Die EZB hat seit Mai 2010 griechische Staatsanleihen gekauft, um die Kurse der Papiere zu stützen. Schätzungen zufolge hat sie Hellas-Bonds im Wert von gut 50 Mrd. Euro in ihren Büchern. Da die Kurse der Papiere zum Zeitpunkt des Erwerbs schon deutlich gefallen waren, dürfte die Zentralbank aber maximal 40 Mrd. Euro dafür bezahlt haben. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker und andere Politiker hatten der EZB deshalb nahegelegt, auf die Erstattung des vollen Nennwerts durch Griechenland zu verzichten. Damit würde Athen um mindestens 10 Mrd. Euro entlastet.
Dieses Modell wäre allerdings eine Form von Staatsfinanzierung. Auch Vorschläge des Instituts der Deutschen Wirtschaft, die EZB könnte ihre Anleihen zum Preis von 40 Mrd. Euro an den Euro-Rettungsfonds EFSF verkaufen, lehnte Draghi indirekt ab: "Die EFSF gehört den Regierungen. Wenn die EZB Regierungen Geld gibt, ist das Staatsfinanzierung."
Die einzige Ausnahme von dieser Regel sei, wenn die EZB Gewinne über ihren Kapitalschlüssel an die Anteilseigner - also die nationalen Notenbanken - ausschütte, fügte der Italiener hinzu. Gewinne der nationalen Notenbanken landen wiederum bei den jeweiligen Regierungen.
Ob der Kapitalschlüssel zur Lösung des Problems genutzt werden könnte, blieb offen. Mit dem Verkauf griechischer Staatsanleihen lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Gewinn erzielen.