Merken
Drucken
06.12.2010, 18:27
Schriftgröße: AAA
Schuldenkrise:
EZB öffnet Kasse für Euro-Krisenstaaten
Die Zentralbank hat ihre Aufkäufe von Anleihen klammer Euro-Länder vergangene Woche ausgeweitet. Der Betrag fällt kleiner aus als am Markt erwartet. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit nicht erreicht sein. Die Politik streitet über die Einführung von Eurobonds.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die umstrittenen Staatsanleihenkäufe kräftig ausgeweitet. In der vergangenen Woche steckten die Frankfurter Währungshüter 1,965 Mrd. Euro in Anleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten, die größte Summe in mehr als fünf Monaten. Der Eingriff dürfte dazu beigetragen haben, dass die Risikoprämien auf Bonds der Euro-Sorgenkinder Irland, Griechenland, Portugal, Spanien und Italien Mitte vergangener Woche zurückgingen.
Arbeiter reparieren die Euro-Skulptur vor der EZB in Frankfurt
"Das ist nicht die Zahl, die man nach den Spekulationen der vergangenen Tage vor Augen hatte, aber voraussichtlich wird die Summe in der kommenden Woche deutlich ansteigen", sagte Analyst Rainer Guntermann von der Commerzbank. Ein mittelfristiger Trend lasse sich daraus nicht ablesen: "Die EZB reagiert pragmatisch auf Marktbewegungen."
Die EZB hatte die Anleihenkäufe auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise Anfang Mai begonnen. Das Programm ist innerhalb der Zentralbank umstritten, Bundesbankpräsident Axel Weber hat es wiederholt scharf kritisiert. Die Anleihenkäufe sollten besser "früher als später" eingestellt werden, sagte das EZB-Ratsmitglied Weber am 19. November. Zentralbank-Chef Jean-Claude Trichet hatte in der vergangenen Woche lediglich erklärt, das Programm dauere an. Zu einer möglichen Ausweitung wollte er sich nicht äußern. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hatte am Sonntag eine Ausweitung der Aufkäufe verlangt.
Tatsächlich hatte die EZB die Anleihenkäufe bereits im Oktober vorübergehend eingestellt, in der ersten Novemberwoche aber wieder damit angefangen. In den vergangenen Wochen kaufte die Zentralbank Staatsanleihen im Gesamtwert von 6,5 Mrd. Euro. Sie reagierte damit auf den starken Anstieg der Risikoprämien, die nach dem jüngsten EU-Gipfel Ende Oktober in die Höhe schossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte auf dem Gipfel gefordert, die Anleihegläubiger ab 2013 an Rettungsaktionen für zahlungsunfähige Euro-Staaten zu beteiligen. Obwohl die Gläubigerhaftung nur für neu ausgegebene Staatsanleihen gelten soll, wurden die Papiere daraufhin vielen Investoren zu heiß.
Nachdem das Einschreiten der EZB in der vergangenen Woche für leichte Entspannung gesorgt hatte, kehrte am Montag die Nervosität auf die Märkte zurück. Der Euro fiel zeitweise um 1,3 Prozent auf 1,3247 Dollar. Auch die Risikoprämien auf Staatsanleihen aus Spanien, Italien und Portugal zogen wieder leicht an. Viele Anleger befürchten, dass nach Griechenland und Irland als nächstes Portugal Milliardenhilfen von der EU benötigt. Die Renditen auf zehnjährige portugiesische Staatsanleihen lagen am Montag auf dem Sekundärmarkt bei 6,13 Prozent. Sollte Portugal bei der Emission neuer Staatsanleihen einen vergleichbaren Zinssatz zahlen müssen, würde das den Schuldendienst enorm verteuern.
Teil 2: Merkel lehnt Eurobonds ab
-
FTD.de, 06.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden