Die Revision des Wachstums von Mini auf Minimini verstärkt die Angst vor einem Ausfall des krisengebeutelten Euro-Landes. Kreditausfallversicherungen für Griechen-Bonds steigen auf Rekordhöhe.
Deutlich nach unten revidierte Zahlen zum griechischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) haben die Kosten zur Absicherung gegen einen Kreditausfall der Hellenen in die Höhe getrieben. Credit Default Swaps (CDS) auf fünfjährige Staatsanleihen des Euro-Landes stiegen um 50 Basispunkte (BP) auf einen Rekordwert und liegen nun bei 1510. Im Sog der griechischen Tragödie befinden sich auch Portugal und Irland. CDS für diese zwei Länder, die ebenfalls auf Finanzhilfen der Euro-Partner angewiesen sind, schnellten in die Höhe.
Ein Portrait des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou hängt während einer Demonstration in Athen von einem Galgen
Die griechische Wirtschaft war im ersten Quartal um 0,2 Prozent gewachsen. Das Athener Statistikamt korrigierte seine Schätzung von 0,8 Prozent nach unten. Die erste Prognose hatte Hoffnung aufkommen lassen, dass Griechenlands Konjunktur trotz milliardenschwerer Einsparungen an Fahrt gewinnt. Verglichen mit dem Vorjahr brach die Wirtschaftsleistung aber nach den jetzt veröffentlichten Zahlen mit 5,5 Prozent stärker ein als zuvor mit 4,8 Prozent angegeben.
Marktbeobachter nahmen die Korrektur mit Ernüchterung auf. "Die Zahlen geben nur wenig Hoffnung, dass die griechische Wirtschaft sich auf absehbare Zeit erholen könnte", schreibt Platon Monokroussos von EFG Eurobank in einem Kommentar.
Die Revision für das portugiesische BIP zeigte hingegen einen Rückgang von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal an. Erste Schätzungen hatten einen Wert von 0,7 Prozent gezeigt. "Der Rückgang liegt im Rahmen der Erwartungen", sagte Duarte Leite Castro von IG Markets der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Angesichts der anstehenden Sparmaßnahmen steht uns aber das Schlimmste noch bevor. Wir rechnen mit einem deutlich höheren Minus in den kommenden zwei Quartalen."
Die Aktienmärkte reagierten auf die Zahlen mit Verlusten, vor allem Finanzwerte gaben nach. Anleger kaufen zudem vermehrt als sichere Investments geltende Papiere wie deutsche Staatsanleihen, so dass deren Rendite sinken. Die Revision der Wachstumszahlen wurde knapp vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) bekannt gegeben. Der Euro-Dollar-Kurs veränderte sich kaum in Folge der Meldungen.
Die Märkte glauben immer weniger daran, dass die Griechen sich vor einer Staatspleite retten können. Derzeit kämpft Ministerpräsident Georgos Papandreou im Parlament um die Zustimmung zu Privatisierungsplänen, die als Bedingung für weitere Hilfen gelten, während gleichzeitig die Proteste auf den Straßen immer heftiger werden. "Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt", zitierte Bloomberg den BNP-Paribas-Analysten Ioannis Sokos. "Europäische Politiker sind frustriert, weil sie ihre Wähler von der Notwendigkeit von neuen Hilfen für Griechenland überzeugen müssen, während griechische Politiker selbst nicht in der Lage sind, das eigene Volk von der Notwendigkeit dieser Kredite zu überzeugen."
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