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Merken   Drucken   11.01.2011, 16:23 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Portugal droht neue Rezession

Die Wirtschaftsleistung wird nach Einschätzung der Zentralbank um 1,3 Prozent schrumpfen. Damit schwinden die Chancen des Landes, die Schuldenkrise aus eigener Kraft zu überwinden. Laut Medienberichten ist ein Rettungspaket schon in Vorbereitung.
Das Euro-Sorgenkind Portugal steuert nach Einschätzung der heimischen Zentralbank auf eine Rezession zu. Die Wirtschaftsleistung werde 2011 voraussichtlich um 1,3 Prozent schrumpfen, teilte die Notenbank am Dienstag mit. Die Prognose ist ein weiterer Tiefschlag für die Regierung in Lissabon, die verzweifelt gegen die hohe Staatsverschuldung ankämpft. Ministerpräsident José Socrates bekräftigte, Portugal werde die Krise allein meistern. Dagegen empfahl die Notenbankerin Teodora Cardoso, das Land sollte unter den Rettungsschirm der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) schlüpfen.
Lissabon will die Schuldenkrise durch Sparen in den Griff bekommen. ...   Lissabon will die Schuldenkrise durch Sparen in den Griff bekommen. Dagegen gibt es allerdings Proteste
Eine Inanspruchnahme des Euro-Rettungsschirms hätte den Vorteil, das Portugal nicht ganz so hart sparen müsste, sagte das Direktoriumsmitglied der portugiesischen Notenbank. "Es wäre leichter, wenn wir ausländische Hilfe bekämen, weil die Anpassung dann nicht so abrupt wäre", wurde Cardoso von der Nachrichtenagentur Lusa zitiert. Cardoso wich damit von der bisherigen Linie der Notenbank ab. Zentralbankgouver Carlos Costa hatte stets betont, Portugal könne seine Probleme allein lösen.
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Dass Portugal auf einem Alleingang beharrt, hat gute Gründe. Denn Kredite der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden stets mit Auflagen an das hilfesuchende Land verknüpft. So wurde Irland, das im November als erster Euro-Staat unter den 750 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm von EU und IWF schlüpfte, eine umfassende Restrukturierung seines Bankensektors auferlegt. Portugal, das seit Jahrhunderten unter der Übermacht des Nachbarlands Spanien leidet, will offenbar seine Eigenständigkeit wahren.
Fortschritte beim Schuldenabbau
Ministerpräsident Socrates betonte am Dienstag, seine Regierung komme mit dem Schuldenabbau schneller voran als erwartet. Das Haushaltsdefizit sei im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen auf weniger als 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zusammengeschrumpft. Damit sei das Sparziel für 2010 übertroffen worden.
"Das ist ein hervorragendes Ergebnis für Portugal", sagte Socrates. 2009 hatte Portugal noch einen Fehlbetrag von 9,3 Prozent der Wirtschaftsleistung angesammelt. Anders als die Zentralbank erwartet die Regierung für dieses Jahr ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent.
Gerüchte über die Vorbereitung eines EU-Rettungspakets seien schädlich für Portugal, sagte Socrates. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" hatte am Wochenende gemeldet, Berlin und Paris wollten Lissabon zur Annahme von Hilfen bewegen, um eine Ausweitung der Schuldenkrise zu vermeiden. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Deutschland übe Druck auf Portugal aus.
Nach Informationen der FTD wurde bereits im Herbst im Kreise der EU-Finanzminister darüber beraten, das Land unter den Euro-Rettungsschirm zu nehmen, um die Märkte zu beruhigen. Laut einem Bericht der portugiesischen Tageszeitung "Publico" sind die technischen Vorbereitungen für ein Rettungspaket bereits angelaufen. Das Elf-Millionen-Einwohner-Land könnte von EU und IWF zwischen 60 und 100 Mrd. Euro erhalten, meldete die Zeitung.

Teil 2: Kanzlerin Merkel warnt vor voreiligen Schlüssen

  • FTD.de, 11.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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