Die Finanzbranche soll einen Beitrag zum zweiten Rettungspaket für Griechenland leisten. Doch einigen privaten Gläubigern käme eine Staatspleite angeblich gerade recht. Sie sperren sich deshalb offenbar gegen einen Schuldenerlass.
Der Beitrag der Finanzbranche zum zweiten Hellas-Hilfspaket wird nach Einschätzung aus Verhandlungskreisen weit hinter den angestrebten 100 Mrd. Euro zurückbleiben. Viele Hedge-Fonds seien zu einer Beteiligung nicht bereit, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Sie hätten ihre Forderungen an Griechenland mit Kreditausfallderivaten (CDS) abgesichert und deshalb kein Interesse an einer Rettung des Landes, schrieb Reuters unter Berufung auf einen mit den Gesprächen vertrauten Banker. CDS werden nur ausgezahlt, wenn der internationale Derivateverband ISDA einen Zahlungsausfall konstatiert - also eine Staatspleite.
Der internationale Bankenverband IIF hatte auf Druck der Regierungen der Euro-Zone im Oktober zugesagt, mit Griechenland über einen Schuldenerlass von 50 Prozent zu verhandeln. Schon im Sommer nahmen Banken und Versicherungen erste Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen vor. Sie stellten sich damit auf einen Schuldenerlass ein. Nach Einschätzung von Analysten der Bank of America/Merrill Lynch liegen aber die Hälfte aller von privaten Gläubigern gehaltenen Hellas-Anleihen in den Händen anderer Investoren - unter anderem Hedge-Fonds.
Hedge-Fonds sind bei Verhandlungen nicht mehr vertreten
Diese Gruppe ist an den Gesprächen über die Konditionen des Schuldenerlasses nicht mehr direkt beteiligt, seit im Dezember der Hedge-Fonds Vega Asset Management den Verhandlungstisch verließ. Ob die Fondsgesellschaften eine Vereinbarung zwischen IIF und griechischer Regierung am Ende mittragen werden, ist daher zweifelhaft. "Man kann am Ende froh sein, wenn mehr als 50 Prozent der Gläubiger mitziehen", zitierte Reuters den befragten Banker. Damit fiele die Entlastung für Griechenland deutlich geringer aus als erhofft.
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