Als nächsten Kandidaten für einen Antrag auf EU-Hilfen betrachten die meisten Beobachter nicht Spanien, sondern Portugal. Noch allerdings stemmt sich das Land dagegen, wegen seiner hohen Staatsverschuldung unter den EU-Rettungsschirm und dessen Auflagen flüchten zu müssen. Das Parlament verabschiedete am Freitag Steuererhöhungen und Sozialkürzungen, durch die das Defizit von derzeit 7,3 auf 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden soll.
Die Renditen zehnjähriger portugiesischer Staatseinleihen erholten sich infolge des Beschlusses am Nachmittag leicht. Sie waren nach Überwindung der Sieben-Prozent-Marke am 10. November praktisch nicht mehr gestiegen - möglicherweise ein Zeichen, dass sich kaum noch Abnehmer fanden. "Die Ankaufs- und Verkaufsspannen für portugiesische Anleihen liegen ungemein weit auseinander", sagte Commerzbank-Analyst David Schnautz FTD.de.
Dagegen legten die Renditen auf vergleichbare spanische Papiere allein seit Anfang dieser Woche um 0,6 Prozentpunkte zu. "Die Märkte konzentrieren sich auf Spanien statt auf Portugal, weil die meisten Anleger glauben, dass ein Antrag Portugals auf EU-Hilfen ohnehin unausweichlich ist", sagte Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnlich äußerte sich Commerzbank-Analyst Schnautz: Ein Hilferuf Portugals sei nur noch eine Frage der Zeit. Refinanzierungskosten von sieben Prozent seien "nicht tragfähig für ein Land, das nächstes Jahr wieder mit der Rezession flirten wird".
Eben um ein Übergreifen der Krise auf Spanien zu verhindern, wollen nach FTD-Informationen eine Mehrheit der Euro-Staaten und die Europäische Zentralbank (EZB) Portugal unter den Rettungsschirm zwingen. Die portugiesische Regierung lehnt einen Antrag auf Milliardenhilfen bislang aber ab.
Spanische Banken sind die größten Gläubiger Portugals: Ende Juni beliefen sich die Forderungen spanischer Banken an Kreditinstitute, Unternehmen und die öffentliche Hand in dem kleinen Nachbarland auf 78 Mrd. Euro. Das geht aus einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor.