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Merken   Drucken   30.11.2011, 18:14 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Warum die Notenbanken wieder Feuerwehr spielen

Zum zweiten Mal in drei Monaten starten die Währungshüter eine konzertierte Aktion zur Beruhigung der Märkte. Der Schritt macht deutlich, wie groß die Probleme im Bankensektor sind. Eine Analyse von Frank Bremser 
Die großen Notenbanken haben mit einem gemeinsamen Kraftakt zur Stützung des Finanzsystems die Märkte beflügelt. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Federal Reserve in den USA und die Notenbanken Großbritanniens, Japans, Kanadas und der Schweiz wollen den Geschäftsbanken den Zugang zu Krediten in Fremdwährungen erleichtern, um die Rezessionsgefahr zu lindern. Die Währungshüter reagieren damit auf die Probleme insbesondere europäischer Institute, sich Dollar zu beschaffen.
Die Märkte feierten die Ankündigung, die Kurse an allen wichtigen Börsen machten einen Freudensprung. Analysten warnte allerdings vor Euphorie: "Dies ist nur ein Herumlaborieren am Symptom, fundamental ändert sich nichts“, sagte Giuseppe Amato vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz. Ein Überblick über die Hintergründe der Intervention.
US-Dollarnoten   US-Dollarnoten
Ein großes Problem für die Banken ist derzeit der Zugang zur Leitwährung Dollar. Ein Grund dafür ist, dass US-Geldmarktfonds ihre Investitionen in europäische Bankanleihen erheblich verringert haben. Laut einer Studie der Ratingagentur Fitch haben die zehn größten US-Geldmarktfonds ihre Forderungen an europäische Banken von Ende Mai bis Ende Oktober um 42 Prozent zurückgefahren.
Als Risikomaß für die Probleme bei der Dollar-Refinanzierung gilt der Cross Currency Basis Swap für Drei-Monats-Geschäfte. Dabei leiht sich ein Investor von einem Partner Dollar, dem er gleichzeitig Euro borgt. Beide tauschen Gelder zum aktuellen Wechselkurs. Im Gegensatz zum normalen Devisentausch vereinbaren die Parteien dabei, sich gegenseitig Zinsen für die Laufzeit des Geschäfts zu zahlen. Derzeit muss ein Investor einen Abschlag auf den Euro-Zins hinnehmen. Gleichzeitig muss er jedoch den vollen Dollar-Zins für die Ausleihe in der US-Währung zahlen. Die Dollar-Darlehen verteuern sich somit für europäische Banken, wenn der Abschlag steigt.
Zentralbankkredite in Dollar werden billiger
Die EZB, die Federal Reserve sowie die Notenbanken Großbritanniens, Japans, Kanadas und der Schweiz wollen Kredtinstituten deshalb den Zugang zu Fremdwährungskrediten erleichtern. Die Währungshüter kündigten eine Senkung der Gebühren für die Vergabe von Darlehen in Dollar außerhalb der USA an. Gleichzeitig soll auch die Verfügbarkeit von Euro außerhalb der Währungsunion und von anderen Fremdwährungen erhöht werden.
Infolge der Ankündigung der Notenbanken sank der Cross Currency Swap von 167 auf 153 Basispunkte. Am 4. Mai diesen Jahres hatte er noch Minus acht betragen.
Unwetterwolken über der Skyline vor Frankfurt   Unwetterwolken über der Skyline vor Frankfurt
Weil sich die Banken untereinander nicht mehr vertrauen, leihen sie sich auch kein Geld mehr. Dass sieht man unter anderem am sogenannten Libor-OIS-Spread. Dieser stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit März 2009. Der Overnight-Index-Swap-Satz (OIS) ist dabei ein spezielles Zins-Swap-Geschäft. Bei einem solchen Deal tauschen die Handelspartner untereinander Zinszahlungen aus. Im Fall des OIS handelt es sich dabei um den Handel eines festen Referenzzinssatzes gegen einen variablen Zins auf Basis von Tagesgeldzinssätzen.
Die Differenz zwischen dem Dreimonats-Euribor, also dem Termingeldzinssatz für die Laufzeit von drei Monaten, und dem OIS gilt als Maß für Risiko und Liquidität am Interbankenmarkt. Zum Dreimonatszins leihen die Banken einander tatsächlich Geld - er gilt daher als riskanter Satz. Zum OIS werden dagegen nur Zinsen getauscht, weshalb er auch als risikoloser Satz angesehen wird.
Vor der Finanzkrise lag der Spread in der Euro-Zone bei fünf Basispunkten. Derzeit beträgt er 98,2 Basispunkte. Das Misstrauen der Banken der Euro-Zone untereinander ist so groß, dass sie sich ihr Geld am liebsten bei der EZB besorgen. Zuletzt hatte sie mitgeteilt, dass die wöchentlichen Ausleihungen der Banken auf den höchsten Stand in zwei Jahren angeschwollen seien.
Seit der Jahrtausendwende ist dies das vierte Mal, dass die wichtigsten Notenbanken der Welt abgestimmt handeln. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatten sie kollektiv ihre Leitzinsen gesenkt, die EZB damals von 4,25 Prozent auf 3,75 Prozent. Damit sollte verhindert werden, dass die Terroranschläge in den USA eine Wirtschaftskrise auslösen.
Beim jüngsten Eingriff arbeitete Fed-Chef Bernanke erstmals mit ...   Beim jüngsten Eingriff arbeitete Fed-Chef Bernanke erstmals mit dem neuen EZB-Präsidenten Draghi zusammen
Eine weitere konzertierte Aktion gab es im Oktober 2008, kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Auch damals senkten EZB, Fed , Bank of England sowie die Notenbanken der Schweiz, Kanadas und Schwedens gemeinsam die Zinsen. Die Notenbanken begründeten den Schritt damals mit der Unsicherheit an den Finanz- und Geldmärkten. Zudem seien die Risiken einer steigenden Inflation gesunken.
Die letzte gemeinsame Aktion großer Notenbanken liegt gerade einmal zweieinhalb Monate zurück - und betraf ebenfalls den Dollar. Mitte September hatten EZB, Fed, Bank of England, japanische Notenbank und Schweizer Nationalbank bekannt gegeben, den Banken der Euro-Zone weitere Dollar-Kredite zu gewähren. Zusätzlich zu den im Mai 2010 eingeführten Darlehen mit einer Laufzeit von drei Monaten räumten sie den Geschäftsbanken die Möglichkeit ein, zunächst zu drei Terminen einen Dreimonatskredit in der US-Währung aufzunehmen. Laut der Ankündigung vom Mittwoch sollen solche Dreimonatskredite künftig "regelmäßig" angeboten werden.
  • FTD.de, 30.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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