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Merken   Drucken   09.09.2011, 20:39 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Stark schockiert die Märkte

Einer der schärfsten Falken in der Europäischen Zentralbank geht von Bord - ein Beleg für die Zerstrittenheit der Währungshüter. Der Euro stürzt ab, der DAX schließt vier Prozent im Minus. Als möglicher Nachfolger Starks wird Finanzstaatssekretär Asmussen gehandelt.
© Bild: 2011 Bloomberg/Jerome Favre
Einer der schärfsten Falken in der Europäischen Zentralbank geht von Bord - ein Beleg für die Zerstrittenheit der Währungshüter. Der Euro stürzt ab, der DAX schließt vier Prozent im Minus. Als möglicher Nachfolger Starks wird Finanzstaatssekretär Asmussen gehandelt. von Barbara Schäder  Frankfurt
EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt zurück. Der 63-Jährige werde zum Jahresende aus dem Amt scheiden, teilte die Europäische Zentralbank am Freitag mit. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf Finanzkreise, die Bundesregierung wolle Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen als Nachfolger vorschlagen.
Finanzminister Wolfgang Schäuble nannte zwar keine Namen. Im ZDF stellte er aber klar, dass Berlin einen eigenen Kandidaten ins Rennen um die Stark-Nachfolge schicken werde. Der CDU-Politiker versicherte, die EZB werde an einer Politik festhalten, die die Stabilität der Gemeinschaftswährung garantiere.
Finanzstaatssekretär Asmussen könnte Stark im EZB-Direktorium ...   Finanzstaatssekretär Asmussen könnte Stark im EZB-Direktorium ersetzen
Den Rücktritt selbst bedauerte Schäuble. Stark habe einen großen Beitrag zur Stabilität des Euro geleistet. Zu den Gründen für den Abgang wollte sich der Minister nicht äußern. Am späten Abend will sich Schäuble gemeinsam mit Bundesbank-Präsident Jens Weidmann den Fragen der Presse stellen.
Die Märkte reagierten auf den bevorstehenden Abgang des konservativen Währungshüters entsetzt: Der Euro  fiel um 1,6 Prozent und rutschte erstmals seit Anfang Februar unter die Marke von 1,37 Dollar. Gegenüber dem Yen  stürzte die Gemeinschaftswährung zeitweise um zwei Prozent ab. Zum Pfund  gab der Euro rund ein Prozent nach.
Der DAX  fiel um vier Prozent auf 5190 Punkte - den tiefsten Stand seit Juli 2009. Auch der Euro Stoxx 50  verlor gut vier Prozent. Der italienische Leitindex FTSE/MIB  stürzte um fast fünf Prozent ab.
Für zusätzliche Verunsicherung sorgten offenbar Gerüchte, Griechenland stehe unmittelbar vor einem Zahlungsausfall. Finanzminister Evangelos Venizelos sprach von "organisierten Spekulationen gegen den Euro und die Euro-Zone im Ganzen". Im Internet hatte es geheißen, Griechenland werde am Wochenende zahlungsunfähig. Venizelos sprach von einem "geschmacklosen Spiel". Es sei nicht das erste Mal, dass eine solche Gerüchtewelle losgetreten worden sei.
Das hoch verschuldete Italien ist derzeit in besonderem Maße auf die Anleihekäufe der EZB angewiesen. Die Refinanzierungskosten des Landes waren im August auf den höchsten Stand seit elf Jahren Euro gestiegen. Durch die Stützungskäufe gingen sie wieder leicht zurück. Gegen eben diese Anleihekäufe leistete Stark gemeinsam mit Bundesbankchef Jens Weidmann Widerstand - ohne Erfolg.

Teil 2: Italienische Bond-Renditen schießen hoch

  • FTD.de, 09.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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