Einer der schärfsten Falken in der Europäischen Zentralbank geht von Bord. Die Gemeinschaftswährung fällt um mehr als ein Prozent. Als möglicher Nachfolger Starks wird Finanzstaatssekretär Asmussen gehandelt.
von Barbara SchäderFrankfurt
EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt zurück. Der 63-Jährige werde zum Jahresende aus dem Amt ausscheiden, teilte die Europäische Zentralbank am Freitag mit. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf Finanzkreise, die Bundesregierung wolle Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen als Nachfolger vorschlagen. Der Euro fiel um mehr als ein Prozent und rutschte zeitweise unter die Marke von 1,37 Dollar.
Finanzstaatssekretär Asmussen könnte Stark im EZB-Direktorium ersetzen
Stark ist nach Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber in diesem Jahr der zweite Deutsche, der die EZB verlässt. Weber war Ende April vorzeitig aus dem Amt geschieden. Damit gab er auch seinen Sitz im EZB-Rat und seinen Anspruch auf die Nachfolge von Notenbankchef Jean-Claude Trichet auf.
Weber begründete seine Entscheidung später mit dem EZB-internen Streit über den Kauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten. Der Bundesbankchef hatte sich im Mai 2010 öffentlich gegen das vom EZB-Rat beschlossene Programm gewandt, konnte sich aber nicht durchsetzen. Stark hatte Webers Kritik beigepflichtet.
Chefvolkswirt begründet Rücktritt mit persönlichen Motiven
Die EZB teilte mit, ihr Chefvolkswirt gehe aus persönlichen Gründen. Sein Rückzug macht aber deutlich, wie schwer sich Verfechter einer strikten Geldpolitik mit dem Krisenmanagement der Zentralbank tun. Stark hatte im April gedroht, im Falle eines Schuldenerlasses für Griechenland werde die EZB Staatsanleihen des Landes nicht mehr als Sicherheiten für Kredite an Geschäftsbanken akzeptieren.
Diese Drohung ließ sich letztlich nicht aufrechterhalten - obwohl auf dem EU-Gipfel Ende Juli beschlossen wurde, dass private Gläubiger Athen einen Teil seiner Schulden erlassen sollten. EZB-Chef Trichet gab seinen Widerstand dagegen kurz vor dem Gipfel auf.
Stark war einer der wortgewaltigsten Falken unter den Währungshütern. Er warnte sogar, die Folgen eines Schuldenerlasses könnten "die Auswirkungen der Lehman-Pleite in den Schatten stellen". Mit dem Insolvenzantrag der US-Investmentbank hatte die Finanzkrise im Herbst 2008 ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.
Tatsächlich hat sich seit dem Beschluss der Privatgläubigerbeteiligung die Lage auf den Finanzmärkten dramatisch verschlechtert, was allerdings auch mit dem Schuldendrama in den USA und dem Rückgang des Wirtschaftswachstums zusammenhängt.
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