Die Kosten für die Absicherung spanischer Staatsanleihen gegen eine Pleite haben am Montag ein Rekordhoch erreicht. Die Prämien für entsprechende CDS-Kreditausfallderivate kletterten laut dem Finanzdatendienstleister CMA um neun auf 511,5 Basispunkte. Damit kostete es 511.500 Euro, spanische Schuldtitel im Wert von 10 Mio. Euro ein Jahr lang gegen einen Zahlungsausfall abzusichern.
Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte zuvor mitgeteilt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei in den ersten drei Monaten dieses Jahres weiter geschrumpft. "Im Augenblick erwarte ich für das erste Quartal ein ähnliches Muster wie im Schlussquartal des vergangenen Jahres", sagte de Guindos der Zeitung "El Mundo". Damit bestätigte der Wirtschaftsminister, dass Spanien in eine Rezession abgerutscht ist. De Guindos betonte allerdings, der Einbruch sei weniger heftig als er befürchtet hätte: "Wenn Sie mich vor zwei Monaten gefragt hätten, hätte ich erwartet, dass das erste Quartal 2012 sehr viel schlechter ausfällt."
Der spanische Leitindex Ibex 35 legte daraufhin zeitweise um ein Prozent zu, drehte aber wenig später ins Minus. Der DAX gab um bis zu 0,5 Prozent nach, machte die Verluste im Laufe des Vormittags allerdings wieder wett.
Als Belastung erwiesen sich vor allem Finanztitel: Die Commerzbank verlor rund drei Prozent, die Deutsche Bank gab zeitweise mehr als zwei Prozent nach. Die Kurse der französischen BNP Paribas und der spanischen Bank BBVA brachen sogar um mehr als vier Prozent ein. Die Ratingagentur Moody's hatte am Freitag die Frist für die laufende Überprüfung der Bonitätsnoten von 114 europäischen Banken verlängert und damit die Gefahr einer Herabstufung wieder in Erinnerung gerufen.
Gleichzeitig stiegen die Risikoprämien auf spanische Staatsanleihen: Die Renditen von Zehnjahrespapieren erreichten mit 6,15 Prozent den höchsten Stand seit Jahresbeginn. Damit erhöhte sich der Renditeaufschlag, den Anleger dafür verlangen, dass sie zehnjährige spanische anstelle vergleichbarer deutscher Staatsanleihen kaufen, auf 4,44 Prozentpunkte.
Steigende Renditen gehen bei Anleihen mit sinkenden Kursen einher, deuten also darauf hin, dass sich Anleger von den Papieren trennen. Gleichzeitig sind die Renditen ein Indikator für die Zinsen, mit denen Madrid bei der Emission neuer Schuldtitel rechnen muss. Die Regierung will sich am Donnerstag mit einer neuen Zehnjahresanleihe auf den Markt wagen. Bereits am Dienstag ist eine Auktion kurzlaufender Geldmarktpapiere geplant.
Spanien hat im vergangenen Jahr das Ziel verfehlt, das Haushaltsdefizit auf sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken. Die Neuverschuldung erreichte stattdessen 8,5 Prozent des BIP. Für das laufende Jahr strebt die Regierung nun eine Senkung des Defizits auf 5,3 Prozent an, ursprünglich war eine Obergrenze von 4,4 Prozent vorgesehen.
Die Sorge um die viertgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion drückte auch den Euro: Die Gemeinschaftswährung verlor in der Spitze 0,6 Prozent und rutschte kurzzeitig unter die Marke von 1,30 Dollar. Der Goldpreis fiel zeitweise sogar um ein Prozent - da das Edelmetall in Dollar notiert ist, macht der Anstieg des Greenback gegenüber dem Euro Gold für europäsche Anleger teurer.
Noch heftiger reagierte der Ölpreis: Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,5 Prozent auf knapp 120 Dollar pro Barrel (159 Liter). Neben dem starken Dollar dämpft auch die Furcht vor einer Lähmung der europäischen Wirtschaft die Nachfrage nach Öl.