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Merken   Drucken   26.11.2010, 16:41 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Massenflucht aus spanischen Staatsanleihen

Einen Zahlungsausfall Portugals haben viele Anleger schon eingepreist. Doch wenn Spanien fallen sollte, stünde die Euro-Zone vor einem massiven Problem. von Barbara Schäder  Frankfurt
Zweifel an der Haltbarkeit des Euro-Rettungsschirms haben die Risikoprämie auf spanische Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung getrieben. Der Euro fiel am Freitag um eineinhalb Cent auf ein Zwei-Monatstief von 1,3211 Dollar.
Die spanische Nationalflagge am Colon-Platz in Madrid   Die spanische Nationalflagge am Colon-Platz in Madrid
Die Zinsdifferenz zwischen zehnjährigen spanischen und deutschen Staatsanleihen vergrößerte sich am Vormittag auf 262 Basispunkte. Die Rendite auf spanische Zehnjahrespapiere kletterte auf bis zu 5,28 Prozent, das ist der höchste Wert seit 2002. Steigende Renditen gehen bei Anleihen mit fallenden Kursen einher, bedeuten also, dass sich Anleger von den Papieren trennen.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero warb um Vertrauen für sein Land. Es sei "absolut ausgeschlossen", dass Spanien auf den Euro-Rettungsfonds zurückgreifen müsse, sagte er am Freitag in einem Rundfunkinterview. "Wir werden aus eigener Kraft aus der Krise kommen", betonte der sozialistische Politiker. In der Vergangenheit haben solche Beteuerungen an den Finanzmärkten allerdings wenig geholfen: Auch der irische Ministerpräsident Brian Cowen hatte lange versichert, Irland werde seine Probleme allein in den Griff bekommen.
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Als nächsten Kandidaten für einen Antrag auf EU-Hilfen betrachten die meisten Beobachter nicht Spanien, sondern Portugal. Noch allerdings stemmt sich das Land dagegen, wegen seiner hohen Staatsverschuldung unter den EU-Rettungsschirm und dessen Auflagen flüchten zu müssen. Das Parlament verabschiedete am Freitag Steuererhöhungen und Sozialkürzungen, durch die das Defizit von derzeit 7,3 auf 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gedrückt werden soll.
Die Renditen zehnjähriger portugiesischer Staatseinleihen erholten sich infolge des Beschlusses am Nachmittag leicht. Sie waren nach Überwindung der Sieben-Prozent-Marke am 10. November praktisch nicht mehr gestiegen - möglicherweise ein Zeichen, dass sich kaum noch Abnehmer fanden. "Die Ankaufs- und Verkaufsspannen für portugiesische Anleihen liegen ungemein weit auseinander", sagte Commerzbank-Analyst David Schnautz FTD.de.
Dagegen legten die Renditen auf vergleichbare spanische Papiere allein seit Anfang dieser Woche um 0,6 Prozentpunkte zu. "Die Märkte konzentrieren sich auf Spanien statt auf Portugal, weil die meisten Anleger glauben, dass ein Antrag Portugals auf EU-Hilfen ohnehin unausweichlich ist", sagte Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnlich äußerte sich Commerzbank-Analyst Schnautz: Ein Hilferuf Portugals sei nur noch eine Frage der Zeit. Refinanzierungskosten von sieben Prozent seien "nicht tragfähig für ein Land, das nächstes Jahr wieder mit der Rezession flirten wird".
Eben um ein Übergreifen der Krise auf Spanien zu verhindern, wollen nach FTD-Informationen eine Mehrheit der Euro-Staaten und die Europäische Zentralbank (EZB) Portugal unter den Rettungsschirm zwingen. Die portugiesische Regierung lehnt einen Antrag auf Milliardenhilfen bislang aber ab.
Spanische Banken sind die größten Gläubiger Portugals: Ende Juni beliefen sich die Forderungen spanischer Banken an Kreditinstitute, Unternehmen und die öffentliche Hand in dem kleinen Nachbarland auf 78 Mrd. Euro. Das geht aus einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor.
Der große Staatsschulden-Atlas Europa   Der große Staatsschulden-Atlas Europa
Wegen der stagnierenden Wirtschaftsleistung in Spanien, einer Rekord-Arbeitslosigkeit von 20 Prozent und der Belastung der Banken durch faule Immobilienkredite gibt es überdies Zweifel an der Stabilität des Landes selbst. Das spanische Haushaltsdefizit war im vergangenen Jahr mit 11,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts das drittgrößte der Euro-Zone, übertroffen wurde es nur von der Neuverschuldung in Irland und Griechenland.
Der seit Tagen anhaltende Ausverkauf spanischer Staatsanleihen macht deutlich, dass die geplante Rettungsaktion für Irland die Märkte nicht hat beruhigen können. Das Rettungspaket, über das Dublin mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) verhandelt, wird höchstwahrscheinlich am Sonntag festgezurrt. Von den insgesamt 85 Mrd. Euro seien 35 Mrd. Euro zur Rettung des Finanzsektors und 50 Mrd. Euro für die Sanierung des Haushalts vorgesehen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Sorgen um Rettungsschirm und Gläubigerhaftung

  • FTD.de, 26.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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