Hellas entgeht der Pleite - vorläufig. Möglich wird das durch neue Milliardenhilfen der Euro-Retter und einen Schuldenerlass privater Kreditgeber des Landes, der über einen Anleihetausch abgewickelt wird. FTD.de erklärt den Haircut im Detail.
Banken, Versicherungen, Hedge-Fonds und Privatanleger besitzen griechische Staatsanleihen im Wert von gut 200 Mrd. Euro. Nun sollen sie auf mehr als die Hälfte ihres Geldes (53,5 Prozent) verzichten und in neue Papiere umtauschen. Der Haircut fällt damit größer aus als bisher erwartet.
Das bringt den Investoren einen Verlust von 70 bis 75 Prozent. Dadurch soll die Schuldenlast des Staates am Rande des Bankrotts um 107 Mrd. Euro sinken, derzeit liegt sie bei 350 Mrd. Euro. Vereinbart wurde der freiwillige Forderungsverzicht auf dem EU-Gipfel im Oktober 2011, die Details stehen aber erst seit der Nacht zum Montag fest.
Das Angebot zum Schuldentausch soll in den in den nächsten Tagen kommen. "Wir erwarten eine sehr hohe Beteiligung", sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker. Laut EU-Diplomaten soll dies bis zum 9. März abgeschlossen sein. Ein Überblick über die Pläne:
Die Gläubiger tauschen ihre alten griechischen Anleihen in neue Papiere. Das heißt, wer einen Euro investiert hat, bekommt dafür weniger als 50 Cent. Um ihnen den Verzicht zu versüßen (englisch: "sweeten"), sind Garantien für neue Anleihen der privaten Gläubiger geplant.
Für ihre alten Griechen-Papiere von 200 Mrd. Euro erhalten Banken und Versicherungen beispielsweise 30 Mrd. sichere EFSF-Anleihen plus 70 Mrd. Euro neue griechische Staatsanleihen mit langer Laufzeit und niedrigen Zinsen. Die Zinssätze beginnen bei 2 Prozent, steigen später auf 3 Prozent und erst nach 2020 auf 4,3 Prozent.
Der Schuldenschnitt von 53,5 Prozent und der Tausch in geringer verzinsliche Anleihen bedeuten, dass Gläubiger insgesamt mehr als 70 Prozent - gerechnet in Gegenwartswerten - verlieren. Die Durchschnittsverzinsung für die Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren beträgt 3,65 Prozent. Insgesamt dürfte die Regelung dazu führen, dass die privaten Gläubiger auf deutlich mehr als 70 Prozent ihres Geldes verzichten.
Dann müsste Athen den Verzicht erzwingen, was Turbulenzen und Komplikationen auslösen könnte. So müsste Athen ein Gesetz erlassen, wonach der Forderungsverzicht für alle Gläubiger - über eine nachträgliche Änderung der Anleihebedingungen - bindend ist. Es würden Umschuldungsklauseln, sogenannte Collective Action Clauses (CAC), eingeführt.
Nein, weil eine Beteiligung als verbotene Staatsfinanzierung gelten würde. Um das zu verhindern, hat sie ihre griechischen Anleihen nach Angaben aus Notenbank-Kreisen vorsorglich in neue Bonds umgetauscht. Diese sind bis auf die Kennnummer identisch und sind künftig vor einem erzwungenen Schuldenschnitt geschützt.
Weil es 30 Mrd. Euro enthält, die Anreize ("sweeteners") für die neuen EFSF-Anleihen geben. Ohne sie würden Privatgläubiger wohl nicht freiwillig an dem Schuldenerlass mitmachen. Seit vergangener Woche ist eine Art Teilkaskoversicherung in Kraft, bei der der EFSF das Ausfallrisiko neuer Anleihen von Krisenländern zu 20 bis 30 Prozent übernimmt, wenn Athen die Geldgeber nicht bedienen kann. Zudem braucht Hellas neue Kredite, weil ein solcher Haircut Geld kostet, das Griechenland nicht hat. Da auch die Banken des Landes mit einem Schuldenverzicht viel Geld verlieren, benötigen sie frisches Kapital vom Staat.
Im Gegenzug für das internationale Hilfspaket verliert Griechenland einen Teil seiner Haushaltssouveränität und muss Kontrollen akzeptieren. So wird ein Sperrkonto eingerichtet, auf das Hilfsgelder fließen - die dann ausschließlich für die Rückzahlung von Zinsen benutzt werden dürfen.
Wahrscheinlich nicht. Die Euro-Länder haben die Beschlüsse zu Griechenland immer wieder als einmalige Ausnahme dargestellt. Bei der Rettung verzichtet man künftig faktisch auf die Beteiligung privater Gläubiger. Denn dies hatte auf den Märkten erhebliche Zweifel an der Solidität europäischer Anleihen ausgelöst - und potenzielle Anleger traten in einen Käuferstreik, der die Krise noch verschärfte.
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