Die Einschätzungen der Volkswirte zum Euro-Raum zeigen, dass die Geldhäuser weltweit das Ende der Gemeinschaftswährung in ihrer heutigen Form für ein relevantes Szenario halten. Das wird dadurch unterstrichen, dass Institute, Firmen, Zentralbanken, Aufseher und Politiker in Europa und international entsprechende Notfallpläne ausarbeiten und damit das Scheitern der Währungsunion in ihre unternehmerischen und regulatorischen Entscheidungen einpreisen. Bis vor Kurzem hatte ein Ende des Euro bei der großen Mehrheit der Volkswirte als unrealistisch gegolten.
"Während wir ein Auseinanderbrechen der Währungsunion bis vor ein paar Monaten noch für unmöglich gehalten haben, ist die Wahrscheinlichkeit heute vielleicht gering, aber definitiv höher als null Prozent", sagte Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg & Co. "Gefühlt liegt sie vielleicht bei 20 Prozent." Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus sieht die Wahrscheinlichkeit aktuell bei zehn Prozent, fügt aber hinzu: "Wenn die politischen Anstrengungen zur Lösung der strukturellen Probleme in der Euro-Zone nicht groß genug sind, wird ein Zerfall der Euro-Zone nur noch schwer zu vermeiden sein."
Dahinter steht die Erkenntnis, dass Euro-Krisenstaaten wie Italien, Spanien, Griechenland, Irland und Portugal langfristig nur dann aus eigener Kraft in der Währungsunion überleben können, wenn sie durch tief greifende Reformen von Arbeitsmärkten, Sozialleistungen und Steuererhebung wettbewerbsfähig werden. Viele Experten halten das zumindest im Fall Griechenlands für unmöglich und wetten daher auf einen Ausstieg des Landes.