Vor dem EU-Gipfel kommen neue Hiobsbotschaften aus den Euro-Krisenstaaten: Nach Nullwachstum im dritten Quartal ist die spanische Wirtschaft zum Jahresende geschrumpft. In Italien verschlechtert sich das Geschäftsklima.
Spanien steuert auf eine neue Rezession zu: Die Wirtschaftsleistung ging im zurückliegenden Quartal um 0,3 Prozent zurück. Das teilte das nationale Statistikamt am Montag auf Grundlage einer vorläufigen Schätzung mit. Im gesamten Jahr 2011 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,7 Prozent, das Wachstum geht aber ausschließlich aufs erste Halbjahr zurück. Im dritten Quartal stagnierte die Wirtschaftsleistung.
Von einer Rezession sprechen Wissenschaftler bei zwei Minusquartalen in Folge. Spanien war schon von der Weltwirtschaftskrise 2009 überdurchschnittlich hart getroffen worden und überwand den damaligen Konjunktureinbruch erst Mitte 2010.
Für 2012 erwartet die Notenbank in Madrid einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent. Damit sinken die Chancen der Regierung, ihr Haushaltsloch zu stopfen. Dabei hatte Spanien im Kampf um das Vertrauen der Märkte in den vergangenen Wochen Boden gut gemacht: Die Refinanzierungskosten des Landes sind seit dem Amtsantritt der neuen konservativen Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy im Dezember deutlich zurückgegangen.
Finanzminister Cristóbal Montoro äußerte indes schon vor zwei Wochen in einem FTD-Interview Zweifel, ob sein Land die Neuverschuldung dieses Jahr wie geplant auf 4,4 Prozent des BIP senken könne. Dieses Ziel war von der sozialistischen Vorgängerregierung ausgegeben worden. Schon im vergangenen Jahr fiel das Haushaltsloch mit rund acht Prozent des BIP um zwei Prozentpunkte höher aus als geplant.
Spanien gilt wie Italien in der Schuldenkrise als Wackelkandidat. Im Gegensatz zu Griechenland, Irland und Portugal haben die beiden Staaten bislang keine Notkredite der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch genommen. Dennoch gilt die Entwicklung ihrer Refinanzierungskosten als schicksalsentscheidend für die gesamte Währungsunion. Denn Spanien und Italien sind zu groß, um über mehrere Jahre von den Euro-Partnern gestützt zu werden.
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