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Merken   Drucken   04.12.2011, 20:00 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Euro-Pessimismus nimmt zu

Der Zerfall des Euro ist kein unrealistisches Szenario mehr: Ökonomen führender Banken halten das Ende der Währungsunion für durchaus möglich. Nach Meinung der Experten kommt Bundesbank-Präsident Weidmann in der Krise eine Schlüsselrolle zu.
© Bild: 2011 dapd/Clemens Bilan
Exklusiv Der Zerfall des Euro ist kein unrealistisches Szenario mehr: Ökonomen führender Banken halten das Ende der Währungsunion für durchaus möglich. Nach Meinung der Experten kommt Bundesbank-Präsident Weidmann in der Krise eine Schlüsselrolle zu. von Wolfgang Proissl  Frankfurt
Die meisten Chefvolkswirte führender internationaler Banken halten den Zerfall der Währungsunion für ein mögliches Szenario. Die große Mehrheit der Ökonomen sieht eine Wahrscheinlichkeit von zehn bis 30 Prozent dafür, dass die Euro-Zone unter dem Druck der eskalierenden Staatsverschuldungskrise auseinanderbricht oder einen Teil ihrer Mitgliedsstaaten verliert. Keiner der 26 Volkswirte, die sich zur Möglichkeit eines Scheiterns des Währungsraums in seiner heutigen Form geäußert haben, schloss eine solche Entwicklung völlig aus.
Gleichzeitig glaubt die Mehrheit der Experten, dass Bundesbankpräsident Jens Weidmann eine Schlüsselrolle beim Entschluss zukommt, ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Hilfen zur Rettung des Euro verstärkt. Das ist das Ergebnis von Zusatzfragen zur monatlichen FTD-Zinsumfrage. Die Erwartungen der Ökonomen etwa zu Wachstum und Inflation veröffentlicht die FTD am Dienstag.
Die Einschätzungen der Volkswirte zum Euro-Raum zeigen, dass die Geldhäuser weltweit das Ende der Gemeinschaftswährung in ihrer heutigen Form für ein relevantes Szenario halten. Das wird dadurch unterstrichen, dass Institute, Firmen, Zentralbanken, Aufseher und Politiker in Europa und international entsprechende Notfallpläne ausarbeiten und damit das Scheitern der Währungsunion in ihre unternehmerischen und regulatorischen Entscheidungen einpreisen. Bis vor Kurzem hatte ein Ende des Euro bei der großen Mehrheit der Volkswirte als unrealistisch gegolten.
"Während wir ein Auseinanderbrechen der Währungsunion bis vor ein paar Monaten noch für unmöglich gehalten haben, ist die Wahrscheinlichkeit heute vielleicht gering, aber definitiv höher als null Prozent", sagte Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg & Co. "Gefühlt liegt sie vielleicht bei 20 Prozent." Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus sieht die Wahrscheinlichkeit aktuell bei zehn Prozent, fügt aber hinzu: "Wenn die politischen Anstrengungen zur Lösung der strukturellen Probleme in der Euro-Zone nicht groß genug sind, wird ein Zerfall der Euro-Zone nur noch schwer zu vermeiden sein."
Dahinter steht die Erkenntnis, dass Euro-Krisenstaaten wie Italien, Spanien, Griechenland, Irland und Portugal langfristig nur dann aus eigener Kraft in der Währungsunion überleben können, wenn sie durch tief greifende Reformen von Arbeitsmärkten, Sozialleistungen und Steuererhebung wettbewerbsfähig werden. Viele Experten halten das zumindest im Fall Griechenlands für unmöglich und wetten daher auf einen Ausstieg des Landes.

Teil 2: Alle schauen auf Weidmann

  • Aus der FTD vom 05.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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