Regierungschef Pedro Passos Coelho versucht die Wogen zu glätten: "Wir werden weder mehr Geld noch mehr Zeit brauchen", beteuerte der liberal-konservative Politiker diese Woche. Doch
selbst im eigenen Land sehen das viele Experten anders: Sowohl der Präsident des Industrieverbandes CIP, António Saraiva, als auch der Ex-Notenbankchef und -Finanzminister Jacinto Nunes meinen, das Land werde 30 Mrd. Euro zusätzlich benötigen.
Dabei hat Portugal in den vergangenen Monaten fleißig gespart und reformiert. Erst vor einer Woche wurde mit Unternehmern und Gewerkschaften ein Abkommen über weitgreifende Arbeitsmarktreformen unterzeichnet. Die mit den Geldgebern vereinbarten Defizitziele sollen dank
Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen locker erreicht werden. Ein
Privatisierungs-Programm wurde mit dem Verkauf des Stromriesen EDP
erfolgreich gestartet. Woran es aber hapert, wissen alle: Die
Wirtschaft Portugals ist nicht wettbewerbsfähig, seit zehn Jahren steckt das Land in einer Konjunkturflaute fest.
Sparen allein reicht nicht
Portugal sei ein gutes Beispiel dafür, dass Sparen allein nicht
genug sei, meinte HSCB-Chefsvolkswirt Stephen King am
Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Schauen Sie sich Portugal
an. Hat alles richtig gemacht, gespart und saniert, die von der EU
diktierten Programme durchgeführt, und doch sind seine Yields
unglaublich hoch", sagte King dem TV-Sender CNBC mit Blick auf die hohen Renditen. Die Kombination von Null Wachstum und schmerzhaft hohen Zinsen sei nicht tragbar.