Handel mit zehnjährigen Staatsanleihen, ein Indikator für die Zinskosten bei der Emission neuer Schuldtitel, liegen derzeit bei rund drei Prozent. Zum Vergleich: Noch im Herbst rentierten Zehnjahrespapiere mit 3,8 Prozent, was das Land locker wegsteckte.
Doch die Entwicklung koppelt sich zusehends von der deutscher Bundesanleihen ab, die wegen der exzellenten Kreditwürdigkeit Deutschlands als Maßstab für den gesamten Markt gelten. Das zeigt, das Anleger Frankreich mittlerweile für deutlich weniger vertrauenswürdig halten als die Bundesrepublik. Der Renditeaufschlag, den Anleger dafür verlangen, dass sie zehnjährige französische anstelle deutscher Staatsanleihen halten, betrug am Freitag 1,33 Prozentpunkte.