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Merken   Drucken   21.09.2011, 16:04 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: IWF schätzt Risiken der Banken auf 300 Mrd. Euro

Für ihre Warnungen hat IWF-Chefin Lagarde kräftige Schelte bezogen. Der Finanzstabilitätsbericht des Währungsfonds zeigt: Die Belastung durch die Euro-Krise ist noch größer als zunächst angenommen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt die Risiken der europäischen Banken durch die Schuldenkrise auf rund 300 Mrd. Euro. Das geht aus Auszügen des Finanzstabilitätsberichts hervor, den der Fonds halbjährlich veröffentlicht. Die Summe liegt deutlich über einer ersten Schätzung, die zu Monatsbeginn aus Entwürfen des Berichts bekannt wurde. In der Zusammenfassung spricht der IWF zwar weiterhin von einer potenziellen Belastung von 200 Mrd. Euro. Berücksichtige man allerdings auch die Risiken auf dem Interbankenmarkt durch die angeschlagenen Geldhäuser in hoch verschuldeten Euro-Staaten, steige die Summe auf 300 Mrd. Euro, heißt es im ersten Kapitel.
IWF-Chefin Christine Lagarde   IWF-Chefin Christine Lagarde
Die Zahlen bezögen sich nicht auf den Kapitalbedarf der Banken, betonen die Experten. Gleichzeitig bekräftigen sie aber, einige Institute müssten ihr Eigenkapital aufstocken. IWF-Chefin Christine Lagarde war Ende August mit der Forderung nach einer "dringenden Rekapitalisierung" europäischer Banken auf Kritik gestoßen. Bundesregierung und EU-Kommission teilten mit, es gebe keinen dringenden Handlungsbedarf.
Die Schätzung des IWF bezieht sich auf die Risiken, die europäischen Geldhäusern durch ihre Forderungen an hoch verschuldete Euro-Länder und an die dortigen Banken entstehen. Ausgewählt wurden neben den drei mit Notkrediten von IWF und Euro-Partnern gestützten Hilfsempfängern Griechenland, Irland und Portugal auch Italien, Spanien und Belgien.
Als Berechnungsgrundlage verwendete der Währungsfonds die Kosten für die Absicherung gegen Staats- und Bankpleiten mittels CDS-Kreditausfallderivaten. Die Prämien für CDS insbesondere auf griechische, irische und portugiesische Staatsanleihen sind seit Beginn der Euro-Krise kräftig gestiegen. Sie sind ein Indikator dafür, wie hoch die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Pleite einschätzen.
Mit Abstand am stärksten gefährdet sind dem IWF-Bericht zufolge allerdings die Banken in den hoch verschuldeten Ländern selbst. Demnach könnten die Belastungen durch die Schuldenkrise fast zehn Prozent der Vermögenswerte aller griechischen Banken aufzehren. Der Vergleichswert für die deutschen Banken liegt unter ein Prozent. Das gilt auch für die französischen Geldhäuser, deren Aktien wegen ihres vergleichsweise großen Engagements in den südlichen Mittelmeerländern zuletzt regelrecht abgestürzt sind.
  • FTD.de, 21.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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