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Merken   Drucken   18.02.2012, 14:00 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Ein 200-Milliarden-Vorschlag zur Rettung Griechenlands

Die bisherigen Pläne der Hellas-Helfer gehen nicht auf. Sie müssen mehr Geld locker machen. Die beste Lösung wäre, auf einen Schuldenerlass der privaten Gläubiger zu verzichten - ihnen dafür aber ein Investitionsprogramm abzuverlangen.
© Bild: 2012 Reuters/YIORGOS KARAHALIS
Kommentar Die bisherigen Pläne der Hellas-Helfer gehen nicht auf. Sie müssen mehr Geld locker machen. Die beste Lösung wäre, auf einen Schuldenerlass der privaten Gläubiger zu verzichten - ihnen dafür aber ein Investitionsprogramm abzuverlangen. von André Kühnlenz  Frankfurt
Eineinhalb Jahre nach Verabschiedung des ersten Rettungspakets für Athen stehen nicht nur die Griechen, sondern auch ihre Kreditgeber vor einem Scherbenhaufen. Die Rechnung von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) geht nicht auf. Mit einer Beteiligung der privaten Gläubiger wollten sie die Kosten des zweiten Hilfsprogramms auf 130 Mrd. Euro beschränken. Doch die angestrebte Senkung der Staatsschulden auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2020 ist damit nicht zu erreichen. Die Troika aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank (EZB) rechnet mittlerweile mit 129 Prozent.
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Geradezu lächerlich erscheint vor diesem Hintergrund, dass in den vergangenen Tagen über zusätzliche Einsparungen von 325 Mio. Euro geschachert wurde. Gemessen an der Dimension der griechischen Schulden ist das ein Kleckerbetrag. Um Griechenland zu retten, ist aber ein großer Wurf nötig.
Mein Vorschlag: Wir erhöhen das Rettungspaket auf 200 Mrd. Euro und zahlen damit alle privaten Gläubiger aus (also wirklich alle, außer Euro-Staaten, EZB und IWF). Dieses Geld muss Griechenland 30 Jahre später zurückzahlen. Im Gegenzug müssen sich Banken und Versicherungen verpflichten, davon 100 Mrd. Euro in einen Investitionsfonds einzuzahlen. Um sich gegen einen Ausfall abzusichern, müssten die privaten Gläubiger die restlichen 100 Mrd. Euro beispielsweise in 30-jährige Bundesanleihen investieren. Daraus werden mit Zinseszins nach 30 Jahren dann wieder 200 Mrd. Euro.
Geld würde sinnvoll genutzt
Für die privaten Gläubiger würde diese Lösung bedeuten, dass sie Griechenland zwar Kredite stunden, aber letztlich ihre gesamten Ausstände zurückbekommen. Das ist deutlich reizvoller als der gegenwärtig geplante Schuldenerlass, bei dem sie auf die Rückzahlung von 100 Mrd. Euro komplett verzichten müssten. Die Summe verschwände nicht einfach im Orkus, sondern würde für sinnvolle Dinge genutzt.
Auf ihre Anteile am Investitionsfonds bekämen die Anleger eine Verzinsung - allerdings erst dann, wenn Griechenlands Wirtschaft auch tatsächlich wieder wächst. Sie würde sich nach der nominellen Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts richten. Die an die Wachstumsraten gekoppelten Zinssätze würden auch für die Kredite der Euro-Staaten und die Staatsanleihen in den Büchern der EZB gelten. Besser noch wäre, sie verzichten für zehn Jahre komplett darauf.

Teil 2: Ohne Wachstum geht es nicht

  • FTD.de, 18.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 20.02.2012 17:05:03 Uhr   Illoinen: Haben wir aus 1929 nichts gelernt?

    Die britische Regierung veröffentlichte 1929, kurz nach Beginn der Weltwirtschaftskrise, ihr
    unter dem Namen „The Treasury View“ bekanntes Weißbuch. In ihm erklärte sie, (Kredit
    finanzierte) öffentliche Investitionen brächten nichts - außer einer weiteren Verschlechterung
    der öffentlichen Finanzen. Dagegen sei ein ausgeglichenes Budget die richtige Haushaltspolitik
    (in der Krise)!
    Heute, acht Jahrzehnte später, scheint sich Europa der Empfehlung des britischen Weißbuchs
    von 1929 anzuschließen. Doch Gott sei Dank teilt der Rest der Welt dessen Einschätzung nicht.

  • 20.02.2012 16:48:28 Uhr   Illoinen: Was mich stört, man verhöhnt die Opfer stat...
  • 20.02.2012 12:41:27 Uhr   Philosoph: 200 Mrd. für Griechenland?
  • 20.02.2012 00:09:20 Uhr   John Doe: Lieber Herr Kühnlenz,
  • 19.02.2012 20:56:37 Uhr   the-ananlyst: Und das Fest geht weiter
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